Marcus Wienbrandt benötigt eine Ladesäule in der Gartenstadt Sesekeaue. Es dauert aber offenbar noch, bis die angekündigte Stromtankstelle installiert werden kann. © Marcel Drawe
E-Mobilität

45 Tage aus dem Fenster geblickt, nichts ist passiert: Tesla-Fahrer wartet auf Ladesäule

45 Tage lang jeden Morgen aus dem Fenster geblickt und nichts ist passiert. Die Ladesäule, auf die ein Tesla-Fahrer wartet, steht noch nicht. Der E-Mobilist ist enttäuscht.

„Gucken Sie doch morgens mal aus dem Fenster – vielleicht steht die Ladestation schon da“. Der Satz, den Vorsitzender Denis Aschoff im jüngsten Umwelt- und Klimaausschuss an Tesla-Fahrer Marcus Wienbrandt richtete, klang verheißungsvoll. Seitdem hat der Bewohner der Gartenstadt Sesekeaue, der sich eine bessere Infrastruktur für E-Mobil-Fahrer wünscht und einen entsprechenden Bürgerantrag an die Stadt Kamen gerichtet hat, fast 45 mal morgens aus dem Fenster geblickt. Und nichts ist passiert. Der 47-jährige Kamener, der als Mieter keine Möglichkeit hat, sein Fahrzeug vor der Haustür aufzuladen, ist enttäuscht. „Ich hatte nach der Aussage gehofft, dass es schneller geht.“

Marcus Wienbrandt parkt vor der Haustür in der Gartenstadt. Die Stadt arbeitet zurzeit ein Konzept für die Ladeinfrastruktur in Kamen. Dabei soll zielgerichtet auf Wohnquartiere – wie es die Gartenstadt ist – geblickt werden.
Marcus Wienbrandt parkt vor der Haustür in der Gartenstadt. Die Stadt arbeitet zurzeit an einem Konzept für die Ladeinfrastruktur in Kamen. Dabei soll zielgerichtet auf Wohnquartiere – wie es die Gartenstadt ist – geblickt werden. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Möglicherweise dauert es noch länger mit dem Anschluss

Er hat sich bei der UKBS, die in dem musterhaften Quartier viele Wohnungen vermietet, nach der Ursache erkundigt. Mittlerweile, so die Rückmeldung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, hätten sich UKBS und Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen-Bönen-Bergkamen kurzgeschlossen, um das Projekt in Angriff zu nehmen. Zurzeit laufen Standortsuche, Kostenberechnungen und die Frage, wie das technisch umsetzbar ist. „Möglich ist offenbar auch ein zentraler Standort.“

Das wäre auch in Wienbrandts Sinne. Dass es nun aber möglicherweise noch Wochen oder Monate dauert, bis er Strom für sein E-Fahrzeug ziehen kann, darüber ist er nicht glücklich. „Es geht doch um eine kleine Ladesäule.“ Ist er womöglich zu ungeduldig nach dem sehr schnellen Signal auf seinen Antrag? „Finde ich nicht“, sagt er auf Anfrage der Redaktion. „Ich habe den Ball schon im vergangenen November ins Rollen gebracht.“

Konzept für die Ladeinfrastruktur

Die Stadt arbeitet zurzeit an einem Konzept für die Ladeinfrastruktur in Kamen. Dabei soll zielgerichtet auf Wohnquartiere – wie es die Gartenstadt ist – geblickt werden. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur, so die Stadtverwaltung in einer Vorlage für den jüngsten Ausschuss, solle sich nicht primär auf Autobahnen und Fernstraßen konzentrieren. „Ziel soll es vor allem sein, die Versorgung in den Wohnquartieren und nahe der Arbeits- und auch Einkaufsstandorte zu gewährleisten“, heißt es. Im Speziellen gelte das auch für Mieter ohne festen Stellplatz oder Garage, da dort eine Selbstversorgung erheblich erschwert sei.

Infrastruktur außerhalb des Innenstadtgebiets

Vorige Woche machte der Energiekonzern EnBW aus Baden-Württemberg auf sich aufmerksam, als er für Kamen den größten Schnellladepark Europas ankündigte, der im Kamen-Karree gebaut werden soll. „Finde ich toll, nützt mir aber nichts“, sagt E-Mobilist Wienbrandt. „Als Tesla-Fahrer fahre ich zunächst weiter zu den Superchargern bei Connies Diner.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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