Ein kleiner Tropfen Blut für eine große Frage: Bin ich gegen eine Corona-Infektion ausreichend geschützt? Nach 15 Minuten steht das Ergebnis fest. © Milk, Stefan
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Antikörpertest in der Apotheke: Wie gut bin ich vor Corona geschützt?

Wer gegen das Coronavirus geimpft ist, hat einen guten Schutz gegen schwere Erkrankungen. Doch die zentrale Frage ist: Wie groß sind die Abwehrkräfte wirklich? Ein Antikörpertest gibt die Antwort.

Zweimal geimpft mit AstraZeneca, relativ spät, weil es zuvor nirgendwo einen Impftermin gab. Trotz zweifacher Priorisierung. Seitdem Anfang September die zweite Impfung erfolgte, dann bei mir das Gefühl von mehr Sicherheit in Zeiten der Pandemie. Doch hat die Impfung überhaupt gewirkt?

„Das ist die zentrale Frage“, sagt auch Apotheker Dennis Nigge, der in Heeren-Werve die Barbara-Apotheke im Gesundheitshaus an der Westfälischen Straße 44a führt. Als eine der ersten Apotheken der Region bietet er ab sofort einen zertifizierten Antikörper-Schnelltest an. „Es ist doch eine Frage, die alle betrifft, sowohl Geimpfte, Ungeimpfte und Genesene.“

Mit einer Pipette zwei Tropfen Blut abgenommen für den Antikörpertest, der Aufschluss gibt über die Abwehrkräfte gegen Corona: Apotheker Dennis Nigge, Redakteur Carsten Janecke.
Mit einer Pipette zwei Tropfen Blut abgenommen für den Antikörpertest, der Aufschluss gibt, über die Abwehrkräfte gegen Corona: Apotheker Dennis Nigge, Redakteur Carsten Janecke. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die zentrale Frage: Brauche ich einen Impf-Booster?

Mich interessiert es natürlich auch. Vor allem deswegen, weil jetzt ja alle über die dritte Impfung, den sogenannten Booster, reden. Ist der schon notwendig, um den Schutz gegen das Coronavirus aufrecht zu erhalten? Wird mein Immunsystem mit einer Infektion, die ja täglich passieren kann, fertig?

Nigge wird über den Test gleich eine Antwort geben. „Je mehr Antikörper im Blut festgestellt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, bei einer Ansteckung keinen schweren Verlauf zu haben“, sagt er. Dabei ist ihm ein Hinweis wichtig. Das Ergebnis, das er mir gleich präsentieren wird, sollte immer auch vom behandelnden Arzt eingeordnet werden.

Ein kleiner Piks in die Fingerbeere

Jetzt geht´s schon los. Ein Termin musste vorher nicht vereinbart werden, die Kosten betragen 19,95 Euro. Mit einer Stechhilfe ähnlich wie beim Blutzuckertest gibt es einen kleinen Piks in die Fingerbeere. Mit einer Pipette nimmt Nigge das Blut, das gerade austritt, auf. „Genau 20 Mikroliter Blut sind notwendig“, sagt er. „Das sind etwa zwei Tropfen.“

Mit einer sogenannten Eppendorf-Pipette wird die Lösung mit dem Blut auf ein Testkärtchen getropft. Jetzt sind es nur noch wenige Minuten bis zum Ergebnis.
Mit einer sogenannten Eppendorf-Pipette wird die Lösung mit dem Blut auf ein Testkärtchen getropft. Jetzt sind es nur noch wenige Minuten bis zum Ergebnis. © Milk, Stefan © Milk, Stefan

Die zwei Tropfen mischt er in eine sogenannte Pufferlösung, die auf ein Testkärtchen getropft wird, ähnlich wie beim Corona-Schnelltest. Das Testkärtchen wird dann in das Gerät geschoben, das sich Nigge neu angeschafft hat. Ein Vitalab LS. Wie im CD-Spieler verschwindet das Kärtchen mit leisem Surren durch einen Schlitz.

15 Minuten dauert es, bis das Ergebnis da ist

15 Minuten dauert es nun, bis das Vitalab das Ergebnis über einen Bon ausspuckt. Zeit genug für Nigge, mir das Prinzip der Antikörper in einfachen Worten zu erklären. „Der Test zeigt, wie groß die Abwehrkräfte im Blut sind – der Fachmann spricht von der Neutralisationsfähigkeit der Antikörper.“ Diese Antikörper, die sich im Blut befinden, legen sich bei einer Infektion um das Virus. Je mehr vorhanden sind, desto besser kann das Virus ausgeschaltet werden. Nigge: „Es kann dann nicht mehr an die Körperzellen andocken.“

Apotheker Dennis Nigge bietet ab sofort Antikörpertests an, die die Abwehrkraft des Körpers gegen Corona ermitteln.
Apotheker Dennis Nigge bietet ab sofort Antikörpertests an, die die Abwehrkraft des Körpers gegen Corona ermitteln. © Milk, Stefan © Milk, Stefan

Unter einem Wert von 21,8 gilt man als nicht geschützt

Jetzt sind die 15 Minuten fast abgelaufen. Der Wert wird in der Einheit Binding Antibody Units pro Milliliter (BAU/ml) gemessen. Unter einem Wert von 21,8, so heißt es in der Fachwelt, gilt man als nicht geschützt. Wer über 1000 liegt, gilt als bestens geschützt und benötigt, soweit er keine anderen Gebrechen hat, vermutlich keinen Booster. Dazwischen liegt die Grauzone, die Ärzte in den richtigen Kontext setzen lassen können. Nigge hat sich selbst testen lassen – mit einem Wert von 300. „Da ich gesund bin, benötige ich erst einmal keinen Booster“, sagt er.

Die 15 Minuten sind rum. Das Laufwerk gibt das Testkärtchen aus, gleichzeitig spuckt das Gerät einen Bon aus. Und? Wie sieht´s aus? Oh, große Erleichterung! 1153,36 BAU/ml. Nigge: „Da kann man sagen, dass Sie einen sehr guten Schutz haben.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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