Familie Biernath aus Kamen wird Weihnachten wohl im engsten Kreise feiern. Die Zeit verbringen Maik, Pia und ihre Kinder Lukas und Mila zum Beispiel an der frischen Luft. Dort haben sie auch ihren Weihnachtsbaum selber geschlagen. © privat
Weihnachten 2020

Gerecht und in kleinem Kreise: Familie gibt Einblicke in ihre Weihnachtsplanung

Familie Biernath steht vor der Hürde, in dieser schweren Zeit ein schönes Weihnachtsfest auf die Beine zu stellen. Das ist nicht einfach, aber eins ist für sie klar: Es sollte gerecht zugehen.

„Wir hängen komplett in der Luft“, sagt Pia Biernath aus Kamen. Ihre Familie steht derzeit vor einer Frage, die sich viele Familien im ganzen Kreis Unna und darüber hinaus stellen: Wie feiern wir unter diesen Umständen Weihnachten? Die Kamener Familie erzählt, wie ihre aktuellen Pläne aussehen, was für sie wichtig ist und gibt Anregungen, wie sich die freien Tage gestalten lassen.

Pia Biernath, ihr Mann Maik und ihre zwei Kinder Mila und Lukas feiern normalerweise im großen Kreis. Die Biernaths treffen sich am Heiligen Abend jedes Jahr mit den Großeltern und der Familie von Pia Biernaths Bruder. Eine gemütliche große Runde, die zurzeit unvorstellbar scheint.

„Das würde dieses Jahr den Rahmen sprengen“, sagt die Kamenerin. Die Biernaths halten es angesichts der dynamischen Lage auch für möglich, dass sich die Regeln noch einmal ändern. „Wir können nicht planen“, sagt Pia Biernath.

Lieber im kleinen Kreis feiern als jemanden auszuschließen

Die Familienmitglieder wollen sich in der Weihnachtswoche noch einmal zusammenschalten. Zu 99 Prozent stehe aber fest, dass die vierköpfige Familie im kleinen Kreis feiert und am 24. Dezember unter sich bleibt. „Wir möchten vermeiden, nur mit einem Teil zu feiern und der andere bleibt außen vor“, sagt Pia Biernath. Nur ihre Eltern oder die Mutter ihres Mannes einzuladen, fände sie ungerecht.

Eine Beschäftigungsidee von Familie Biernath. Ein weihnachtliches Fotoshooting mit passender Deko und Weihnachtspullover. © privat © privat

„Wir werden wohl an Heiligabend im Vierer-Kreis alleine feiern“, sagt Biernath. An den darauffolgenden zwei Weihnachtstagen könnten dann die Großeltern einzeln besucht werden. „Wir haben das Glück, dass unsere Kinder neun und elf sind, sodass sie nicht mehr unbedingt mit Oma kuscheln wollen. Aus der Gefahrenzone sind wir raus“, sagt die 45-Jährige. Man wolle beim Besuch der Großeltern nicht zu beengt aufeinandersitzen, sich aber schon sehen. „Ich möchte aber keine Maske dabei tragen. Wenn es so weit geht, dann bleiben wir zu Hause und mache Zoom an“, so Biernath.

Videokonferenz an Weihnachten wäre nur eine Notlösung

Eine Videokonferenz einzuberufen sei für sie aber nur eine Notlösung und auch keine Option für den Heiligen Abend. „Das kann man immer mal machen, aber nicht an so einem Abend“, sagt sie. Es sei kein adäquater Ersatz. „Dann warten wir lieber, bis wir uns wiedersehen können oder treffen uns separat.“

Da die Ferien nun länger andauern, habe die Familie noch lange Zeit, die Großeltern zu besuchen. „Das muss man nicht an den drei Tagen festmachen“, findet Biernath. Zur Not sehe man sich nach Weihnachten wieder.

Familie Biernath unternimmt viele Ausflüge – zum Beispiel zum Freizeitzentrum Lüner Höhe, das zurzeit weihnachtlich geschmückt ist. Vor allem abends lohnt sich ein Besuch – natürlich nur von außen. © privat © privat

Für die Kamener Familie wird das Weihnachtsfest wie für viele andere auch in diesem Jahr komplett anders laufen. „Das übliche Programm an Heiligabend ist eingestampft. Kein Kurrendeblasen, kein Gottesdienst“. Eigentlich sind die Biernaths mit ihrer Tochter (9) und ihrem Sohn (11) gerne zum Krabbelgottesdienst in der evangelischen Pauluskirche in Kamen gegangen. Dort dürften die Kinder frei herumlaufen, es werde viel gesungen und der Gottesdienst sei für Eltern und Kinder recht entspannt.

In diesem Jahr kann dieser Gottesdienst freilich nicht stattfinden und in den meisten evangelischen Gemeinden wurden die wenigen Präsenzveranstaltungen, die es geben sollte, nach einer Empfehlung der Landeskirche ebenfalls abgesagt.

Doch einen dieser Gottesdienste wollte Familie Biernath ohnehin nicht besuchen, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Stattdessen seien jetzt Online-Gottesdienste oder Übertragungen im Fernsehen eine Option, sagt Pia Biernath.

Statt Kirchenbesuch und großem Wiedersehen mit der Familie werden die vier viel Zeit für sich haben. Und die möchte gefüllt werden.

Abwechslung und Auslastung im Lockdown

Zwar gibt es nicht allzu viele Optionen für die Feiertage und die Tage dazwischen, doch die Biernaths versuchen, so gut es geht Abwechslung in den Corona-Alltag zu bringen. Ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund vor der Haustür und in der Umgebung, Pottsteine sammeln, Geocaching oder auch Brettspiele mit der ganzen Familie – „ohne dass im Hintergrund etwas läuft“.

Die Familie hat ihren Weihnachtsbaum selber geschlagen und ein weihnachtliches Fotoshooting gemacht. Pia Biernath hat während der Pandemie außerdem das Joggen für sich entdeckt und manchmal rollen Tochter und Sohn auf Inlinern oder dem Roller neben ihr her.

Sowohl Eltern als auch Kinder müssten jetzt lernen, sich selbst zu beschäftigen und für Auslastung und Abwechslung zu sorgen, sagt Biernath. Die vielen Aktivitäten, die die Familie trotz Lockdown unternimmt, zeigen, dass es tatsächlich viele Möglichkeiten gibt. Man muss eben das Beste daraus machen.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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