Ralph Bisdorf Seite an Seite mit Helene Fischer, als die Schlagerkönigin in der Dortmunder Westfalenhalle auftrat. Der Kamener Fotograf, der die Sängerin fotografierte und am Willy-Brandt-Platz ein Foto-Geschäft führt, spricht über die schwierigen Corona-Zeiten. © Privat
Shopping in Kamen

Helene Fischer rettet nicht: Wie Corona bei Foto Bisdorf an den Nerven zerrt

Stars wie Helene Fischer und Mario Götze stehen vor der Kamera des Fotografen Ralph Bisdorf. Trotz Aufträgen aus Westfalenhalle und Fußballmuseum ist Corona fürs Fotogeschäft eine Herausforderung.

Ralph Bisdorf hat viele Stars fotografiert. Wie Helene Fischer, Udo Lindenberg, Tim Bendzko und Mats Hummels. Und auch Herbert Grönemeyer, die Ehrlich-Brothers, Tanja Szewczenko und Mario Götze. Der Kamener Fotograf hat sich einen Namen gemacht in der Szene und hat zudem mit der Dortmunder Westfalenhallen GmbH einen Auftraggeber, der ihm vertraut, wenn Mega-Stars – eben wie Helene Fischer – zu Konzerten anrücken.

Im Zentrum seines Handelns – und das buchstäblich – steht aber vor allem sein Innenstadt-Laden „Foto & Video Bisdorf“ am Willy-Brandt-Platz 3, wo der 38-Jährige seit 15 Jahren für die Kunden vor Ort ist. Doch Corona ist auch für den Kaufmann, der sich in der Händlergemeinschaft KIG engagiert, eine Herausforderung. Eine, die ihn zurzeit bis an die Grenzen der Belastbarkeit führt.

Ein riesiger Teddy und ein vorweihnachtliches Setting: Wer jetzt Weihnachtskarten verschicken möchte, kann sich von Fotograf Ralph Bisdorf (38) beim Shooting im Studio im Obergeschoss in einem stimmungsvollen Advents-Setting ablichten lassen.
Ein riesiger Teddy in vorweihnachtlicher Umgebung: Wer jetzt Weihnachtskarten verschicken möchte, kann sich von Fotograf Ralph Bisdorf (38) beim Shooting im Studio im Obergeschoss in einem stimmungsvollen Advents-Setting ablichten lassen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Corona-Lockdown und Zusammenbruch der Veranstaltungsbranche

Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits war da der sechswöchige Corona-Lockdown im Frühjahr. Andererseits der totale Zusammenbruch der Veranstaltungsbranche. Also nicht nur keine Helene Fischer und kein Udo Lindenberg, weil es seit Monaten keine Konzerte gibt, sondern auch keine anderen Veranstaltungen. „Die Hochzeitsbranche ist unser Kerngeschäft – davon machen wir eigentlich 40 bis 50 im Jahr. Und in diesem Jahr waren es nur zehn in kleinerem Rahmen“, berichtet Bisdorf. Etwa ein Drittel des Jahresumsatzes machen bei ihm die Hochzeiten aus. Während des Lockdowns, so schildert er, habe er trotzdem jeden Tag im Büro gesessen und sich um Aufträge bemüht. „Irgendwo muss das Geld ja herkommen.“

Fußball-Weltmeister Mario Götze und Weltmeister-Fotograf Ralph Bisdorf.
Fußball-Weltmeister Mario Götze und Weltmeister-Fotograf Ralph Bisdorf. © Privat © Privat

Durch Corona zurzeit auch viele schlaflose Nächte

Trotz aller Schwierigkeiten geht er seinem Beruf als Fotograf und Kaufmann mit Leidenschaft nach und freut sich, wenn es auch von Kunden Zuspruch gibt. „Viele von ihnen sind hilfsbereit und interessiert, fragen nach der Befindlichkeit und äußern ihre Hoffnung, dass das Geschäft bestehen bleibt.“

Eine Geschäftsaufgabe, die steht für ihn nicht zur Debatte. „Aber es gibt momentan viele schlaflose Nächte. Wenn das Ersparte, was jeder guter Kaufmann haben sollte, aufgebraucht wird, dann geht es ans Eingemachte. Und das ist nicht so lustig.“

Und so lockt er jetzt auch mit besonderen Aktionen in den Laden. Wer jetzt Weihnachtskarten verschicken möchte, kann sich mit seiner Familie beim Shooting im Studio im Obergeschoss in einem stimmungsvollen Advents-Setting ablichten lassen. „Und die persönliche Klappkarte, mit der man die Familie erfreuen kann, ist kaum teurer als eine herkömmliche.“

Ralph Bisdorf in seinem Fotogeschäft am Willy-Brandt-Platz. Der Fotograf lebt nicht nur vom Verkauf von Kameras und Fotozubehör, sondern vor allem von Dienstleistungen rund um die Fotografie.
Ralph Bisdorf in seinem Fotogeschäft am Willy-Brandt-Platz. Der Fotograf lebt nicht nur vom Verkauf von Kameras und Fotozubehör, sondern vor allem von Dienstleistungen rund um die Fotografie. © Stefan Milk © Stefan Milk

Das alteingesessene Fotohaus Kraak übernommen

Bisdorf liegt das Fotografieren im Blut. Er kann sich erinnern, dass er bereits mit 13 Jahren umherzog, um alles zu knipsen, was ein gutes Fotomotiv abgab. Aufgewachsen ist er in Werne, ab 2000 besuchte er die Landesberufsschule für Foto und Medien in Kiel, wo er drei Jahre später den Abschluss machte.

Ab November 2003 eröffnete er ein kleines Fotogeschäft in Ascheberg-Herbern, bevor es ihn nach Kamen zog. Am 1. März 2005 übernahm er das alteingesessene Fotohaus Kraak. Zu Willi Kraak, der in Werne nach wie vor ein Fotohaus betreibt, hat er immer noch Verbindungen, weil man sich geschäftlich gegenseitig unterstützt. „Und klar, Barbara Kraak, das Gesicht des damaligen Geschäfts, ist hier auch unter Kunden immer noch ein Begriff.“

Ralph Bisdorf und der Singer-Songwriter Tim Bendzko.
Ralph Bisdorf und der Singer-Songwriter Tim Bendzko. © Privat © Privat

Gewichtung der Geschäftsfelder hat sich verändert

Verändert hat sich seitdem indes die Gewichtung der Geschäftsfelder. „Früher waren es 60 Prozent Dienstleistung und 40 Prozent Verkauf, jetzt steht das Verhältnis bei 80 zu 20“, berichtet er. Nur mit dem Verkauf könnte er den Laden in der Fußgängerzone, in dem er drei Festangestellte beschäftigt, nicht halten, auch wenn in Corona-Zeiten verstärkt Bilderrahmen und Ähnliches gekauft wurden. „Viele sind zuhause und machen es sich zuhause schön.“

Der Laden ist trotzdem ein wichtiger Fixpunkt. „Er ist Anlaufstelle, repräsentativ und gibt den Kunden, die Fotos in Auftrag geben, ein gutes Gefühl; besser, als wenn man das zuhause vom Schreibtisch machen würde.“ Im großen Studio im Obergeschoss bietet er unter anderem Bewerbungsfotos, Schwangerschaftsfotografie, Babyaufnahmen, Kinderfotografie, Tierfotografe an – und auch Aktfotografie.

Auftrag aus dem Deutschen Fußballmuseum

Über einen Auftrag hat er sich zuletzt besonders gefreut. Über einen aus dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund – dort erstellte er einen virtuellen Rundgang in 360-Grad-Technik durch das Fußballmuseum. Und dort ist der Weltmeister-Schuh von Mario Götze ausgestellt, von jenem Fußballer, den er zuvor auch in seinem Studio ablichtete. Hier schließt sich der Kreis – auch wenn Bisdorf auch in Zukunft noch auf viele Menschen den Fokus richten will. Denn bei ihm wird jeder zum Star.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
Zur Autorenseite
Carsten Janecke

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt