Corona-Schnelltest in der Praxis von Dr. Dorothee Bauermann in Kamen: Der Kreis Unna hält an der täglichen Veröffentlichung von Infektionszahlen fest. © Stefan Milk
Corona-Pandemie

Inzidenz-Wirrwarr: Kreis Unna veröffentlicht weiter tagesaktuelle Infektionszahlen

Der Zahlen-Wirrwarr um die Corona-Inzidenzwerte im Kreis Unna ist kompliziert, aber erklärbar. An seinen Veröffentlichungen, die unter anderem die Neuinfektionen beinhalten, hält der Kreis fest.

Zahlen spielen im Umgang mit und in der Bekämpfung der Pandemie eine sehr große Rolle. Vor allem der 7-Tage-Inzidenzwert hatte im Kreis Unna zuletzt aber viele Fragen aufgeworfen, nachdem bekannt geworden war, dass die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Inzidenzwerte, die sich aus den Infektionszahlen des Kreises ergeben, weichen deutlich von denen ab, die das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) NRW auf Basis „laborbestätigter Covid-19-Fälle“ im Kreis Unna errechnet. Kurz erklärt, handelt es sich bei den Kreis-Zahlen um die aktuelleren, aber vorläufigen Daten, bei den LZG-Zahlen dagegen um die genauen, aber zeitverzögerten Daten.

Am Montag lag die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Unna laut LZG bei 174,7, während sich aus den vom Kreis gemeldeten Neuinfektionen ein Wert von 213 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ergibt.

Mit Verweis auf etliche Nachfragen zu diesem Thema teilte der Kreis Unna am Montag mit, er werde weiterhin tagesaktuelle Zahlen zu den Neuinfektionen veröffentlichen.

Über längere Zeiträume nur geringfügige Unterschiede

Auch wenn im direkten Vergleich zum Teil erhebliche Unterschiede bei den Infektionszahlen des Kreises und des RKI zu verzeichnen seien, blieben im Saldo über längere Zeiträume nur geringfügige Unterschiede.

Im gerade zu Ende gegangenen November lägen diese Unterschiede im Tagesdurchschnitt der 30 Tage bei gerade mal 0,6 Fällen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) weniger meldete als der Kreis Unna.

Der Kreis berechnet den eigenen Inzidenzwert auf Grundlage der veröffentlichten, tagesaktuellen Zahlen. Maßgeblich dafür sei das Eingangsdatum des positiven Laborbefundes. Die täglich gemeldete Anzahl der Neuinfektionen beinhalte dabei in der Regel alle Fälle, die am Vortag nach Dienstschluss und am Tag der Veröffentlichung bis 16 Uhr eingegangen sind.

Unterschied kommt durch Zeitverzug zustande

Doch der Zeitverzug in der Meldekette erklärt die Abweichungen der Zahlen. Der Kreis meldet ans LZG, das LZG wiederum ans RKI. Das geschieht aber erst, wenn bestimmte, zusätzlich zum Laborbefund zu erhebende Informationen zum jeweiligen Fall vorliegen. Als Beispiele nennt der Kreis den Erkrankungsbeginn, die Symptomatik und eine etwaige Zuordnung zu einem überregionalen Herd. Dadurch könne es – unter Umständen auch über einen Zeitraum von mehreren Tagen – zu Differenzen bei der Anzahl der täglich gemeldeten Fälle und somit auch der berechneten 7-Tages-Inzidenz kommen. Zu einer weitgehenden Übereinstimmung mit den Berechnungen des RKI komme es erst entsprechend zeitverzögert.

Kreis Unna will weiter schnell über die aktuelle Lage informieren

Wichtig ist dem Kreis laut einer Mitteilung vom Montag aber weiterhin, dass die Bevölkerung schnell über die aktuelle Lage informiert ist. Deshalb hält er an der Praxis der täglichen Veröffentlichung von Neuinfektionen aufgeschlüsselt nach Orten fest. „Sie dienen im Übrigen nicht zur Vorbereitung oder Rechtfertigung von Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung“, betont die Behörde.

Im Hinblick auf die mittel- und langfristig bedeutsamen Informationen sind die vom LZG und RKI veröffentlichten Werte umfassender und aussagekräftiger als die werktäglich vom Kreis Unna veröffentlichten Fallzahlen. „Sie spiegeln aber durch die Rückrechnung bzw. nachträgliche Erfassung eben nicht das tagesaktuelle Infektionsgeschehen im Kreis Unna wider“, hieß es.

Auch unsere Redaktion wird an der Praxis festhalten, die jeweils aktuellsten Zahlen des Kreises Unna aufgeschlüsselt nach den Städten und Gemeinden in der Berichterstattung aufzugreifen und in Grafiken abzubilden.

Über den Autor
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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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