Rainer König, pensionierter Lehrer aus Hamm und früherer Kamener Gymnasiallehrer, hat erneut eine Stellenabsage bekommen. Bereits einmal hat er wegen einer Absage Geld wegen Diskriminierung erstritten. © Alexander Heine
Lehrermangel durch Corona-Krise

Neue Absage für pensionierten Lehrer, der über Diskriminierung klagt

Ein arbeitswilliger pensionierter Kamener Gymnasiallehrer will das Land erneut wegen Diskriminierung verklagen. Denn er hat wieder eine Stellenabsage bekommen – diesmal am Berufskolleg in Werne.

Lehrer wie Rainer König sind an Schulen eigentlich willkommen. Der Frühpensionär möchte ein Programm von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gegen den Lehrermangel nutzen und trotz Ruhestands zurück in den Schuldienst gehen. Nun hat der 64-Jährige erneut eine Absage von der Bezirksregierung bekommen, die damit einen neuen Rechtsstreit provoziert.

Der kuriose Streit zwischen einem pensionierten Lehrer und der Bezirksregierung Arnsberg um die Rückkehr in den Schuldienst geht in eine neue Runde. Rainer König, der vor seiner Frühpensionierung zuletzt am Kamener Gymnasium unterrichtete, darf keine Vertretungsstelle am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne antreten. Die Bezirksregierung Arnsberg hat ihm jetzt ein Ablehnungsschreiben geschickt, obwohl sein Bewerbungsgespräch am Berufskolleg offenbar positiv verlaufen war. König sei „nicht geeignet“, steht in dem Brief.

Lehrer kritisiert „Fehlentscheidung“

König entgeht damit nach eigenen Angaben nun schon zum dritten Mal eine Vertretungsstelle, weshalb er erneut eine gerichtliche Klärung herbeiführen will. „Da ich weder fachliche noch pädagogische Probleme während meiner Dienstzeit hatte, muss die Ablehnung des Arbeitsvertrags als skandalös und als Fehlentscheidung bezeichnet werden“, sagt er.

König gingen bereits 2019 zwei Vertretungsstellen durch die Lappen – 14 Wochenstunden Deutsch als Fremdsprache an der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bergkamen und zwölf Stunden Englisch an der Jeanette-Wolf-Hauptschule in Dortmund-Mengede. König brachte diese Absagen bis vors Landesarbeitsgericht, wo er in einem Vergleich eine vierstellige Summe als Ausgleich für die erlittenen Nachteile zugesprochen bekam.

Nach der erneuten Absage will König erneut klagen. Zunächst wolle er durch seinen Anwalt eine Erstattung nach dem Antidiskriminierungsgesetz beantragen. „Leider ist davon auszugehen, dass die Behörde es wieder auf eine Klärung vor Gericht ankommen lassen wird. Somit werde ich wieder vor dem Arbeitsgericht klagen“, so König.

Gymnasien und Hauptschule suchen Vertretungsstellen

Knapp 400 Vertretungsstellen sind derzeit in einem Stellenportal des Landes ausgeschrieben. Gelistet sind derzeit im Kreis Unna vier Stellen am Gymnasium Selm, Geschwister-Scholl-Gymnasium in Unna, an der Kardinal-von-Galen-Schule in Lünen und an der Gemeinschaftshauptschule in Lünen-Brambauer. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat 2019 im Rahmen eines Programms gegen den Lehrermangel die Wiederbeschäftigung von Lehrern nach Eintritt in den Ruhestand angekündigt.

GEW fordert mehr Personal für Schulen

Hans-Werner Freitag von der Lehrergewerkschaft GEW kennt den Fall des nicht eingestellten Kollegen nur aus der Zeitung und will ihn deshalb nicht kommentieren. Allerdings zeigt er sich über die Einstellungspraxis verwundert. „Wir fordern, dass Lehrerinnen und Lehrer, die pensioniert sind oder in der Ausbildung sind, gerade jetzt in der Corona-Krise an Schulen eingesetzt werden“, sagt der Unnaer GEW-Kreisvorsitzende. Wenn Lehrer aus Risikogruppen ausfallen oder Klassen verkleinert werden, um Infektionsgefahren zu minimieren, werde mehr Personal gebraucht.

Berufskolleg musste Stelle anders besetzen

Am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne, wo Arnsberg die Einstellung Königs verhinderte, ist inzwischen Ersatz gefunden. Schulleiter Helmut Gravert will sich zu dem Fall nicht äußern und verweist auf die Bezirksregierung, die solche Personalangelegenheiten ebenfalls nicht kommentiert. Gravert sagt, dass ihm grundsätzlich erfahrene Kollegen mit Lehramtsbefähigung willkommen sind. „Wir hatten zeitweise jemand, der als pensionierter Lehrer bei uns war. Das gibt überhaupt keine Probleme.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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