Stationsleiterin Katja Dorn in voller Coronaschutzmontur in der Zentralen Notaufnahme des Hellmig-Krankenhauses Kamen. © Klinikum Westfalen
Hellmig-Krankenhaus Kamen

Pflegerin im Krankenhaus: „Ich bin für einen harten Lockdown“

Müssen die Corona-Einschränkungen verschärft werden? Eine Pflegerin im Hellmig-Krankenhaus hat dazu eine klare Meinung. Auch für selbsternannte Querdenker und Maskenverweigerer hat sie eine Botschaft.

Wer sich mit Katja Dorn unterhält, merkt eines schnell: Die gelernte Krankenschwester ist kein Mensch, der zum Jammern neigt. Dass die junge Frau viel lächelt, kann auch der obligatorische Mund-Nasen-Schutz nicht verbergen.

Anfang 2020, quasi pünktlich zum Ausbruch der Corona-Pandemie, hat Dorn die Stationsleitung der Zentralen Notaufnahme im Hellmig-Krankenhaus Kamen übernommen. Seitdem gehört nicht nur die FFP2-Maske zu ihrer Standardausstattung, sondern sie verbringt auch mehrere Stunden am Tag in einem Schutzanzug mit Handschuhen, trägt zusätzlich zu Haube und Schutzmaske ein Visier.

Obwohl sie nicht auf der Station für Covid-19-Patienten arbeitet, dominiert das Coronavirus auch ihren Arbeitsalltag in der Notaufnahme. Hier werden viele Patienten zunächst vorstellig, ob mit Corona-Symptomen oder ohne, und jeder wird zuerst auf das Coronavirus getestet. Ein Schnelltest liefert schon nach 15 Minuten ein vorläufiges Ergebnis, ein klassischer PCR-Test nach einem Tag Gewissheit über eine Infektion mit Sars-CoV-2.

Verdachtsfälle werden in isolierten Bereichen untersucht. Besteht der begründete Verdacht auf eine Corona-Infektion, sei es durch einen positiven Test oder bei Bewohnern von Seniorenheimen, die mit Symptomen eingeliefert werden, führt der Weg in der Regel weiter auf die Covid-Station. Aktuell (Stand Mittwoch, 9. Dezember) werden dort neun Patienten versorgt, darunter auch einige Verdachtsfälle. Zwei Covid-Patienten werden intensivmedizinisch behandelt.

Kontakt zu Angehörigen ist auch über iPads des Krankenhauses möglich

Besuch von Angehörigen ist zwar nicht möglich, doch das bedeutet nicht, dass die Patienten von der Außenwelt völlig isoliert wären. Das Pflegeteam nimmt weit mehr als nur Wechselwäsche an, etwa auch Blumensträuße, Fotos oder Briefe von Angehörigen. Auch Telefonate sind möglich, für Videotelefonie stellt das Krankenhaus bei Bedarf sogar iPads zur Verfügung. „Die Pflegekräfte versuchen so gut es eben geht, eine Ersatzfamilie zu sein“, sagt Pflegedienstleiterin Stefanie Vollstädt.

Der Durchlauf sei hoch, die Belastung auch, aber das Krankenhaus ist Herr der Lage. Sind Lungenspezialistin vonnöten, können Patienten auch in eines der Krankenhäuser mit Pneumologie verlegt werden, die es im Verbund des Klinikums Westfalen in Lünen und Dortmund gibt.

„Wir fühlen uns hier besser geschützt, als wenn wir einkaufen gehen.“

Katja Dorn

Und wie steht es mit der Angst, sich selbst mit dem Coronavirus anzustecken? Diese Angst sei mittlerweile gleich Null, sagt Katja Dorn. „Wir fühlen uns hier besser geschützt, als wenn wir einkaufen gehen.“ Zu Beginn der Pandemie habe sie schon ein ungutes Gefühl gehabt, aber das habe sich schnell reguliert, auch im Umgang mit Freunden und Bekannten im Privatleben.

Die Kontaktbeschränkungen hält sie für absolut richtig, und angesichts der weiterhin hohen Infektions- und steigenden Todeszahlen spricht sie sich auch für einen harten Lockdown aus, wie ihn immer mehr Politiker inzwischen über den Jahreswechsel fordern.

Maskenverweigerer und Corona-Leugner machen traurig und wütend

Sie sehe Krankheitsverläufe, die zuweilen erschreckend seien, sagt Dorn. „Da kommt eine junge Frau noch gut zu Fuß hier rein. Wenn man dann sieht, wie schnell sich der Zustand verschlimmert, macht einen das schon traurig.“ Traurig und auch wütend macht sie auch, wenn sie das Unverständnis für die Corona-Einschränkungen in Teilen der Bevölkerung sieht. „Ganz klar: Das Verhalten dieser Menschen erschwert unsere Arbeit“, sagt Dorn, und sie habe schon die Sorge, dass die Infektionszahlen noch weiter steigen, wenn wieder Maßnahmen gelockert werden. „Das Virus kennt Weihnachten nicht.“

Stolz mache sie freilich, wie sehr das Team im Hellmig-Krankenhaus zusammenhalte und sich gegenseitig unterstütze. Die Pflegedienstleiterin pflichtet ihr bei. Das Engagement aller Mitarbeiter, zum Beispiel auch der Reinigungskräfte, über einen so langen Zeitraum sei wirklich herausragend, so Stefanie Vollstädt.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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