Spurensicherer der Polizei am Abend vor einem Fahrkartenautomaten am Bahnhof in Methler. © Michael Neumann
Bahnhof Methler

Rohrbombe in Fahrkartenautomat gesprengt – Bahnstrecke war stundenlang gesperrt

Die Bundespolizei hat am Abend eine Rohrbombe in einem Fahrkartenautomaten am Bahnhof Methler kontrolliert gesprengt. Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm und die L821 sind nach stundenlanger Sperrung wieder frei.

Ein verbeulter Fahrkartenautomat am Bahnhof Methler in Kamen hat am Mittwoch einen Polizei- und Feuerwehreinsatz ausgelöst und den Verkehr auf Straße und Schiene stundenlang lahmgelegt. Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm und die Brücke der Landstraße 821 über die Gleise wurden gesperrt. Es bestand der Verdacht, dass jemand versucht hatte, den Automaten zu sprengen, und dass noch explosive Stoffe zurückgeblieben waren.

Kontrollierte Sprengung durch Polizei

Untersuchungen von Sprengstoff-Spezialisten ergaben, dass eine Rohrbombe in dem Automaten explodiert war. Eine zweite Rohrbombe war nicht detoniert. Der kleine Sprengkörper wurde von Entschärfern der Bundespolizei kontrolliert gesprengt. „Vor wenigen Minuten ist die zweite Rohrbombe kontrolliert gezündet worden“, sagte ein Sprecher der Kreispolizei in Unna gegen 18.30 Uhr. Solche Sprengkörper würden eingesetzt von Tätern, die es auf den Inhalt der Geldkassetten von Automaten abgesehen haben.

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Polizei entschärft Rohrbombe am Bahnhof Methler

Einsatz beginnt gegen 14 Uhr

Der Polizei- und Feuerwehreinsatz hatte gegen 14 Uhr begonnen. Die Beamten sperrten den Bereich des Automaten auf dem Bahnsteig in Fahrtrichtung Hamm ab und forderten Spezialisten für die Entschärfung von Sprengstoff an, die das Gerät auf mögliche explosive Stoffe untersuchen sollten. Eine Gefahr für den Zugverkehr bestand nach erster Einschätzung nicht, sodass der Bahnverkehr zunächst weiterlief.

Sprengstoff-Experten der Bundespolizei vor Ort

Nach dem Eintreffen der Entschärfer wurde der Autoverkehr auf der in Bahnhofsnähe verlaufenden Straßenbrücke Wasserkurler Straße (L821) gegen 15.50 Uhr gestoppt. Etwas später, gegen 16.20 Uhr, war auch der Zugverkehr für die mögliche Entschärfung vorsorglich eingestellt. Bei der Untersuchung setzten die Spezialisten der Bundespolizei, die sonst am Düsseldorfer Flughafen tätig sind, auch einen Roboter ein. Nach Angaben unseres Reporters vor Ort wurden gegen 17.50 Uhr Sandsäcke und andere Schutzvorrichtungen aufgebaut. Der Einsatz zog sich in die Länge, weil Vorsicht geboten war. Den Moment der Explosion der zweiten Rohrbombe schilderte unser Reporter so: „Es hat kurz ,buff‘ gemacht, das war‘s schon.“ Zunächst wurde gegen 19 Uhr die Straßenbrücke wieder freigegeben. Gegen 19.25 Uhr durften auch die Züge auf der Bahnstrecke in Richtung Dortmund wieder rollen, während die Gegenrichtung noch gesperrt blieb.

Bahn-Mitarbeiter meldet verdächtige Spuren

Entdeckt wurde die verdächtige Beule an dem Automaten von einem Techniker. „Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn hat uns verdächtige Spuren an einem Fahrkartenautomaten gemeldet“, sagte Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei in Dortmund. Die Frontplatte des Automaten sei nach außen gebeult, was erfahrungsgemäß darauf hindeute, dass dort zum Beispiel Gas eingeleitet worden sei oder sich noch darin befinden könnte.

Feuerwehr und Polizei waren am Bahnhof Methler stundenlang im Einsatz. © Michael Neumann © Michael Neumann

Störung am Automaten seit 28. September

Der Bahn-Mitarbeiter ging offenbar einer Störung auf den Grund, die schon am Montag, 28. September, registriert wurde. „Wir gehen davon aus, dass am Automat manipuliert worden ist“, sagte der Bundespolizeisprecher. „Und da seitdem nichts passiert ist, gehen wir davon aus, dass keine Gefahr besteht“, begründete er, warum der Zugverkehr nicht sofort eingestellt wurde.

Züge verspäten sich oder fallen aus

Die Streckensperrung löste massive Störungen im Nah- und Fernverkehr aus. Einige Fernzüge konnten den Dortmunder Hauptbahnhof nicht ansteuern. Mehrere Züge der Linien RE1, RE3 und RE6 verspäteten sich oder fielen aus. Für den Zug der Linie RE6, der um 15.53 Uhr am Bahnhof Kamen halten sollte, wurden beispielsweise 15 Minuten Verspätung angezeigt. Der Zug der Linie RE3 mit Abfahrt um 16.16 Uhr nach Hamm wurde gestrichen.

Geöffneter Fahrkartenautomat: Die Polizei entdecke eine Rohrbombe, die nicht detoniert war. © Michael Neumann © Michael Neumann

Anwohner berichtet von verdächtigem Geräusch

Die Polizei befragte mögliche Zeugen. So soll ein Anwohner des Haltepunkts am frühen Morgen es mutmaßlichen Tattags gegen 5 Uhr ein verdächtiges Geräusch auf der Aufzeichnung seiner Überwachungskamera festgestellt haben. Dies erhärtete den Verdacht, dass Unbekannte versucht haben, an das Geld aus dem Automaten zu kommen.

Bahnsteig in Fahrtrichtung Hamm betroffen

Die Einsatzstelle liegt auf dem südlichen Bahnsteig, an dem Züge halten, die aus Richtung Dortmund kommen und in Richtung Kamen und Hamm weiterfahren. Neben der Bundespolizei Dortmund und der Kreispolizei Unna waren auch die Freiwillige Feuerwehr Kamen sowie der Rettungsdienst im Einsatz. Die Spurensicherung durch die Kriminalpolizei dauerte bis in den Abend. Ermittelt wird wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

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Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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