Frank Peschel brachte die Lolli-Proben im vergangenen Schuljahr ins Labor in Düsseldorf. Unterwegs sammelte er noch Proben aus Dortmund ein. © Stadt Kamen
Schnelltests an Grundschulen

Über 400 Kilometer am Tag: Lollitests reisen fast täglich durch halb NRW

„Umständlich“ beschreibt es wohl am besten: Die Lollitests der Grundschulen werden mindestens vier Mal pro Woche durch halb NRW in die Labore gefahren. Dabei kommen ordentlich Kilometer zusammen.

Das Schuljahr ist gestartet und Grundschüler müssen aktuell wieder zweimal pro Woche beim Lollitests eine halbe Minute lang auf Teststäbchen herumlutschen. Ein einfaches Prozedere mit wichtiger Funktion, denn die empfindlichen PCR-Tests zeigen sehr genau an, ob ein Kind mit dem Coronavirus infiziert ist.

Dass weiter getestet wird, begrüßt Elke Kappen, Schuldezernentin und Bürgermeisterin in Kamen. „Es geht um die Sicherheit der Kinder und Familien“, sagt sie mit Blick auf die Tatsache, dass die meisten Kinder noch nicht geimpft sind. Kappen, die auch Vizepräsidentin im Städte- und Gemeindebund NRW ist, hätte es allerdings auch begrüßt, wenn der Städte- und Gemeindebund früher in die Organisation dieser Testungen mit einbezogen worden wäre.

Im Kreis Unna habe man sich zwischenzeitlich schon Gedanken darüber gemacht, wie die Tests der Schüler am einfachsten ins Labor gelangen können, erklärt Kappen. Die Tests aus allen Kommunen hätten zum Beispiel zu zwei Sammelpunkten gebracht werden können, von wo aus sie dann weiter ins Labor hätten gebracht werden können.

Vier Mal pro Woche nach Düsseldorf und Leverkusen

Doch so kam es nicht, weil das Land bereits feste Routen ausarbeiten lassen hatte, die ein Logistik-Unternehmen abfahren sollte, wie Kappen erklärt. Doch auf die Schnelle fand sich kein Logistiker, weshalb das Land die Kommunen bat, die Routen zu übernehmen. Die vorab ausgearbeiteten Strecken sollten aber beibehalten werden.

Der Kontakt zwischen den Fahrern und den Grundschulen ist herzlich: Wie zum Beispiel an der Reichshof-Grundschule in Dortmund, wo Frank Peschel die Proben von Schulleiterin Sonja Vogt und dem Konrektor Bert Löbl entgegennimmt. © Stadt Kamen © Stadt Kamen

Schon mit Beginn der Fahrten schrieb die Stadt Kamen in einer Pressemitteilung, dass der Aufwand für die Kommunen immens sei und man sich eine regionale Lösung gewünscht hätte. Dennoch organisierte man im Rathaus die Fahrten, denn die Sicherheit der Schüler ging vor.

Und so machten sich zwei Fahrer an vier Tagen pro Woche auf den Weg und sammelten in Kamen und Dortmund Lolli-Proben ein, um sie dann in die Labore in Düsseldorf und Leverkusen zu bringen. Denn so sieht es die Routenplanung des Landes vor. Nach Düsseldorf sind es 116 und nach Leverkusen 85 Kilometer pro Strecke.

Was umständlich klingt, funktioniert in der Praxis gut

Zuständig für die Fahrten sei immer die Kommune, in der die Route startet, erklärt Kappen. Deshalb werden im Kamener Rathaus zwei Routen organisiert, die auch durch den Dortmunder Süden führen. Andere Schulen in Dortmund werden wiederum teils von anderen Kommunen übernommen. Dafür sammelt Dortmund zum Beispiel auch Proben in Holzwickede ein.

Das ganze Verfahren klingt recht kompliziert und unnötig umständlich. Die Organisation in der Praxis funktioniere aber gut, erklärt Kappen, die auch versteht, warum das System jetzt nicht noch einmal umgekrempelt wird. Schließlich funktioniert es und das kann auch Frank Peschel bestätigen.

Übergabe der Lolliproben an der Jahnschule in Methler. Sekretärin Sonja Sümnik überreicht die Pool-Proben der einzelnen Lerngruppen. Sie werden anonym ausgewertet. © Stadt Kamen © Stadt Kamen

Peschel ist im haustechnischen Dienst im Kamener Rathaus tätig und als Fahrer für die Bürgermeisterin im Einsatz. Kappen verzichtete im vergangenen Schuljahr auf den Fahrdienst und fuhr selbst zu ihren Terminen – was sie auch sonst immer wieder mal tut.

Peschel konnte dadurch mit dem freien Auto der Bürgermeisterin die Lollitest-Fahrten der Düsseldorf-Route antreten. Ebenfalls im Einsatz waren Mitarbeiter des Fördervereins für Jugendhilfe, die die Fahrten jetzt nach den Sommerferien komplett übernehmen.

5829 Kilometer im vergangenen Schuljahr

Bis auf die anfängliche Parkplatzproblematik in Düsseldorf und der Suche nach dem richtigen Eingang klappte alles sehr gut. Der Kontakt zu den einzelnen Schulen auf der Route sei herzlich gewesen, berichtet Peschel. Man habe Nummern ausgetauscht, um sich abzustimmen und zeitlich habe alles gut hingehauen.

Peschel startete montags bis donnerstags um 9 Uhr. Insgesamt legten er und der zweite Fahrer, der nach Leverkusen fuhr, an 29 Schultagen 11.658 Kilometer zurück. Und so geht es in diesem Schuljahr weiter. Sollte übrigens ein Test aus dem Proben-Pool positiv sein, was bislang nicht der Fall war, muss die Strecke am Freitag noch einmal zurückgelegt werden. Dann werden nämlich immer die Nachtestungen ins Labor gebracht. Wäre das im vergangenen Schuljahr jede Woche passiert, dann wären 14.874 Kilometer zusammengekommen. Die Zahlen sprechen für sich. Was sie aber nicht offenlegen, ist der Aufwand für die Schulen, die täglich schon ab 6 Uhr erreichbar sein müssen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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