Kirchhellener Apotheken, ob in Dorfmitte oder Grafenwald, haben Service und Beratung erweitert. © Maria Dehling
Coronavirus

Apotheken haben im Lockdown ihren Service erweitert

Der zweite und verlängerte Lockdown mutet auch den Apotheken einiges zu. Das Service-Angebot wurde stetig erweitert und immer wieder gibt es Lieferengpässe, zuletzt bei den FFP2-Masken.

Schon am frühen Nachmittag ist die Hauptstraße wie leergefegt, auch der Terwellenplatz nahezu verwaist. Stetig steigende Infektionszahlen, das neue mutierte Virus, der deutlich höhere R-Wert – die Verunsicherung der Menschen steigt auch im Dorf.

Überall heißt es: so wenig Kontakte wie möglich. Die Sorge, ältere oder kranke Familienmitglieder infizieren zu können, ist groß. Bei Rückfragen und Beratungsbedarf wird häufiger zum Telefon gegriffen und Bringdienste werden stärker in Anspruch genommen. Das bestätigen auch die Teams der Kirchhellener Apotheken, denn Sorgfalt und Vorsicht wird hier besonders großgeschrieben.

Kaum Grippe- und Erkältungssymptome

Eine gute Nachricht: Grippe- und Erkältungssymptome gibt es so gut wie nicht. Das sonstige Zusatzgeschäft lagert zurzeit in den Kellern der Apotheken. „Grippeimpfung, Abstand halten, Maske tragen und die nicht laufenden Nasen bei Kleinkindern haben auch ein Gutes“, meint Heike Grolla von der Antonius-Apotheke. „Die meisten unserer Kunden sind im fortgeschrittenen Alter. Daher haben wir schnell unseren Bringdienst ausgebaut. Es gehört jetzt zu unserem Alltag, dass wir die Rezepte beim Arzt oder Patienten abholen und Medikamente und Verbandsmaterial bringen.“

Anfragen zur eigenen Immunstärkung

„Im ersten Lockdown hatten wir vermehrt Anfragen zur eigenen Immunstärkung. Das ist eben bei älteren Menschen wichtig, die Nahrungsverwertung ist bei ihnen oft nicht mehr so optimal. Die anfängliche Panik, ja fast Hysterie, wie der Ruf nach Desinfektionsmitteln und Handschuhen, hat sich mittlerweile aber gelegt. Telefonische Anfragen hingegen haben erheblich zugenommen. Leider müssen wir auch feststellen, dass wir beratende Hilfe geben und im Nachhinein dann die Bestellung im Onlinehandel erfolgt“, resümiert Gabi Fockenberg, Mitarbeiterin der Nordlicht-Apotheke in Grafenwald. Aber so sei es heute fast in allen Lebensbereichen.

„Das Zusammenspiel von uns und unseren Ärzten vor Ort läuft nahezu ohne unmittelbaren Kontakt zum Kunden, das ist einer unserer Standortvorteile. Die Pandemie ist zum Alltag geworden und das nicht nur für uns, sondern auch immer mehr für unsere Kunden“, so Gabi Fockenberg.

Lieferengpässe und ein hervorragendes Teamverständnis

Aktuell geht es für viele Kunden um die angekündigten und zurzeit noch in der Produktion befindlichen FFP2-Masken im 6er-Pack. Hierbei sollen anspruchsberechtigte Personen zeitnah von der eigenen Krankenkasse einen Gutschein erhalten. Doch leider verzögert sich der Produktionsprozess der fälschungssicheren Unterlagen.

„In der ersten Phase der Maskenverteilung haben wir in einer Woche 10.200 Masken verteilt. Die Ausgabe hatten wir glücklicherweise vom eigentlichen Kundenlauf getrennt. Doch ein überraschender Zwischenfall, über den wir heute schmunzeln können, ist uns noch immer vor Augen: Zwei ältere Herren, die sich beinahe einen Zweikampf bei der Vergabe gegönnt hätten“, so Christiane Petri-Reers von der Dorf-Apotheke.

Christiane Petri-Reers von der Dorf Apotheke
Christiane Petri-Reers von der Dorf-Apotheke © Julian Schäpertöns (A) © Julian Schäpertöns (A)

Telefonische Beratung

Die Apothekerin bedauert bei den oft doch sensiblen Gesprächen, dass die Verständigung mit Mundschutz und durch die Plexiglasscheibe oftmals schwierig sei. Auch sie bestätigt, dass daher immer mehr Kunden die telefonische Beratung in Anspruch nehmen. Und noch ein neuer Service, der gern angenommen wird: Arzneivorbestellungen per App. Und der Bringdienst erfolgt jetzt auch bereits morgens.

„Lieferengpässe gibt es immer wieder. Zurzeit gibt es sie bei Pflegehandschuhen. Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach. Der Preis hat sich nahezu verfünffacht. Und wir warten immer noch auf den Impfstoff gegen Pneumokokken, der wird weiterhin dringend empfohlen“, so Christiane Petri-Reers.

Und sie ergänzt: „Jede zweite Kollegin in unserem Team hat zurzeit Kleinkinder zu versorgen. Bislang gab es keine Kinderkrankenscheine bei uns, die schmeißen das alles irgendwie, organisieren das selbst. Dafür bin ich meinem Team sehr dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Homeoffice geht bei uns halt nicht.“

Über die Autorin

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt