Apothekerin Birgit Lauer unterstützt das Impfen im Bottroper Impfzentrum. © Maria Dehling
Interview

Corona-Impfungen: „Panikmache gilt für mich nicht“

Eine Kirchellener Apothekerin übernimmt die Verantwortung für die pharmazeutische Arbeit im Bottroper Impfzentrum. Ab 25. Januar können bestimmte Bevölkerungsgruppen Impftermine vereinbaren.

Die Stadt Bottrop hat nur 20 Apotheken, einige wenige davon befinden sich in Kirchhellen. Birgit Lauer ist Inhaberin der Kirchhellener Glückauf-Apotheke an der Hauptstraße und zudem Kreisvertrauensapothekerin der Stadt. Und genau in dieser Funktion erhielt sie am 15. Dezember den Anruf der Apothekerkammer Westfalen Lippe (AVWL) mit der Bitte, die pharmazeutische Arbeit im Bottroper Impfzentrum zu verantworten. Denn neben der Gesamtorganisation und der medizinischen Verantwortung ist dort die Pharmazie ein dritter Bereich, den es verantwortlich zu besetzen galt.

„Die Organisation liegt mir mehr als die Bürokratie, aber das ist es nicht allein. Ich war und bin zu tiefst überzeugt, dass wir mit der Impfung einen großen Schritt in eine bessere lebenswerte und aussichtsreiche Zukunft gehen können.“ Seit dem 15. Dezember legt Birgit Lauer also Hand an: Natürlich mussten Mitstreiter gefunden, der Gesamtprozess sicher aufgestellt und die Einrichtung vor Ort sinnvoll geplant und erstellt werden. Und das Ganze wurde auch immer wieder überprüft werden, nichts darf schiefgehen. Wir sprachen mit Birgit Lauer über ihre neue Tätigkeit und zu Details der vorbereitenden Arbeiten im Bottroper Impfzentrum am Südring 79.

Was genau ist die Aufgabe der Pharmazeuten im Impfzentrum?

Zunächst war es meine Aufgabe, den gesamten Prozess von der Impfstoffanlieferung über die Aufbereitung, die Arbeitsausstattung, ebenso wie die Informationen für meine pharmazeutischen Kollegen aufzubereiten. Erst am Mittwoch haben wir noch eine zusätzliche Wand aufbauen lassen, es darf auf keinen Fall zu Verunreinigungen kommen, selbst feinster Staub sollte vermieden werden. Der Impfstoff wird in sogenannten Mehrdosenbehältnissen angeliefert, das heißt, er muss von uns rekonstruiert werden. Um eine hochwertige Qualität in die Impfspritze zu bekommen, sind keimarme Arbeitsplatzbedingungen, Schutzkleidung des Personals und das richtige Herstellungsregime von größter Bedeutung. Vom Eingang ins Zentrum, zur Umkleide, Toilettengänge etc. – alles galt es, im Prozess festzuhalten.

Das Bottroper Impfzentrum

So sind die Regelungen

  • Die Gesamtverantwortung des Impfzentrums Bottrop am Südring obliegt der Stadt. Die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe übernimmt die ärztlich-medizinischen Aufgaben, sie hat auch das Personal zusammengestellt und verantwortet die Terminvergabe. Michael Althammer verantwortet die organisatorische Leitung. Die ärztliche Leitung obliegt Dr. Harald Hofer. Für den pharmazeutischen Bereich verantwortet sich Birgit Lauer, Apothekerin der Glückauf-Apotheke in Kirchhellen.
  • Der Ablauf im Impfzentrum: Der Eingang des Impfzentrums befindet sich auf der Rückseite des Komplexes. Die Impflinge kommen über einen Container, in dem die Temperatur gemessen wird, ins Impfzentrum. Dann erfolgt die Anmeldung, im Wartebereich gilt es zunächst ausliegende Formulare auszufüllen. In der anschließenden Impfstraße findet beim Arzt das Aufklärungsgespräch statt. Dann geht es zu einem der acht Impfräume. Danach verbleibt man noch 30 Minuten zur Beobachtung vor Ort. Erst dann geht es zum „Auschecken“. Am Ausgang wird die Krankenkassenkarte vorgelegt und erhält eine Impfbestätigung, entweder als separater Beleg oder durch Eintragung in den mitgebrachten Impfausweis. Bei Bedarf dürfen auch Begleitpersonen mit anwesend sein.
  • Das Impfzentrum ist zunächst von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Die Impfzeiten werden später bis auf 18 Uhr verlängert.
  • Das Land NRW hat angekündigt, die über 80-Jährigen oder auch Menschen mit Vorerkrankungen anzuschreiben. Die Terminvergabe beginnt ab dem 25. Januar. Erst nach Erhalt des Schreibens kann telefonisch beim Arztnotruf der Kassenärztlichen Vereinigung oder übers Internet ein Termin vereinbart werden. Vermutlich muss zu Beginn mit überlasteten Leitungen gerechnet werden, so die Verantwortlichen.

Wie läuft die Arbeit im Team, kennen Sie Erfahrungen von bereits praktizierenden Kollegen?

Das ist für mich ganz wichtig, Chaos kennen wir in Bottroper Impfzentrum nicht. Unser Team mit Dr. Harald Hofer, Michael Althammer und mir tickt im gleichen Rhythmus. Wir wollen seit dem 15.12. die bestmöglichen und geprüften Abläufe für unsere Impflinge garantieren. Hohe Sicherheit und eingeordnetes Untereinander ist für uns absolut entscheidend. Der zu Impfende muss ein gutes Gefühl haben, wenn er zu uns kommt. Erfahrungen von anderen Teams gibt es vielfach. Erst in den letzten Tagen habe ich von einem Schulfreund aus Münster erfahren, wie geordnet und ruhig die von ihm verantworteten Impfungen in Pflege- und Altenheime ablaufen. Panikmache gilt für mich nicht.

Sind bislang Auffälligkeiten oder Unverträglichkeiten nach der Impfung bekannt?

Durch den Impfstoff wird das Immunsystem in der Art gereizt, dass es Antikörper bildet – genau wie bei anderen Impfungen auch. Wichtig und gut ist, dass das Serum nicht in unseren Stoffwechsel gelangt. Mögliche Auffälligkeiten werden, wie bei anderen Impfungen auch, an ein weltweites Melderegister gegeben. Hier werden alle Auffälligkeiten zu Körperreaktionen auf Medikamente oder Impfstoffe registriert. Ob Arzt, Apotheker oder Mitarbeiter in Impfzentren, sie alle melden mögliche Unverträglichkeiten direkt dort hin. Und das Ergebnis ist sehr gut, natürlich können auch hier ähnliche Reaktionen wie bei Grippeimpfungen das Jucken oder eine leichte Verhärtung der Einstichstelle sowie gegebenenfalls eine etwas höhere Körpertemperatur nach der Impfung auftreten. Und auf mögliche Allergien wird im vorangestellten Arztgespräch umfangreich eingegangen. Was anderes ist zurzeit nicht bekannt.

Würden Sie sich und Ihr Team impfen lassen?

Ja, aus ganzer Überzeugung – und das so schnell es für uns möglich ist. 40.000 Studienteilnehmer haben den Impfstoff bereits vor einem halben Jahr injiziert bekommen. Der Hersteller Biontech konnte auf Basis der Ergebnisse eine Wirksamkeit je nach Altersgruppe von 94 bis 96 Prozent bekanntgeben. Die hohe Wirksamkeit und die kaum auftretenden geringen Nebenwirkungen sprechen für einen nahezu optimalen Impfstoff, mehr geht eigentlich nicht. Nach der zweiten Impfung 21 Tage später kann der Impfling also sicher sein, dass er über genügend Schutz verfügt.

Können Sie Impfzweiflern oder -kritikern weitere Argumente nennen?

Ich habe über das Coronavirus und die Auswirkungen auf den Menschen viel erfahren und erleben müssen. Denken Sie an die neurologischen Nebenwirkungen, die gestörte Sinneswahrnehmungen, das Nicht-Schmecken oder -Riechen können. Die mangelnde Gedächtnisaufnahme oder das reduzierte Lernvermögen. Hinzu kommen die teils bleibenden Herz- und Lungenschädigungen. Nicht zu vergessen die vielen Toten. Und eins, was für mich und unser gemeinsames Leben von entscheidender Bedeutung ist: Endlich wieder eine Lebenswertigkeit zu erhalten – ohne Ängste, ein Leben mit Jung und Alt zu jeder Zeit und ohne Auflagen. Jeder Geimpfte trägt dazu bei, dass die Lebenswertigkeit in unserem Land wieder an Normalität erhält.

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