Coronavirus: Jugend-Kloster möchte Eltern im Sommer entlasten

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Das Jugend-Kloster sucht Unterstützung und möchte selber unterstützen - Eltern, aber auch Jugendliche. Daher ist ein Alternativprogramm für die Ferien in Planung.

Kirchhellen

, 22.04.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich ist das Jugend-Kloster an der Hauptstraße in Kirchhellen ein Treffpunkt vor allem für junge Menschen. Doch das Coronavirus sorgt dafür, dass sich auch dort das Leben stark verändert hat - beruflich, finanziell, gesellschaftlich.

„Das Wichtigste ist, dass wir alle gesund sind. Aber wir tun auch viel dafür“, sagt Kloster-Ökonomin Hildegard Kückelmann. So stehen die Türen der Klosterkirche in der Regel offen, damit Besucher keine Türklinken anfassen müssen. Müssen sie mal geschlossen werden, werden die Klinken zwei Mal am Tag desinfiziert. Gleiches gilt auch für die Klinken im Kloster selbst.

Hauswirtschaftsmeisterin hatte schweren Unfall

Dort leben aktuell zehn Menschen - neben den Patres auch der indonesische Besuch im freiwilligen Dienst. „Einer geht für alle einkaufen. Besonders die Älteren bleiben auf jeden Fall zu Hause“, erzählt Kückelmann. Die Situation ist für das Jugend-Kloster aktuell schon schwer genug - zu allem Überfluss hatte nun auch noch die Hauswirtschaftsmeisterin einen schweren Unfall und fällt für drei Monate aus. „Wir suchen für sie dringend eine Aushilfe, die stundenweise das Mittagessen für die Ordensleute kocht“, so die Ökonomin. Zudem habe man auch eine gehörlose Auszubildende im Hauswirtschaftsbereich, deren Ausbildung und Betreuung weiter laufen müsse.

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Langweilig werde der Kloster-Gemeinschaft nicht. „Die Freiwilligen arbeiten viel im Garten. Außerdem werden interne Gottesdienste vorbereitet, es gibt Spieleabende, es wird gemeinsam gegrillt, Räume werden frisch gestrichen und seit Kurzem finden auch intensive Gespräche zwischen den Patres und den Freiwilligen über Kirche und Religion in Deutschland und Indonesien statt“, erzählt Kückelmann. Daher sei die Stimmung im Kirchhellener Kloster eigentlich gut. Zu Ostern habe man beispielsweise ein Schwein gegrillt - eine Tradition aus Indonesien. Außerdem würden die indonesischen Gäste oft für Action sorgen und laute Musik hören und auf dem Kloster-Hof tanzen.

Finanzielle Einbußen durch Corona trüben die Stimmung

Was die Stimmung drückt, sind die coronabedingten finanziellen Ausfälle. Einige Veranstaltungen wurden bereits abgesagt, es gibt keine Kollekten und auch das Jugendhaus kann aktuell nicht vermietet werden. „Das Bistum zahlt zwar weiterhin Unterstützung, aber langfristig müssen wir sehr gut planen“, so Kückelmann. Schon jetzt sei es so, dass die pädagogischen Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit sind. Auch die Verwaltung arbeite mit reduzierter Stundenzahl.

Trotz der Einschränkungen findet die Jugendarbeit im Dorf weiterhin statt. Eine Mitarbeiterin des Jugend-Klosters laufe täglich mehrfach durch den Ort und zur Skateanlage, die das Jugend-Kloster seit Anfang April betreut. „Viele Jugendliche kommen außerdem jetzt zum Basketballspielen oder Inlineskater-Fahren auf den Kloster-Hof. Natürlich immer nur zwei und mit Abstand. Sie dürfen gerne kommen, hier ist immer jemand für sie da. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass die Jugendarbeit weiter läuft“, sagt Hildegard Kückelmann.

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Auch mit den Gläubigen bleibt das Kloster in Kontakt. Zwei Mal wurden Gottesdienste bereits gefilmt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Viele positive Rückmeldungen hätten die Verantwortlichen danach erreicht, erzählt die Ökonomin. „Viele sind sehr dankbar, dass sie Anteil nehmen können. Wir machen das nicht für die Masse, sondern für die, die sonst in die Kirche gekommen wären.“ Zu Ostern habe man die Klosterkirche festlich geschmückt - mit Palmzweigen und einer Regenbogen-Osterkerze. Dazu lief den ganzen Tag über Musik. „Viele haben den Raum dann für sich genutzt“, so Kückelmann.

Team möchte Eltern in den Sommerferien entlasten

Sie glaubt nicht daran, dass das Himmelfahrtslager im Mai stattfinden wird. Ebenso schwarz sieht sie für das Kulturcamp oder das Klosterfest. „Warum sollten wir so etwas stattfinden lassen? Ich halte die aktuellen Maßnahmen für wichtig und richtig“, erklärt die Ökonomin. Dennoch sei man in ständiger Absprache mit der Stadt sowie dem Bistum und arbeite an einer Alternative für den Fall, dass tatsächlich alle Veranstaltungen im Sommer - wie beispielsweise das Ferienprogramm „Koffer über Bord“ - ausfallen müssen.

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Denn den Jugend-Kloster-Mitarbeitern liege es sehr am Herzen, die Eltern in dieser Zeit zu unterstützen. „Die Frage ist also, was wir im Rahmen der Möglichkeiten für Kinder hier im Sommer anbieten können, wie wir sie eventuell betreuen und versorgen können, damit die Eltern arbeiten gehen können?“

Besuch aus Indonesien wird wahrscheinlich nicht kommen

Eigentlich wäre Hildegard Kückelmann in den nächsten Tagen nach Indonesien geflogen, um den Besuch einer Gruppe aus Indonesien im Sommer vorzubereiten. Doch weder der Flug nach Indonesien noch der Besuch werden möglich sein. „Ich vertraue da insgesamt auf das, was Stadt und Bistum uns sagen. Wir sind hier nicht die Experten und wollen das auch gar nicht sein“, so Kückelmann.

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