Die Kuh 995 wurde vor dem Schlachter gerettet - Paten gesucht

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Sandra Niemann hatte die Milchkuh mit dem Namen „995" sofort ins Herz geschlossen. Als sie geschlachtet werden sollte, rettete die Hünxerin sie. Jetzt sucht 995 Paten.

Kirchhellen

, 22.02.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Kuh 995 zum ersten Mal um die Ecke geguckt hatte, war sich Sandra Niemann sicher: Das ist meine Kuh. Vor zweieinhalb Jahren hatte Niemann begonnen, auf einem Milchviehhof in Hünxe zu arbeiten. Als die Kuh, die ihr dort besonders ans Herz gewachsen war, zum Schlachter sollte, beschloss die Hünxerin, zu handeln.

„Ich habe 995 von Beginn an besonders gemocht, weil sie auch auf Zuruf reagiert hat. Dass sie nicht geschlachtet werden sollte, war klar", erinnert sich Sandra Niemann. Das Problem für den Bauern jedoch: Die Kuh konnte keine Kälber mehr zur Welt bringen, war also nicht mehr nützlich für den Milchviehhof.

980 Euro waren nicht zu stemmen

Der Bauer machte ihr ein Angebot: 980 Euro und sie könne die Kuh behalten. „Das war für mich aber nicht zu stemmen, keine Chance", erzählt Sandra Niemann. Aber was tun? Für die Hünxerin waren Spenden die einzige Lösung. „Ich habe es erst bei Facebook versucht. Das war aber schwierig", berichtet sie.

Also begann sie, über WhatsApp ihren Bekannten zu schreiben: „Das war viel persönlicher und die Chance war höher, dass man so Menschen zum Spenden bewegt." Sie sollte recht behalten: Die 980 Euro waren schnell zusammen, 995 war gerettet.

Die Stellplatz-Suche war schwierig

Doch wo das eine Problem gelöst war, begann schon das nächste: Wo sollte die Kuh nun hin? Sandra Niemann hatte einen Stellplatz für ihren Liebling gefunden, an dem die Kuh auf Lebzeit stehen könnte. Der warf jedoch ein Problem auf, erinnert sie sich: „Die Kuh ist ein Herdentier. Auf dem Stellplatz hätte sie alleine gestanden, das wäre einfach nicht schön gewesen."

So musste also ein neuer Platz her. Das war jedoch nicht einfach: Sandra Niemann schilderte bei Tierparks, Privatpersonen und Gnadenhöfen ihre Situation. Die Resonanz auf die Aktion war zwar überwiegend positiv, nehmen wollte oder konnte 995 aber niemand. „Entweder es waren keine Artgenossen da oder es war einfach zu weit weg. Schließlich möchte ich 995 ja auch besuchen kommen", erinnert sich Sandra Niemann.

Als sie alles abgeklappert hatte und nicht mehr weiter wusste, kam ihr eine Idee. Sie kontaktierte das Radio: „Dann ging alles ganz schnell. Das Radio hatte meine Anfrage ans Fernsehen weitergeleitet. Und die haben dann einen Beitrag über unsere Geschichte gemacht."

Burkhard Sagel hatte ein Herz für 995

Durch die herzerwärmende Geschichte und die intensive Suche wurde auch Burkhard Sagel auf die Geschichte aufmerksam. Er zeigte schließlich Herz und versprach, 995 bei sich aufzunehmen. Allerdings stellte er eine Bedingung: Es mussten Paten her.

Unter den anderen Rindern auf Hof Sagel fühlt sich 995 pudelwohl.

Unter den anderen Rindern auf Hof Sagel fühlt sich 995 pudelwohl. © Johanna Wiening

„Ich habe Sandra gesagt: Wenn es deine Kuh schön haben soll, kostet das Geld. Und das konnte sie nicht aufbringen. Also kam die Idee mit den Paten auf", erzählt Sagel. Zehn Paten werden für 995 benötigt. Vier haben sich schon bereit erklärt. Jeder von ihnen soll 30 Euro monatlich spenden, damit die Zukunft der Kuh gesichert ist.

„Ich freue mich sehr über neue Paten. Nur der Name soll nicht geändert werden. 995 ist vielleicht nicht der schönste Name, aber es ist ihr Name", so Sandra Niemann. Und auch Burkhard Sagel ist froh, wenn alle Paten gefunden sind: „Da hätten alle gewonnen: Sandra, die Kuh und ich. Ich kann die Kuh natürlich auch schlachten, kann aber auch wirklich gut darauf verzichten."

Wer als Pate die Kuh unterstützen möchte, kann sich online unter www.rettet995.de informieren. Dort sind auch Kontaktdaten zu finden.
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