Ein Abend für Busch-Fans

Hof Jünger

Vor 150 Jahren erschien die berühmte Geschichte „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch. Zu Ehren des großen Dichters und Zeichners läuft noch bis Sonntag eine sehr amüsante Ausstellung mit Mail-Art-Collagen von Klaus Cordes im Hof Jünger. Am Donnerstagabend bestand die Gelegenheit, den Künstler live zu erleben.

Kirchhellen

06.02.2015, 14:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ganz trocken und ernsthaft trug Klaus Cordes die tragisch-komischen Gedichte von Wilhelm Busch im Hof Jünger vor.

Ganz trocken und ernsthaft trug Klaus Cordes die tragisch-komischen Gedichte von Wilhelm Busch im Hof Jünger vor.

„Liebe Buschfrauen und Buschmänner“, begrüßte der Romanistiker und Pädagoge sein Publikum. Er rezitierte frei populäre, aber auch wenig bekannte Gedichte von Wilhelm Busch: Tier- und Pflanzenfabeln, Betrachtungen über die Spezies Mensch, eine Romanze und eine Ballade.

Bei dem Gedicht „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“ fügte Cordes auch einige lautmalerische Elemente auf dem E-Piano ein: Die Katze klettert - die Tonleiter hoch - immer höher im Baum. Der Vogel tiriliert. Angesichts des nahen Todes endet Buschs Vers: „Der Vogel, scheint mir, hat Humor.“ Nach dem Gedicht „Wirklich, er war unentbehrlich“, das sich über einen Wichtigtuer lustig macht, spielte Cordes einen feierlichen Trauermarsch zum Begräbnis.

Flamenco und Gitarre

Die verlogenen Pfaffen, die den jungen Mädchen hinter hersteigen, bekamen ein Orgelspiel und die spanische Ballade zu den „schrecklichen Folgen eines Bleistifts“ wurde mit Flamencoklängen im Gitarrensound untermalt.

Das Publikum erfuhr auch, wie der menschenscheue Wilhelm Busch (1832 - 1908) lebte, dessen romantisches Lebensgefühl gebrochen war: In seinem Werk liegen Glück und Unglück, Komik und Tragik eng bei einander. Auch das Groteske nimmt großen Raum ein. In dieser Tradition machte sich Klaus Cordes an die parodistische Bearbeitung einiger zuvor im Original vorgetragener Busch-Gedichte.

Schöntrinken

So mutierte Buschs augenzwinkernde „Selbstkritik“ zum „Schöntrinken“: „Das Schöntrinken hat viel für sich - Hicks“ endete mit „nach einer Flasche Grappa, gefiel die Mutti auch dem Papa.“ In die Ballade von den „schrecklichen Folgen eines Bleistifts“ baute Cordes Christo und Jeanne-Claude ein. Analog zum Gasometer in Oberhausen verpackte Christos Schüler Pedrillio sich selbst in Plastik – bis er verschied. Christos Kommentar: „...dieses Beispiel zeigt es klar, dass es erstens sehr gefährlich, zweitens auch nicht nötig war“.

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