Gemeinsam die Stille aushalten

"Ora et labora"-Kurs

Ein typischer Freitagnachmittag im Oktober: 9 Grad, Nieselregen. Die 15-jährige Mascha Linke stapelt Unkraut auf eine Karre. Nicht gerade das, was sich die meisten Jugendlichen unter Ferien vorstellen. Doch die Gladbeckerin sagt: „Ist auch mal gut, den Kopf auszuschalten beim Arbeiten.“

Kirchhellen

, 21.10.2016, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die 15-jährige Mascha Linke ist eine von 22 Teilnehmerinnen des "Ora et labora"-Kurses am Kirchhellener Jugend-Kloster und half am Freitag, eine Wiese vom Unkraut zu befreien, damit dort ein Gemüsebeet angelegt werden kann.

Die 15-jährige Mascha Linke ist eine von 22 Teilnehmerinnen des "Ora et labora"-Kurses am Kirchhellener Jugend-Kloster und half am Freitag, eine Wiese vom Unkraut zu befreien, damit dort ein Gemüsebeet angelegt werden kann.

Sie ist eine von 22 Teilnehmern beim „Ora et labora“-Kurs im Jugend-Kloster, der von Mittwoch bis Sonntag geht. Mascha ist zufrieden: „Es ist die Mischung“, sagt sie, die zum ersten Mal mitmacht. Die Mischung aus 12- bis 15-Jährigen, die sich kennenlernen. Die Mischung aus Beten, Arbeiten und Spielen. Für die Pädagogische Mitarbeiterin Michaela Huwe ist es schon der fünfte Kurs. Es sei für alle eine Möglichkeit, sich auf sich zu besinnen, sagt sie, über den Kurs, der seit vielen Jahren angeboten wird, und sich seitdem konstanter Nachfrage erfreut.

Stille als Herausforderung

Vor allem Firmlinge aus Kirchhellen, aber auch Jugendliche aus der Umgebung lassen sich auf die Herausforderung ein. „Eine Herausforderung ist, die Stille in Gemeinschaft auszuhalten“, sagt Michaela Huwe über ein abendliches Ritual. Ein anderes Ritual ist das Gebet – morgens, mittags, abends. Immer nachmittags steht die Arbeit an. Die Jugendlichen befreien eine Wiese von Disteln und Brennnesseln, wo ein Gemüsebeet entstehen soll. Und sie entfernen das Unkraut an der Lagerfeuerstelle, das sich in den letzten Jahren dort breit gemacht hat. Dass beim Arbeiten auch Musik läuft, trägt sicherlich auch dazu bei, dass man keine unzufriedenen Gesichter sieht.

Spaßtest

Doch nicht nur die Muskeln sind gefordert. Morgens beschäftigen sich die Teilnehmer mit Themen wie Nähe, oder auch mit der Frage: „Wie sozial bin ich?“ Mit einem Spaßtest konnte jeder für sich diese Frage angehen. Michaela Huwe lachend: „Wir waren alle eher im unteren Bereich.“ Gibt man dem Obdachlosen, der einen auf der Straße anbettelt, Geld? Oder ist es sinnvoller, ihm was zu Essen zu kaufen? Lass ich meinen Mitschüler die Hausaufgaben abschreiben. Wenn ja, wie oft? Helfe ich ihm damit wirklich? Es sind ganz konkrete Fragen, die die Jugendlichen diskutieren. Und sie werden kreativ – malen etwa auf Leinwände, was ihnen Hoffnung gibt.

Sieben Teammitglieder sorgen auch dafür, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. „Werwölfe im Düsterwald“ ist etwa ein Spiel, das sehr beliebt ist. Dabei spielen vier bis fünf Teilnehmer Werwölfe, die planen, jeden Einwohner des Dorfes umzubringen. Die versuchen hingegen, möglichst schnell herauszubekommen, wer die Werwölfe sind. Am Sonntag wird der Kurs mit einer Messe abgeschlossen. „Dann werden wir auch ein Fazit ziehen“, sagt Michaela Huwe.

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