Nach dem Fieber-Test und den Formalien geht’s auf die Impfstraße. Vor dem Pieks steht das Arztgespräch. © Petra Berkenbusch
Coronavirus

Im Bottroper Impfzentrum fehlt nur noch das Wichtigste: der Impfstoff

Das Bottroper Impfzentrum steht bereit, aber noch gibt es nicht genügend Impfstoff. Die ersten Lieferungen gehen am Montag in Pflegeeinrichtungen. Wir durften uns am Südring umsehen.

Wenn es schon genügend Impfstoff gäbe, könnte der Betrieb im Bottroper Impfzentrum am Südring 79 direkt starten. Zwei sogenannte Impfstraßen münden dort in acht Impfkabinen, sodass in der Endphase 480 Impfungen pro Tag möglich sein werden. Die Feuerwehr hatte bei der Federführung dieses Projekts und ganze Arbeit geleistet.

Sobald der offizielle Startschuss fällt, werden Termine im Impfzentrum exakt nach der vom Bundesgesundheitsministerium verfügten Prioritätenliste vergeben. Dann gibt es nicht nur den ersten Impftermin, sondern direkt und verbindlich auch den zweiten, der beim Impfstoff von Biontech/Pfizer exakt 21 Tage nach der Erstimpfung erfolgen muss. Es sei garantiert, erklärte Krisenstableiter Paul Ketzer am Tag vor Heiligabend, dass der Impfstoff für den zweiten Termin vorhanden sei.

Mit erhöhter Temperatur kommt niemand ins Impfzentrum

Wer zum Termin zum Südring 79 in die ehemalige Golf Arena kommt, muss zunächst in einem Container vor dem Eingang die Körpertemperatur kontrollieren lassen. „Über 38,5 kommt niemand rein“, kündigt der medizinische Leiter des Zentrums, Dr. Harald Hofer, an.

Ist die erste Hürde genommen, landet der Impfling an Empfangsschalter, wo er seinen Laufzettel und einen Fragenbogen zu seinem Gesundheitsstatus bekommt. Direkt daneben sieht‘s aus wie in einer Schulklasse: An Einzeltischen können die Besucher ganz in Ruhe ihre Fragebögen ausfüllen, dabei auf einem Videowürfel und zwei Bildschirmen Aufklärungsfilme über die Impfung ansehen und gegebenenfalls um Hilfe von geschulten Mitarbeitern bitten.

Mit den Unterlagen geht es dann in die Impfstraße, wo zunächst ein Arzt wartet, der über die Impfung aufklärt und sich davon überzeugt, dass der Proband impffähig ist.

Vor den Impfkabinen wird es keine Schlangen geben

Von dort aus geht‘s zu den Impfkabinen, die an mehreren Stellen von der „Impfstraße“ abzweigen. „Mit dieser Anordnung können wir Staus verhindern“, erklärt Feuerwehr-Chef Kim Heimann. Nicht jeder Impfling sei nach dem Pieks gleich schnell unterwegs zur nächsten Station, es seien also ausreichend viele Kabinen da, um keine Hektik entstehen zu lassen. Die Impfung wird von Medizinischen Fachangestellten vorgenommen.

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Das Bottroper Impfzentrum

Ob der Impfstoff tiefgekühlt oder bereits aufgetaut am Südring ankommt, wisse man zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht, erläutert Dr. Harald Hofer. Fest steht jedoch, dass Apotheker und PTA die Impfstoffe im Labor vor Ort aufbereiten. Hofer: „Im Kühlschrank beträgt die Auftauzeit drei Stunden, bei Zimmertemperatur ist er schon nach 30 Minuten brauchbar.“ Was so schnell aufgetaut wird, muss noch am gleichen Tag gespritzt werden. Die „Kühlschrank-Ware“ bleibt mehrere Tage haltbar.

Hier wird geimpft.
Hier wird geimpft. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

So viel Zeit muss sein: 30 Minuten Ruhezeit nach dem Pieks

Doch zurück auf die Impfstraße: Nach der Spritze geht‘s in den Nachbetreuungs-Bereich, wo die Impflinge sich 30 Minuten ausruhen sollen. Zum Zeitvertreib gibt es dort Fernseher. Und mehrere große Kunstwerke zu bestaunen, die der Bottroper Bildhauer Gereon Krebber, Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, dort ausstellt. Wer unbedingt will, darf das Impfzentrum auf eigene Gefahr auch vor Ablauf der Halb-Stunden-Frist verlassen. Empfohlen wird das jedoch nicht.

Vor dem Verlassen des Impfzentrums wird am Check-out-Schalter die Gesundheitskarte eingelesen. Wer mag, kann seinen Impfpass mitbringen, die Impfung wird dann direkt dort vermerkt. Ansonsten gibt es eine entsprechende Bescheinigung.

In der ersten Zeit wird es beim Impfstoff keine freie Auswahl geben. Die zweite Dosis wird auf jeden Fall vom gleichen Hersteller sein wie die erste. Später sei es vielleicht möglich, vermutet Dr. Hofer, zwischen mRNA- und Vectorimpfstoff auszuwählen. Aber das sei noch Zukunftsmusik. Ebenso wie die siebentägige Öffnungszeit des Impfzentrums, das in der Endphase täglich von 8 bis 20 Uhr auf Impflinge warten wird. Sobald es startet, wird es zunächst an sieben Tagen von 8 bis 14 Uhr geöffnet sein.

1.080 Dosen werden noch in diesem Jahr geliefert

  • Die ersten 1.080 Einzel-Impfdosen, die bis zum Jahresende noch in Bottrop ankommen werden, sollen von mobilen Teams in Pflegeeinrichtungen verabreicht werden.
  • Wie viele der insgesamt 1.750 in der Pflege Beschäftigten und 4.000 Bewohner sich impfen lassen wollen, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, erklärte Krisenstabsleiter Paul Ketzer am Tag vor Heiligabend.
  • Wo die Impfaktion beginnt, unterliegt strenger Geheimhaltung.
  • In den Einrichtungen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Unter anderem geht es darum, von Betreuern und Vorsorgebevollmächtigten vieler Bewohner die Zustimmung zur Impfung einzuholen.
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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