Öl und Reis waren die Hauptbestandteile der Lebensmittelpakete, die der Förderverein finanziert hat. © privat
Coronavirus

In Otterthotty ist die Corona-Hilfe aus Grafenwald nötiger denn je

Damit auch die Ärmsten der Armen die Corona-Pandemie überstehen, hat der Grafenwälder Förderverein „Zukunft für Otterthotty“ 2020 schon dreimal Geld für Lebensmittel nach Indien geschickt.

Die Jungen arbeiten im Steinbruch oder als Tagelöhner am Bau. Die Mädchen im Textilgewerbe als Tagelöhnerin und als Hausmädchen bei reichen Familien in den größeren Städten. Schwere Arbeitsunfälle, häusliche Gewalt oder sexuelle Gewalt sind im Süden Indiens häufige Begleiterscheinungen jener Jobs, die für Menschen mit schlechten Bildungschancen bleiben.

Pater Periya hat die Probleme der Menschen aus seiner Heimat nie aus den Augen verloren und privat immer geholfen, so gut er konnte, aber 2016 ist es gelungen, viele weitere Gemeindemitglieder aus Grafenwald davon zu überzeugen, Hilfe bei den Ärmsten zu leisten: 15 Menschen gründeten den „Förderverein Zukunft für Otterthotty“.

Pater Periya verdankt sein Studium einem Stipendium

Bernhard Windmöller wurde sein Vorsitzender. Er hat das Dorf im Süden Indiens, im Bundesstaat Karnatake, schon dreimal mit Pater Periya besucht und sich vor Ort davon überzeugt, dass die Spendengelder zu 100 Prozent im Sinne des Vereins eingesetzt werden. Dafür bürgt vor Ort die Schwester von Pater Periya, die selbst einst dank der Ordensgemeinschaft eines französischen Missionspriesters Schulbildung genießen und später ein Studium absolvieren durfte.

Dass Bildung ein wichtiger Schlüssel zur Überwindung von Armut und Abhängigkeit ist, weiß kaum jemand besser als das Mitglied der Ordensgemeinschaft „Missionare des heiligen Franz von Sales“. So hat sich der Förderverein auf die Fahnen geschrieben, Kindern und Jugendlichen den Besuch einer Schule mit einem anerkannten internationalen Abschluss zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt sollte die medizinische Versorgung von älteren armen und mittellosen Menschen sein.

Corona hat die Armut der Menschen verschärft

Doch jetzt tobt Corona auch im Süden Indiens und hat vorübergehend die Ziele des Grafenwälder Fördervereins verschoben. Die Menschen sind akut in Not, und deshalb hilft der Förderverein in diesen Tagen zum dritten Mal mit Lebensmittelpaketen, die vor Ort vom hier gesammelten Geld gekauft werden. Bernhard Windmöller: „Beim ersten Mal haben wir 50 Pakete im Wert von etwa 40 Euro packen lassen. Sie enthielten unter anderem 50 Kilo Reis und zehn Liter Öl.“

Lebensmittelausgabe in Otterthotty © privat © privat

Der Hilfebedarf stieg an und es folgte die zweite Aktion, bei der 100 Familien mit Paketen im Gegenwert von 20 Euro, also kleineren Mengen, unterstützt wurden.

Gerade ist die dritte Aktion abgeschlossen, wieder sollen 100 Familien Lebensmittelpakete bekommen. „Diesmal möglichst auch mit einer Süßigkeit für Weihnachten“, hofft Windmöller auf das Einkaufsgeschick der Helfer vor Ort. Das gesparte Schulgeld für die 13 Stipendiaten des Vereins, die wegen Corona derzeit nicht zur Schule gehen können, hat also schnell einen neuen Verwendungszweck gefunden.

Für Kleiderspenden reicht das Geld des Vereins nicht

Die beiden Brunnen, die der Verein in Otterthotty hat bohren und mit öffentlichen Zapfstellen ausstatten lassen, helfen der rund 1.200 Familien umfassenden Gemeinschaft, ihre kleinen Gemüsegärten in Schuss zu halten, mit denen sie einen Teil ihres Lebensmittelbedarfs selbst zu decken versuchen.

Bei der ersten Aktion erhielt jede bedürftige Familie 50 Kilogramm Reis und 10 Liter Öl. © privat © privat

Für derzeit ebenfalls gefragte Kleiderspenden für Kinder oder ältere Frauen reicht das Budget des Fördervereins nicht. Bernhard Windmöller: „Da fanden wir Lebensmittel dringender.“

In Grafenwald verlässt man sich bei der Einschätzung von Dringlichkeiten gern auf das Urteil von Pater Periyas Schwester. „Es ist gut, jemanden vor Ort zu haben, auf den man sich 100-prozentig verlassen kann.“ Bei seinen Reisen in die Heimat hat Pater Periya stets eine Menge „guter Gaben“ im Gepäck. Da kommen Etuis und Malblöcke ebenso gut an wie Basketbälle oder Verbandsmaterial für die medizinische Erstversorgung.

Spendenkonto

Der Verein „Zukunft für Otterthotty“ hat zwei Spendenkonten:

  • Bei der Vereinten Volksbank eG, Dorsten-Kirchhellen-Bottrop, IBAN: DE 80 4246 1435 5415 7556 00, BIC: GENODEM1KIH
  • bei der Sparkasse Bottrop, IBAN: DE 70 4245 1220 0000 0425 80, BIC: WELADED1BOT
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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