Nur vier Kinder nehmen momentan die Notbetreuung an der Sekundarschule in Kirchhellen in Anspruch. Das digitale Lernen klappt weitestgehend, die sozialen Kontakte fehlen Kindern und Lehrern jedoch sehr. © Manuela Hollstegge (A)
Schulen

Kirchhellener Schulleiter beklagen fehlende Videofunktion

Gymnasium sowie Sekundarschule Kirchhellen kritisieren, dass die Videofunktion des NRW-Lernportals Logineo noch nicht freigeschaltet ist. Insgesamt laufe der Distanzunterricht jedoch gut.

Voraussichtlich bis zum 14. Februar bleibt die Präsenzpflicht an deutschen Schulen aufgehoben. Das bedeutet auch für die Kirchhellener Sekundarschule und das Vestische Gymnasium fast vier weitere Wochen digitaler Unterricht. Vieles läuft inzwischen gut dabei, Probleme gibt es jedoch mit Videos, der Zeugnisvergabe sowie den Vorbereitungen auf das Abitur.

„Wenn die Pandemie vorbei ist, sind wir alle Digitalisierungsprofis“, sagt Dirk Willebrand. Er ist seit November Schulleiter des Vestischen Gymnasiums Kirchhellen (VGK). Mit der Verlängerung des Lockdowns hatte er zwar gerechnet, jedoch gehofft, dass die Abiturienten sowie die Fünft- und Sechstklässler wieder an die Schule kommen dürfen. Aktuell besuchten nur maximal fünf Kinder die Notbetreuung. „Wenn die Kleinsten wieder gehen könnten, wäre das gut, um die Lage in den Familien etwas zu entspannen. Die Belastung der Eltern ist hoch und viele fühlen sich verpflichtet, mehr zu tun, als sie eigentlich müssten“, so Willebrand.

Zudem bräuchten die jüngeren Kinder auch oft noch elterliche Unterstützung bei der Bedienung der Technik. Zwar laufe die Kommunikation über die Plattform Logineo sehr gut, dem Schulleiter wäre es jedoch lieber, wenn sich dort der Stundenplan besser abbilden ließe. „Aktuell können die Schüler auch um drei Uhr nachts noch Aufgaben machen und dann bis 11 Uhr morgens schlafen – das ist ja nicht Sinn der Sache. Eine Tagesstruktur ist für Eltern und Kinder wichtig“, sagt Willebrand. Ihm wäre es lieber, wenn die Schüler die Aufgaben des jeweiligen Fachs in der Zeit machen würden, in der das Fach eigentlich auf dem Stundenplan stünde.

Dirk Willebrand, neuer Schulleiter am Vestischen Gymnasium Kirchhellen
Dirk Willebrand, neuer Schulleiter am Vestischen Gymnasium Kirchhellen, möchte für seine Schüler den Tagesablauf im digitalen Unterricht noch mehr strukturieren. © Julian Schäptertöns (A) © Julian Schäptertöns (A)

Immerhin habe das Kollegium jetzt eine Fortbildung in Sachen Videokonferenzen bekommen und würde nun über Microsoft Teams regelmäßig mit den Kindern per Video in Kontakt treten. Willebrand hofft, dass das bald auch über Logineo möglich sein wird. Keine Probleme sieht er darin, die Halbjahreszeugnisse auszustellen: „Faktisch fehlen uns nur drei Wochen Unterricht. Wir hatten genug Zeit im Präsenzunterricht, um die Leistungen bewerten zu können.“ Problematisch sieht er allerdings die Verteilung der Zeugnisse. Kopien versenden? Per Mail? Ausgabe am Fenster? Momentan versuche man mit den anderen Gymnasien in Bottrop, eine einheitliche Vorgehensweise festzulegen.

„Fühle mich vom Land ein bisschen allein gelassen“

Auch Stefan Völlmert, Schulleiter der Kirchhellener Sekundarschule, weiß noch nicht, wie er die Halbjahreszeugnisse verteilen soll. „Da fühle ich mich vom Land so ein bisschen allein gelassen“, sagt er. Schwer im Magen liegt Völlmert auch die Durchführung der Zentralen Abschlussprüfungen.

„Wir können die Schüler aktuell darauf nicht individuell vorbereiten und auch die Schüler können sich nicht treffen, um gemeinsam zu lernen. Ich halte reguläre zentrale Prüfungen daher nicht für möglich“, sagt er. Rein fachlich würde es seiner Meinung nach auch nicht schaden, die Schüler das Schuljahr wiederholen zu lassen, praktisch sei dies jedoch nicht möglich, da zum Beispiel Abschlussschüler bereits Ausbildungsverträge unterschrieben hätten.

Stefan Völlmert, Schulleiter der Sekundarschule in Kirchhellen
Stefan Völlmert, Schulleiter der Sekundarschule in Kirchhellen, hofft, dass Videokonferenzen bald über das Kommunikationstool der Schule laufen können. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Insgesamt laufe der digitale Unterricht jedoch wesentlich organisierter als im Frühjahr des vergangenen Jahres ab. Lief damals fast die gesamte Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern über E-Mails ab, klappt das inzwischen ähnlich gut wie beim VGK über Logineo. Dort stellen die Lehrer morgens ihre Aufgaben ein, die die Schüler bis 16 Uhr am gleichen Tag bearbeitet haben müssen. „Bei 80 bis 90 Prozent der Schüler klappt das problemlos“, so Völlmert. Rege genutzt werde auch die Möglichkeit, Fragen per Chat an die Lehrer zu stellen. Das ginge jedoch nur während der Zeit, in der das Fach laut Stundenplan unterrichtet würde.

Den Unterricht vorzubereiten, sei aktuell wesentlich aufwendiger. „Man muss sich erst einmal in das neue Programm reinfuchsen und dann muss man ja auch ab 16 Uhr noch alle von den Schülern erledigten Aufgaben angucken und zumindest eine kurze Rückmeldung geben“, sagt der Schulleiter. Die Notbetreuung würden indes nur maximal vier Kinder in Anspruch nehmen.

Kirchhellener Schulleiter bemängelt fehlende Freischaltung

Auch Stefan Völlmert bemängelt, dass die Videofunktion bei Logineo noch nicht freigeschaltet ist. Laut WDR-Berichten soll das jedoch demnächst geschehen. Seit Montag (18. Januar) habe man sich am VGK trotzdem erst einmal selbst geholfen und Lehrer und Schüler arbeiten mit Zoom und anderen Diensten, um per Video in Kontakt zu bleiben. „Schülern und Lehrern tut es sehr gut, sich mal sehen zu können und dann auch noch ohne Maske“, erzählt der Schulleiter.

In den meisten Familien seien inzwischen Tablets oder Laptops vorhanden. Die eigentlich für den Unterricht vorgesehenen iPads der Schule seien alle an Schüler für den Distanzunterricht verliehen. Auf die beim Land bestellten Geräte für Lehrer und Schüler warte man indes immer noch.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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