Kirchhellenerin macht lebendige Kunst

Youtube-Star mit Bodypainting

Ihre Kunstwerke bannt die Kirchhellenerin Carina Pusch nicht auf eine Leinwand oder ein schnödes Blatt Papier. Die 25-Jährige schafft lebendige Kunst direkt auf dem Körper. Sie ist nicht nur Tätowiererin, sondern auch Bodypainterin und liebt die Verwandlung.

Kirchhellen

, 09.12.2016, 17:21 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mit diesem „Facepainting“ schaffte es die Kirchhellenerin Carina Pusch in diesem Jahr auf Platz 3 bei der Europameisterschaft im Bodypainting in den Niederlanden.

Mit diesem „Facepainting“ schaffte es die Kirchhellenerin Carina Pusch in diesem Jahr auf Platz 3 bei der Europameisterschaft im Bodypainting in den Niederlanden.

"Mich fasziniert, was man aus Menschen machen kann. Ich liebe es, wenn meine Models sich bewegen und meine Kunst damit lebendig wird“, sagt Carina Pusch. Gemalt und gezeichnet hat die 25-Jährige schon im Kindergarten und in der Schule mit Vorliebe. Damals aber noch mit Bleistift auf Papier oder mit Acryl auf Leinwand. Eine Karnevalsparty im Kirchhellener Brauhaus brachte dann die Wende.

Carina Pusch malte sich für ihre Verkleidung den Look von Model Rick Genest („Zombie Boy“), der am ganzen Körper tätowiert ist, auf die Haut. Darauf erhielt sie viel positives Feedback. „Da habe ich den Begriff ‚Bodypainting‘ erst einmal gegoogelt und entdeckt, dass es eine riesige Szene dafür gibt“, erinnert sich die Kirchhellenerin. In Deutschland entwickelt sich diese zwar erst, in den USA hat sie sich jedoch schon lange etabliert.

Große Festivals und Messen

Relativ spontan entschloss sie sich 2014, zum World Bodypainting Festival nach Österreich zu fahren. Genauso spontan fiel die Entscheidung, bei dem weltweiten Wettbewerb mitzumachen. „Wir kamen spät und es war total chaotisch, aber ich habe trotzdem den 5. Platz im Facepainting gemacht“, erzählt Pusch. In diesem Jahr belegte sie den 3. Platz beim European Bodypainting Festival in den Niederlanden. Für das kommende Jahr sind die großen Festivals und Messen schon fest im Terminkalender eingetragen.

Seit 2015 hat sie ihren eigenen Youtube-Kanal. In ihren Videos zeigt sie, wie ihre Körperkunst entsteht. „Viele sehen immer nur das fertige Kunstwerk, können sich aber gar nicht vorstellen, wie so etwas gemacht wird“, sagt die 25-Jährige. Während für ein Facepainting (nur im Gesicht) zwei bis maximal vier Stunden eingeplant werden müssen, benötigt Carina Pusch für eine Ganzkörperbemalung zwischen sechs und zehn Stunden.

Zwei Stunden schrubben

Oft steht ihre Schwester dafür Model. „Für den Zeichner ist das gar nicht so schlimm, denn der versinkt ganz in seiner Arbeit. Aber für das Model ist es schon sehr anstrengend“, so Pusch. Und danach ist die Arbeit für das Model noch nicht vorbei. Denn, um ein komplettes Bodypainting wieder abzuwaschen, muss man schon einmal bis zu zwei Stunden unter der Dusche schrubben.

Wenn sie malt, arbeitet Carina Pusch immer mit dem Körper. Dabei achtet sie darauf, dass ihre Kunst zur jeweiligen Person und zum Körperbau passt. Sie arbeitet auch mit der Umgebung, in der sie gerade ist und verwendet Accessoires wie beispielsweise Perücken.

Von Oma bis Kleinkind – sie alle hat Carina Pusch schon verschönert. Oft bemalt sie sich auch selbst. Was schwierig aussieht, findet die Künstlerin sogar oft einfacher als die Arbeit an einem Model: „Ich selber weiß, wie ich wann meinen Kopf drehen und wann ich die Luft anhalten muss.“ Jeden Mittwoch stellt sie in der Regel ein neues Video auf ihren Youtube-Kanal. Mehr als 30 700 Fans haben ihn mittlerweile abonniert. Mehr Reichweite bedeutet dabei für die junge Künstlerin aber auch mehr Verantwortung. „Ich übernehme dadurch auch so etwas wie eine Vorbildfunktion und möchte gerne eine gute Botschaft mit auf den Weg geben“, sagt sie. Daher hat sie das Projekt „Respect Nature“ ins Leben gerufen. So posierte ihr als Fuchs bemaltes Model für ein Foto bereits mit einem echten Fuchs, der schon einmal angefahren wurde.

Auf Tierversuche aufmerksam machen

Als Nächstes geht es für ein Shooting in ein Labor an der Uni Essen. Dort möchte sie auf die Problematiken bei Tierversuchen hinweisen. „Ich will die Distanz zwischen Mensch und Tier aufweichen und zeigen, dass Tiere genauso Schmerzen empfinden und leiden können wie Menschen“, erzählt Carina Pusch.

Gerade zieht sie mit ihrem Freund Tom Brückner, der selbstständiger Fotograf und Filmemacher ist, nach Dorsten. Dort planen die beiden, Anfang des nächsten Jahres an der Hühnerstraße ein eigenes Tattoo- und Bodypainting-Studio zu eröffnen. Auch Workshops sollen dort angeboten werden. „Wir haben sehr viele Ideen und freuen uns, diese bald in Dorsten umsetzen zu können“, so Pusch. 

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