Wer samstags standesamtlich heiraten will, muss künftig wohl wieder „ausreisen“

mlzHochzeitstermine

Samstags das Ja-Wort vor dem Standesbeamten sprechen? Das ist in Kirchhellen voraussichtlich nur noch bis August 2020 möglich. Oder gibt es doch noch einen Ausweg?

Kirchhellen

, 02.11.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Paare heiraten, tun sie das gern außerhalb der klassischen Öffnungszeiten von städtischen Rathäusern. Wer in Kirchhellen (und Bottrop) vor einem Standesbeamten den Bund der Ehe schließen will, muss sich demnächst vielleicht wieder mit dem Zeitraum werktags zwischen 8.30 und 12 Uhr begnügen.

Die Stadt wird ihr zusätzliches freiwilliges Serviceangebot womöglich nicht über den 30. August 2020 hinaus halten können. Zumindest können Brautpaare schon jetzt keine Termine für freitagsnachmittags und samstags mehr vereinbaren.

Das sei bedauerlich, erklärt Stadtsprecher Andreas Pläsken auf Anfrage, aber derzeit Stand der Dinge. Dass es überhaupt dieses von vielen Brautpaaren favorisierte Angebot gegeben habe, zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten zu heiraten, sei einem zeitlich begrenzten Sonderprojekt zu verdanken, für das die Stadt Fördergelder besorgt habe.

Projekt scheitert an Personalmangel

Das Projekt sei schon gleich zu Beginn ins Stottern geraten, weil es gar nicht so einfach gewesen sei, passendes Personal dafür zu finden. Andreas Pläsken: „Wir haben 13 Monate lang gesucht, bis wir zwei Mitarbeiter für jeweils zehn Wochenstunden gefunden hatten.“ Beide seien inzwischen nicht mehr im Dienst.

„Damit wir trotzdem alle bereits vergebenen Termine bis zum 30. August 2020 halten können“, berichtet Pläsken weiter, „hat sich ein Mitarbeiter zu vorübergehender Mehrarbeit bereit erklärt.“ Der Personalrat habe die Überstunden gebilligt.

Diese Befristung gelte jedoch ebenso wie das Auslaufen der Finanzierung zum 30. August 2020. Pläsken: „Deshalb rät das Standesamt allen Brautleuten, die jetzt einen Termin nach diesem Stichtag vereinbaren wollen, werktags zu heiraten oder ihren Wunschtermin bei anderen Kommunen nachzufragen.“

Stadt bekräftigt den Willen zum Weitermachen

Derweil sei die Leitung des Standesamtes mit dem zuständigen Dezernenten im Gespräch, um eine Folgelösung zu finden, denn der Wille zum Weitermachen sei ebenso da wie die rege Nachfrage der Brautpaare. Allerdings seien einer Stärkungspaktkommune beim Geldausgeben die Hände gebunden, warnt Pläsken vor allzu großer Hoffnung. „Über zusätzliche Personalstellen muss ohnehin die Politik entscheiden.“

In Kirchhellen stehen als Trauorte die Bezirksverwaltungsstelle, das Schloss Beck, der Hof Jünger, der Hof Schmücker, die Weinscheune und das Brauhaus zur Verfügung. Weitere acht Locations warten in Alt-Bottrop auf hochzeitswillige Paare. Die Bezirksvertretung Kirchhellen hat vor zwei Jahren vehement darum gekämpft, dass Trauungen auch nach freitagsmittags noch möglich sind.

„Ich habe damals angeregt, ehrenamtliche Standesbeamte zu suchen und zu schulen“, berichtet Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder. „Damals wurde mir beschieden, die Verwaltung könne das alleine.“

Bezirksbürgermeister empfiehlt den Einsatz von Ehrenamtlichen

Jetzt zeige sich offenbar, dass die Verwaltung das mit ihrem Personal doch nicht schaffe. Das will Schnieder nicht so einfach hinnehmen. „Die Trau-Termine werden gut angenommen. Sie jetzt wieder abzuschaffen, ist kein Zeichen für Bürgernähe.“ Er bringt erneut die ehrenamtlichen Kräfte ins Spiel, mit denen man das Angebot ohne große Kosten aufrechterhalten könne.

Der Verwaltung empfiehlt er außerdem einen Blick über den Tellerrand: „Andere Kommunen im Umkreis können das doch auch.“ Im Wasserschloss Raesfeld zum Beispiel könne man an jedem Wochentag heiraten. Das befördere auch die Wirtschaft rund um eine Hochzeitslocation. „Wir können doch nicht tatenlos zuschauen, dass die Bottroper und Kirchhellener sich demnächst woanders trauen lassen und dort auch ihr Feier-Budget ausgeben“, gibt sich Schnieder kämpferisch.

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