Nach Messerattacke auf ihren Mann sang Ehefrau deutsche Schlager

mlzLandgericht Essen

Erst ging sie mit einem Messer auf ihren Mann los, dann sang sie Schlagerlieder. Vor Gericht ist die gute Laune der Frau aus Kirchhellen allerdings verflogen. Es geht um Mordversuch.

Kirchhellen

, 28.08.2019, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss schon eine seltsame Situation gewesen sein, als die Polizei die 55-jährige Frau aus Kirchhellen Anfang des Jahres mit zur Wache nahm. Sie war offenbar bester Laune, sang deutsche Schlagerlieder. „Ich habe alles richtig gemacht“, soll sie einer Beamtin gesagt haben. „Schade nur, dass mein Mann nicht tot ist.“

Es war die Nacht auf den 2. März 2019, als es in einer Wohnung an der Hauptstraße in Kirchhellen zu einem beinahe tödlichen Ehedrama gekommen ist. Seit Mittwoch steht die 55-Jährige nun in Essen vor Gericht. Der Vorwurf: Mordversuch.

„Ich habe nur noch den Messerblock gesehen"

Es hatte Streit gegeben – wieder einmal. „Er hat mich aufs Äußerste beleidigt“, sagte die Angeklagte über ihren Mann. „Als ich dann in der Küche war, habe ich nur noch den Messerblock gesehen.“

Der Stich ging in die Schulter, ihr Mann saß ahnungslos am Esszimmertisch. Er hatte seine Frau gar nicht kommen sehen. Die Ärzte stellten später eine Lungenverletzung fest. Not-OP, Intensivstation.

Es war nicht das erste Mal, dass die 55-Jährige zum Messer gegriffen hat. An Weihnachten 2018 war die Polizei schon einmal im Haus. Damals war es allerdings bei einer Bedrohung geblieben.

Streit eskalierte beim Online-Poker

Auslöser der Bluttat war ein Streit beim Online-Poker, der großen Leidenschaft des Ehepaares. Aber auch das war nicht neu. Der Ehemann war sogar schon einmal von der Plattform gesperrt worden, weil er sich verbal nicht im Griff hatte.

Diesmal schrie er seine Frau an. Was er auch selbst zugibt. Sie hatte sich im parallelen Poker-Chat möglicherweise etwas abfällig über ihn geäußert. „Jetzt ist Feierabend", brauste er auf. „Geh jetzt schlafen.“ Gleichzeit schmiss er ihren Laptop auf den Boden, zog den Stecker ab.

Was folgte, hat der 62-Jährige angeblich erst im letzten Moment mitbekommen. „Auf einmal guck ich so, da kloppt die mir das Messer in die Schulter."

Mann will Frau zurück - aber ohne Laptop und Wein

Dass er eine schwere Lungenverletzung hatte, war ihm anfangs gar nicht aufgefallen. Erst als er merkte, dass sein T-Shirt voller Blut war, rief er die Rettungskräfte. Neun Tage war er im Krankenhaus.

Seine Frau möchte der Kirchhellener trotzdem zurück: „Aber ohne Laptop und ohne Wein“, polterte er im Gericht. Denn auch der Alkohol gehört zu den großen Problemen der Angeklagten. Darüber hatte sie schon ihren Job als Köchin verloren. Auch am Tattag war die 55-Jährige betrunken. Anderthalb Flaschen Wein hatte sie am Abend mit nach Hause gebracht. Wie viel sie davon getrunken habe? „Alles.“

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