Parkour: Wer über Häuserdächer springen möchte, muss klein anfangen

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Über Mauern springen und an Häuser klettern - das alles ist bei der Trendsportart Parkour möglich. Doch Anfänger fangen erst einmal ganz klein an.

Kirchhellen

, 14.09.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Trainer Daniel Böhm sieht es so einfach aus: über den Kasten springen, abrollen, wieder aufstehen. Bei den mehr als 20 Kindern und Jugendlichen klappt das teilweise noch nicht ganz so gut. Mal sind die eigenen Füße beim Aufstehen im Weg, mal klappt das Abrollen über die Schulter nicht.

Seit drei Wochen kann beim TSG in der Halle an der Loewenfeldstraße „Parkour“ trainiert werden. Bei der aus Frankreich stammenden Trendsportart geht es darum, in Natur und Stadt allen Hindernissen zum Trotz möglichst schnell und effektiv von A nach B zu kommen. Dazu gehören auch Sprünge über Mauern, das Klettern zwischen Gebäuden oder das Balancieren auf schmalem Untergrund.

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Viele der Kinder, die sich am Mittwoch in Kirchhellen zum Parkour-Training eingefunden haben, kennen den Sport aus dem Internet. „Ich habe das bei Youtube gesehen“, sagt zum Beispiel der elfjährige Ruben. Doch zu Beginn müssen die angehenden Traceure (so heißen die Parkour-Sportler) ganz klein anfangen. So trainieren sie nicht auf dem Hochhausdach, sondern auf dem Turnhallenboden. Auf dem Programm stehen auch erst einmal keine waghalsigen Sprünge.

Als erstes Lernen die Kinder und Jugendlichen das Abrollen

„Als Erstes lernen die Teilnehmer das Abrollen, das ist das Wichtigste, denn Stürze können immer mal passieren“, sagt Daniel Böhm. Dennoch sei die Verletzungsgefahr bei Parkour deutlich geringer als beim Fußball, da man keinen Kontakt zu anderen habe und auf sich selbst angewiesen sei. Böhm macht Parkour schon seit 2015 und hat Anfang des Jahres seine Trainer-C-Lizenz gemacht. „Als ehemaliger Kirchhellener wollte ich Parkour unbedingt auch hierhin bringen“, erzählt er.

Direkt beim ersten Training kamen dann auch 25 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren - hauptsächlich Jungs, aber auch einige Mädchen. Um dem Ansturm gerecht werden zu können, holte sich Böhm Paul Ben Rhouma, einen befreundeten Traceur, mit ins Boot.

Präzises Springen von A nach B

In der Halle geht es an diesem Mittwoch jetzt an die Präzisionssprünge. Die Kinder und Jugendlichen müssen zunächst von einer Linie auf dem Boden zur nächsten springen. Immer wieder korrigiert Böhm den Absprung, die Landung oder gibt Tipps, wie man weiter springen kann. „Versucht wirklich präzise zu landen, denn draußen würdet ihr ansonsten irgendwo runter fallen“, gibt er ihnen mit auf den Weg.

Parkour: Wer über Häuserdächer springen möchte, muss klein anfangen

Zunächst üben die Kinder und Jugendlichen in der Turnhalle. © Daniel Böhm

Dann erhöht er die Schwierigkeit und lässt die Teilnehmer von Kasten zu Kasten springen. Immer weiter stellt er sie auseinander. Wer nicht präzise springt, muss fünf Liegestütze machen - für manche die ersten ihres Lebens. Einige meistern die Sprünge ohne Probleme, andere stoßen hier bereits an ihre Grenzen. „Nach und nach wird sich rausfiltern, zu wem Parkour passt und wer das wirklich machen will“, vermutet Daniel Böhm.

Mit Anlauf über einen Sprungkasten

Zum Abschluss des anderthalbstündigen Trainings dürfen alle mit Anlauf über einen Fünfer-Sprungkasten springen. „Die Sprünge sind das Beste, aber gleichzeitig auch das Schwerste“, sagt der elfjährige Ben. Zunächst sollen die Kinder und Jugendlichen irgendwie über den Kasten kommen, möglichst ohne die Knie zu benutzen. „Ihr solltet euch vorher aber genau überlegen, was ihr machen möchtet, sonst passiert ein Unglück“, sagt Böhm.

Danach zeigt er ihnen zwei sogenannte Moves - „Safety“ und „Speed“ - dann heißt es dehnen und abwärmen. „Ich klettere viel und überall drauf, da passt Parkour ganz gut zu mir“, erzählt Max (12).

Im nächsten Jahr geht es nach draußen

Im nächsten Jahr, wenn die Gruppe schon etwas sicherer und besser geworden ist, wird Daniel Böhm auch draußen mit ihnen trainieren. „Bei Parkour muss man auf sich selber hören. Man darf sich zwar gegenseitig pushen, aber wenn jemand etwas nicht machen möchte, sollte man das unbedingt respektieren“, sagt Böhm. Außerdem fördere der Sport die Kreativität und bringe einen an seine persönlichen Grenzen.

Mittrainieren kann jeder, der mindestens zwölf Jahre alt ist. Ansprechpartner ist Daniel Böhm (Tel. 01578/6689859). Trainiert wird jeden Mittwoch von 17 bis 18.30 Uhr an der Loewenfeldstraße 35.
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