Pastor Manfred Stücker verlässt Kirchhellen nach 13 Jahren

mlzInterview

13 Jahre lang war Pastor Manfred Stücker eine leitende Figur in der Kirchengemeinde St. Johannes. Wenn er seinen Dienst in Wachtendonk beginnt, wird er einiges vermissen.

Kirchhellen

, 09.02.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Stücker, wie verbringen Sie Ihre letzten Tage in Kirchhellen?

Der letzte Dienst ist am 10. Februar. Am Vorabend leite ich in Grafenwald und am Sonntagmorgen in Feldhausen die heilige Messe. Um 17 Uhr ist in Kirchhellen eine Andacht geplant, wo auch die Gemeinde eingeladen ist, dabei zu sein. Es geht nicht darum, dass ich mich selbst in den Mittelpunkt stellen möchte, sondern dass wir die gemeinsamen Anliegen, den Glauben, den Dank an Gott, noch mal gemeinsam vollziehen.

Das klingt nach einem schönen Abschluss. Wie lange waren Sie jetzt in Kirchhellen tätig?

Seit dem 25. September 2005, also gut 13 Jahre. Das ist schon eine lange Zeit. Aber es ist nicht untypisch, dass man trotzdem wechselt. Das Bistum sieht gerne einen Wechsel. Zumal, wie man jetzt in diesem Fall sieht, Stellen noch unbesetzt sind, die besetzt werden müssen und die personellen Ressourcen nicht üppiger, sondern eher knapper werden.

Nach 13 Jahren hat es Ihnen hier aber auch nicht allzu schlecht gefallen, oder?

Das hat es. Wobei es natürlich nicht darum geht, dass es mir gefällt, sondern ich tue hier einen Dienst. Natürlich ist es auch gut, wenn die Bedingungen passen, wenn die Umstände gut sind, wenn man Leute findet, entwickelt und fördert, sodass eine Gemeinde lebendig sein kann.

Das ist ja auch meine Aufgabe. Und dass man eben auch den Menschen nahesteht, die die Dienste in Anspruch nehmen möchten, also beispielsweise Sakramente und Krankenbesuche. Das hat hier im Dorf immer wieder Freude gemacht. Ich habe erst gerade noch mit einer Frau gesprochen, die schwer krank ist. Wenn man ihr dann helfen kann, ist das eine gute Sache.

Gibt es etwas Bestimmtes, was Sie an Kirchhellen vermissen werden?

Natürlich, da sind einige Dinge. Die Wallfahrt nach Kevelaer zum Beispiel ist ja hier wirklich eine große Unternehmung, zu der sich viele ganz unterschiedliche Gruppen und auch Einzelpersonen ansprechen lassen zur Teilnahme. Das ist eine wunderbare Sache.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung, zum Beispiel die Familien, Fuß- oder Buswallfahrt. Auch die Kontakte mit den Schulen oder Kindergärten oder die Firm- und Kommunionvorbereitung werde ich versuchen, so aufzubauen wie hier. Es gibt viele Dinge, die ich zurücklassen muss.

Was mir sicherlich besonders fehlen wird, sind Begegnungen bei besonderen Anlässen wie Beerdigungen und Jubiläen. Beerdigungen sind hier ziemlich viele, es vergeht fast keine Woche, in der nicht mindestens eine Beerdigung stattfindet. Dadurch sind viele Kontakte entstanden. Das war prägend.

Haben Sie aus der Gemeinde Rückmeldungen zu Ihrem Abschied bekommen?

Das gibt es immer wieder. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass einige Leute etwas sagen, und die was sagen, drücken in aller Regel ihr Bedauern aus, aber auch ihr Verständnis. Aber es gibt sicherlich auch viele, die nichts sagen. Das aus unterschiedlichen Gründen.

Sie trauen sich vielleicht nicht oder haben es gar nicht so richtig mitbekommen oder sind vielleicht auch dankbar für einen neuen Anfang. Es gibt ja immer solche, die man eher angesprochen hat, die ich eher erreichen konnte, und andere, die ich wahrscheinlich auch ein Stück enttäuscht habe. Die haben sich vielleicht etwas anderes erwartet, als Pastor Klein-Schmeink und ich gekommen sind.

Wie sind Ihre Gefühle jetzt zum Abschied?

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So ein Abschied hat immer zwei Seiten. Ich lasse natürlich Dinge zurück, die ich gerne hier getan habe. Auf der anderen Seite ist eine neue Herausforderung etwas Spannendes, etwas Interessantes, etwas, was noch mal Neugierde weckt.

Haben Sie an Ihrer neuen Wirkungsstätte denn schon Kontakte geknüpft?

Auf jeden Fall. Ich habe schon mehrere Dienstgespräche gehabt. Ich hatte mit den Gremien und Hauptverantwortlichen ein Treffen, bei dem erste Fragen beantwortet wurden. Die Begegnungen waren sehr ermutigend. Ich habe niemanden erlebt, der ablehnend war, weil ich nicht aus der Region komme.

Bleibt denn der Kontakt zur Gemeinde in Kirchhellen?

Das wird die Zeit zeigen. Erfahrungsgemäß geht die Zeit schnell weiter und dann sind ja auch andere Seelsorger hier, mit denen eine Zusammenarbeit wichtig ist. Offiziell werde ich in Kirchhellen keinen Dienst mehr tun. Das müsste schon was ganz Außergewöhnliches sein.

Es gibt die Regel, dass ein Priester, der geht, die vorherige Gemeinde erst einmal ein Jahr nicht besucht. Erfahrungsgemäß verklärt sich der Blick ja auch, wenn man zurückblickt auf eine frühere Gemeinde. Die Vergangenheit sieht man schnell in einem rosa-roten Licht. Die Erinnerung lässt manche negativen Dinge einfach zurück und versenkt sie in der Tiefe.

Wenn Sie hier fortgehen, wird Ihr Platz im Seelsorge-Team frei. Wie ist die Nachfolge geregelt und inwieweit sind Sie eingebunden?

Gespräche sind im Gang. Es gab bereits einige Gespräche mit den zuständigen Gremien. Wenn Pastor Klein-Schmeink wieder da ist, wird das offiziell verkündet.

An den Gesprächen habe ich nicht teilgenommen und mich auch bewusst herausgehalten. Das ist nicht mehr meine Aufgabe und würde nur stören.

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