Photovoltaik-Anlagen für Ghana - auch für einen Profi keine leichte Aufgabe

mlzPhotovoltaik-Anlagen

Friedhelm Ochmann war schon viermal in Ghana, und zwar aus gutem Grund. Er errichtet dort Photovoltaik-Anlagen und zeigt anderen, wie es geht. Aber ganz so leicht ist das nicht.

Kirchhellen

, 26.03.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Plötzlich in einer ganz anderen Welt zu sein, dass kennt Friedhelm Ochmann (68) mittlerweile ganz gut. Er war bereits viermal in Ghana. Doch beim ersten Mal stand er vor einigen Herausforderungen. Der gelernte Fernsehtechniker ist seit 2012 Photovoltaik (PV)-Spezialist und mit einer Aufgabe nach Ghana gereist.

Geschickt wurde er vom Senior Experten Service (SES). Als ehrenamtlicher Helfer hat sich Friedhelm Ochmann aus Kirchhellen bereit erklärt, anderen beim Aufbau und der Wartung von PV-Anlagen zu helfen. SES kann auf ein Netzwerk von Ehrenamtlichen zurückgreifen und übernimmt deren Reisekosten.

In Ghana ticken die Uhren anders

Für den 68-Jährigen ging die Reise 2016 zum ersten Mal nach Ghana. Und dann im selben Jahr sogar noch weitere zwei Male. Dort erlebte er einen kleinen Kulturschock. Neben den ungewohnt hohen Temperaturen von rund 35 Grad Celsius und einer doppelt so starken Sonneneinstrahlung, „die von morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr immer fast senkrecht steht“, musste der Kirchhellener sich noch mit anderen Umständen arrangieren.

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Denn in Ghana ticken die Uhren etwas anders. Und nicht nur die Uhren. Der Strom hat auch seine eigenen Zeiten. Das fängt morgens um 5 Uhr an, wenn die Batterien der PV-Anlagen alle nur bei 50 Prozent sind, weil so viel Energie über Nacht von den Kühlschränken und Poolpumpen gezogen wird. „Bis 11.30 Uhr ist der Batteriespeicher dann ungefähr wieder bei 90 Prozent“, sagt Friedhelm Ochmann.

„Light offs“ sind in Ghana völlig normal

Aber nicht nur daran sieht man, dass die Uhren dort anders ticken. Der Volta-Stausee sorgt für die Energieversorgung im Land, der hat aber schon seit 2008 einen niedrigen Wasserspiegel. Das ist ein Problem, weil sechs der neun Turbinenrohre somit oberhalb des Wasserspiegels liegen. Es kommt regelmäßig zu sogenannten „Light offs“, heißt, dann sind ganze Stadtviertel ohne Strom. „Dann geht einfach nix mehr“, erzählt Friedhelm Ochmann.

Dann bringen die Leute ihre „Mobiles“ während ihrer Erledigungen in kleine Geschäfte. Die haben kleine Notstromaggregate. „Und wenn die Leute wieder kommen, sind die Mobile-Akkus wieder voll“, sagt der 68-Jährige. „Mobiles sind da Handys, aber außer uns Deutschen sagt ja eh niemand Handy“, ergänzt er.

Schrauben kennt man in Ghana nicht

Aber nicht nur die Stromausfälle und die extremen Sonnenbedingungen stellten den TÜV-zertifizierten Photovoltaiktechniker vor Probleme. Die Häuser hätten teilweise Wellbleche als Dächer. Darauf PV-Anlagen zu montieren, sei schwierig. Er war froh, wenn es ein Betondach gab.

Ansonsten haben er und seine „Schüler“ so etwas wie Carports gebaut. Auf denen wurden dann die PV-Anlagen errichtet. Und das sei längst nicht alles. „Alles, was in Ghana zum Bauen verwendet wird, sind Nägel. Schrauben kennen sie da nicht“, sagt Friedhelm Ochmann.

So sieht in Ghana eine Holzhandlung aus. „Solche Maschinen würden in Deutschland nicht einmal mehr verkauft“.

So sieht in Ghana eine Holzhandlung aus. „Solche Maschinen würden in Deutschland nicht einmal mehr verkauft“. © privat

Aber er wusste sich zu helfen und hatte eine Riesenkiste mit Werkzeug dabei. „Das war eine große Hilfe, ohne wäre es nicht gegangen“, sagt er. Er erinnert sich an „knüppelharte Hölzer“ und Bearbeitungsmaschinen von „anno tuck“. Er brachte seinen „Schülern“ bei, wie man Zollstöcke nutzt.

Vorkennntnisse in Technik top - in PV nicht vorhanden

„Kenntnisse bezüglich PV–Nutzung war bei keinem meiner neun ‚Schüler‘ vorhanden. Der Wissensstand in den anderen Fachbereichen der Elektrotechnik ist allerdings auf einem hohem Niveau“, schreibt Friedhelm Ochmann in seinem Bericht an den SES.

Zuletzt war er im Februar/März 2019 in Ghana. Eigentlich war ein weiterer Aufenthalt im Februar 2020 geplant, „allerdings ließ das Visum auf sich warten, sodass ich jetzt vermutlich froh sein kann, nicht in Ghana festzusitzen in Zeiten von Corona“, sagt Friedhelm Ochmann. Aber auch so habe er genug zu tun. Er überwacht per GPS alle errichteten PV-Anlagen.

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