Polizei stoppt Trecker-Korso in Dorsten - Kirchhellener Bauer spricht von „reiner Schikane“

mlzBauern-Demo

Bundesweit haben Landwirte demonstriert, doch nicht alle kamen pünktlich in Bonn bei der Demo an. Deshalb war der Tag für einen Kirchhellener Lohnunternehmer trotzdem positiv.

Holsterhausen, Kirchhellen

, 25.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Arbeiten, kurz schlafen und dann ab auf den Trecker und in Richtung Bonn, Münster oder eine andere teilnehmende Stadt fahren. Für einige Landwirte, die mit dem Schlepper am Dienstag, 22. Oktober, nach Bonn fahren wollten, war in Dorsten Holsterhausen erst einmal Schluss.

Die Polizei hielt einen Borkener-Trecker-Korso an und hinderte die Bauern an der Weiterfahrt zur angemeldeten Demonstration. Aber warum ging es über eine Stunde nicht weiter? Das fragt sich auch Ansgar Tubes (53) aus Bottrop-Kirchhellen. Er war früh aufgestanden, hatte sich nachts noch lange Gedanken zur geplanten Aktion gemacht und deshalb kein Auge zugetan.

Stopp der Bauern

Ansgar Tubes hat in Kirchhellen auf den in Borken-Marbeck gestarteten „Borkener Korso“ mit über 30 anderen Schleppern gewartet. Als sich abzeichnete, dass die Schlepper aus Borken nicht mehr eintreffen würden, weil dieser von der Polizei an der Kreuzung B 58 und B 224 in Dorsten Holsterhausen festgehalten wurde, sind die Schlepperfahrer in Eigenregie von Kirchhellen durch Essen und über Köln nach Bonn gefahren.

„Für mich war das reine Schikane, muss ich ehrlich sagen. Die Polizei hat den Borkener-Korso über eine Stunde festgehalten“, erzählt der aufgebrachte Lohnunternehmer. Über die Gründe dafür könne er nur spekulieren: „Die haben vermutlich gehofft, dass wir aufgeben.“

Auch in Essen seien sie von der Polizei angehalten worden. Doch nach einem kurzen und verständnisvollen Gespräch mit den Beamten, seien die Bauern sogar auf der Weiterfahrt nach Bonn von den Polizisten begleitet worden. Allerdings sei die Demo, als sie ankamen, schon zu Ende gewesen.

Polizei versuchte nicht, Bauern aufzuhalten

Die Polizei Münster hat überörtlich die Treckerfahrten beaufsichtigt. Auf Nachfrage der Redaktion sagt der Pressesprecher der Polizei Münster, Andreas Bode, dazu: „Der angehaltene Trecker-Korso wollte sich nicht der angemeldeten großen Route anschließen. Nach einigen Gesprächen unter den Landwirten und auch der Polizei, hat sich die Gruppe in zwei gesplittet. Ein Teil hat eine alternative Route gewählt. Ein anderer Teil wurde anfangs von der Polizei weiterbegleitet.“

Die Polizei habe nicht versucht, die Landwirte aufzuhalten. Es ginge lediglich darum, eine Sicherheit in den Verkehr zu bringen, die nicht gegeben ist, wenn Lücken entstehen und sich daraus eine unübersichtliche Situation ergebe.

Weiter sei der Polizei nicht bekannt, dass Landwirte, die durch den Einsatz der Polizei aufgehalten wurden, zu spät zur Demo gekommen seien. „Gegen 11 Uhr, als die Demo anfing, sind die Trecker, die wir begleitet haben, in Bonn angekommen“, so Andreas Bode.

Reporter war live dabei

Das wiederum sieht Stephan Teine ganz anders.

Polizei stoppt Trecker-Korso in Dorsten - Kirchhellener Bauer spricht von „reiner Schikane“

Redakteur Stephan Teine fuhr mit Frank Kisfeld auf dem Trecker zur Demo nach Bonn. © Stephan Teine

Er hat den Borkener-Korso als Reporter der Münsterland Zeitung begleitet und sagt dazu: „Die Polizei hat uns über Wesel und viele kleine Käffer nach Bonn geleitet. Dort angekommen sind wir aber erst gegen 12.30 Uhr. Da war Bonn schon komplett gesperrt und die Kundgebung war schon lange vorbei.“

Kein Vertrauen mehr in Politik

Ansgar Tubes hält das Verhalten der zuständigen Ministerinnen für nicht entschuldbar. „Die Tatsache, dass Umweltministerin Svenja Schulze vorab schon angekündigt hat, sie habe kein Interesse an einem Dialog, lässt zu weiteren solcher Aktionen anraten und die sind dann vielleicht noch ein wenig lauter“, sagt Ansgar Tubes. Auch, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf keiner Demo zu sehen war, hält der 53-Jährige für nicht hinnehmbar: „Wenn Zehntausende Landwirte auf die Straßen gehen und sie keine Notiz davon nimmt, glaube ich nicht, dass ihr das verziehen wird.“

Falls Kanzlerin Angela Merkel die Agrarpolitik zur Chefsache macht, wie von der niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast, gefordert, sei das für Ansgar Tubes mittlerweile auch kein Trost mehr. Er habe das Vertrauen in die Politik gänzlich verloren.

Lohnunternehmer ist überwältigt

Ungeachtet der Verspätung, war Ansgar Tubes positiv überrascht. „Ich bin beeindruckt von dem Tag und dem Zusammenhalt der gesamten Bauern. Es ist völlig gleich wie groß oder klein die Höfe sind, ob konventionelle Landwirtschaft oder ökologische Landwirtschaft. Egal ob Tierhalter oder Ackerbauer, alle haben an einem Strang gezogen“, so der Kirchhellener.

Aber nicht nur die Landwirte haben Eindruck auf ihn gemacht. Viel mehr war er überrascht, wie viel Zuspruch von Seiten der Bevölkerung kam. „Das Verhalten vieler Bürger, die am Straßenrand standen, hat mich stark beeindruckt. Sie applaudierten uns zu oder zeigten mit beiden Daumen nach oben“, sagt der 53-Jährige.

„Mit dieser Wertschätzung, der uns zujubelnden Menge an den Straßenrändern, habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Gerade dadurch, dass viele Politiker und Medien uns immer wieder transferieren, dass die jetzige Form der Landwirtschaft keinen Rückhalt mehr in der Gesellschaft hat“, freut sich der Lohnunternehmer. Dem sei offensichtlich nicht so, wie es oft transportiert werde. Genervte Autofahrer habe es auch gegeben, aber viele hätten die Bauern unterstützt und hätten ihnen gedankt.

Lesen Sie jetzt