Ulf Werner ist einer der beiden Geschäftsführer von FOG. Wie sein Partner Sascha Tietze hat er eine kaufmännische Ausbildung, ist aber Pyrotechniker mit Leidenschaft. © Petra Berkenbusch
„Feuerwerk ohne Grenzen“

Profi-Feuerwerk und Pyrotechnik für die ganze Welt aus Kirchhellen

Pyrotechnik, Feuerwerk, Spezialeffekte: Was den Himmel über Abu Dhabi zum Leuchten bringt, stammt möglicherweise aus Kirchhellen. Hier ist „Feuerwerk ohne Grenzen“ zu Hause.

Ob Wladimir Klitschko auf dem dramatischen Weg in den Boxring, ein neues Sportwagenmodell auf dem Laufsteg vor künftigen Kunden oder die Welt-Elite der Biathleten unterwegs im Rund der Schalke-Arena: Wenn es bei solchen Gelegenheiten ordentlich knistert, brennt, knallt und glitzert, steckt oftmals das Unternehmen von Sascha Tietze und Ulf Werner dahinter.

FOG heißt ihre Firma, und dieser Name hat so gar nichts zu tun mit dem Horror-Thriller „The Fog, Nebel des Grauens“ von 1980, wenngleich Tietze und Werner mit Nebel durchaus vertraut sind. FOG steht vielmehr für „Feuerwerke ohne Grenzen“, die seit 2014 an der Bergiusstraße entwickelt werden, wo das Gelsenkirchener Unternehmen vor sechs Jahren eine neue Heimat fand.

Ab März wurden Aufträge im Stundentakt abgesagt

In diesen Tagen ist es sehr ruhig in der Halle im Gewerbegebiet Im Pinntal. Corona hat den Betrieb von FOG nahezu lahmgelegt. „Ab März trudelten bei uns die Absagen von Kunden förmlich im Stundentakt ein“, erzählt Ulf Werner. Großveranstaltungen, Musikfestivals, Konzerte – alles abgesagt. Bis dahin war das Unternehmen 13 Jahre lang auf Expansionskurs gewesen. Werner: „Auf einen Schlag war im Frühjahr plötzlich alles auf Null gestellt.“

Spektakuläre Präsentation eines neuen Porsche-Modells © FOG © FOG

Werner und Tietze schickten ihre zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit, stockten ihren Lohn auf, so gut es ging, und übernahmen mit ihren Fachkräften sogar kleinere Handwerker-Aufträge. Immer mit Blick auf das erhoffte Open-Air-Geschäft im Sommer. Aber dann gab es auch kein Parookaville, kein Airbeat One und kein Electric Love Festival. Dafür gab es Hilfsprogramme des Staates, von dem sich die Firmeninhaber gut gestützt fühlen und viel Zeit zum Nachdenken über pyrotechnische und kaufmännische Prozesse haben. „Zum Glück hatten wir in den guten Jahren zuvor Rücklagen schaffen können“, sagt Ulf Werner, „sodass uns jetzt nicht die Luft abgeschnürt wurde.“

Konzerte in Autokinos waren kleine Lichtblicke

Und es gab auch kleine Lichtblicke. Konzerte in Autokinos zum Beispiel, für die Veranstalter und Künstler sich die Spezialeffekte aus Kirchhellen sicherten. Auf der Stadtparkbühne in Hamburg schufen sie für den Sänger Johannes Oerding ein Lagerfeuer in einer großen Feuerschale. Alles nicht zu vergleichen mit einem Silvesterfeuerwerk in Abu Dhabi, einem Ski-Opening-Spektakel in Schladming oder einer Unesco-Gala.

„Wir brennen für unseren Beruf.“

Ulf Werner

Für die leidenschaftlichen Pyrotechniker aber alles besser als nichts, denn Werner und Tietze „brennen für ihren Beruf“, den sie hoffentlich bald wieder europaweit ausüben können. Der jüngste Lockdown kurz vor Weihnachten hat eine der Pandemie geschuldete Geschäftsidee schnell wieder gestoppt: Als „Rocketdealer“ hatten die Special-Effets-Experten mit dem Verkauf von Silvesterfeuerwerk an Privatleute begonnen. Vorbestellt und bezahlt wurde im Netz, die Abholung sollte weitgehend kontaktlos an der Bergiusstraße stattfinden. Nun ist der Verkauf von Feuerwerk verboten, und bei FOG konzentrieren sich die Gedanken wieder auf Indoor- und multimediale Feuershows.

Feuerwerk made in Kirchhellen zur Eröffnung eines Einkaufszentrum. © FOG/Julian Huke © FOG/Julian Huke

Pyrotechnik-Experten warnen vor illegalen Polen-Böllern

Ohnehin schlägt das Herz der beiden Mittdreißiger schon längst nicht mehr für die alltägliche Silvester- oder Kirmes-Böllerei. „Aber wenn es schon sein muss“, sagt Ulf Werner, „dann sollte es wenigstens sicher sein und nicht irgendein illegales Zeug aus dem Internet, das das Experten-Gehör allein schon am gewaltigen Knall erkennen kann.“

Es sei richtig, dass man heute auch die Umwelt im Blick habe, wenngleich das Silvesterfeuerwerk nicht so schädlich sei wie sein Ruf. FOG hat Zertifkate gekauft, um mögliche Emissionen auszugleichen. Der Umzug der Firma nach Kirchhellen spart übrigens weitere Ressourcen: An der Bergiusstraße lagert lediglich die Hardware, die Pyrotechnik, die weltweit eingekauft wird, wartet in einem sicheren Munitionsbunker im Münsterland auf ihren Einsatz. Ulf Werner: „Da sind wir jetzt ruckzuck, wenn wir was aus dem Lager holen müssen.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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