Regional oder Bio? Kunden haben im Dorf die Qual der Wahl

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Frische Produkte aus regionalem Anbau zu bekommen, ist dank der vielen Hofläden in Kirchhellen nicht schwer. Sollen es aber auch zugleich Bio-Lebensmittel sein, sieht es schon anders aus.

Kirchhellen

, 25.07.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum haben Sie denn keine Erdbeeren aus der Region im Angebot?“ Diese Frage stellen Kunden den Mitarbeiterinnen von Spickermanns Bioladen öfter. Denn die Erdbeeren, die es hier zu kaufen gibt, sind, ebenso wie das restliche Obst und Gemüse, die Eier und das Fleisch von einem Großhändler aus Coesfeld.

Gekennzeichnete Produkte

Dieser wiederum beziehe seine Produkte lediglich von Landwirten, die ihre Betriebe haben bio-zertifizieren gelassen haben, erklärt Lara Bencu aus dem Spickermanns-Team. „Nicht gekennzeichnete Produkte dürften wir auch gar nicht verkaufen“, erzählt sie weiter. „Sonst könnten wir uns nicht Bioladen nennen.“

Und hier liegt das Problem: Kirchhellen ist, was den Bereich Bio-Landwirtschaft angeht, ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ein kurzer Blick in die Register für eingetragene Bio-Bauern zeigt, dass der nächste Hof erst in Schermbeck zu finden ist.

Dementsprechend darf auf den Produkten der Kirchhellener Bauern auch nicht das bekannte grüne Bio-Siegel prangen und nicht von Spickermanns verkauft werden. Selbst Burkhard Sagel, der mit einer tierfreundlichen Landschaft für seinen Hof wirbt, ist nach den Maßstäben der Landwirtschaftskammer kein Bio-Bauer.

Bio-Bauer nur unter strengen Vorgaben

Um diesen Status zu erlangen, müssen zunächst einmal strengste Vorgaben erfüllt werden. „Um sich als Bio-Bauer zertifizieren zu lassen, muss man sich zunächst an eine von 16 staatlich geprüften Kontrollstellen wenden“, erklärt auf Anfrage der Redaktion ein Sprecher der Landwirtschaftskammer. „Danach beginnt für den Betrieb eine zweijährige Umstellungszeit. Bereits in dieser Zeit muss der Landwirt auf den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln oder ähnlichen Chemikalien beim Anbau verzichten. Nur so kann auch wirklich gewährleistet werden, das Bio drin steckt, wo es auch hinterher draufsteht.“

In dieser Zeit werden die Betriebe angekündigt und unangekündigt von Kontrolleuren überprüft. Eine Praxis, die auch nach Erhalt der Plakette beibehalten wird, um die Qualität der Bio-Produkte für den Endverbraucher zu gewährleisten.

Örtliche Landwirte wollen nicht Biobauer werden

Für Burkhard Sagel ist diese ganze Prozedur zu viel Bürokratie: „Ich hasse Papierkram“, gibt er als Begründung an, wieso er sich nicht als Bio-Bauer auszeichnen lässt. „Außerdem möchte ich meine Produkte nicht hinter irgendwelchen Siegeln oder Verbänden verstecken. Meine Kunden sollen sich vor Ort von der Qualität der Produkte überzeugen.“

In der Tat schließen sich die meisten Bio-Bauern Verbänden an, wie Demeter oder Bioland. So sind auch viele der Zulieferer von Spickermanns Bioladen Teil von Landwirtschaftsverbänden. Dennoch, versichert Sabine Graudschun vom Bioladen-Team, kenne man die meisten Zulieferer persönlich. Regelmäßig würde man selbst die Höfe besuchen oder sich von der Qualität der Produkte auf Messen überzeugen.

Böden würden sich nicht eignen

Den von Burkhars Sagel gefürchteten Papierkram, scheut Johannes Miermann hingegen weniger: „Als Landwirt hat man ohnehin eine Menge zu dokumentieren - vor allem wenn man Pflanzenschutzmittel benutzt. Da haben Bio-Bauern bestimmt weniger zu schreiben“, scherzt der Kirchhellener. Seiner Meinung nach würde sich der Boden in Kirchhellen mehr für die konventionelle Landwirtschaft eignen: „Wir verfügen hier über arme Sandböden, die für eine Bio-Landwirtschaft nicht ertragreich genug sind. Für so eine Form der Landwirtschaft braucht es lehmige Standorte“, meint er.

„Die Kunden, die eher regionale Produkte wünschen, gehen in der Regel in den Hofläden einkaufen. Kunden, die auf ökologische Produkte wert legen, eher bei uns“, fasst Lara Bencu vom Bioladen die Situation im Dorf zusammen. Und ganz muss man auch bei Spickermanns nicht auf regionale Produkte verzichten: Der von der Diakonie betriebene Rotthofs Hof gehört nämlich auch zu den Zuliefern des Bio-Supermarkts. Er ist nämlich Teil des Verbands Bioland.

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