2020 hat die Dorstener Zeitung über viele Kirchhellener berichtet. Bei vier davon hat die Redaktion nachgefragt, was aus ihren Plänen und Wünschen geworden ist. © Collage: Nina Dittgen
Menschen

„Was wurde aus …?“ – Vier Kirchhellener und ihre Geschichten

Über viele Kirchhellener hat die Dorstener Zeitung im Jahr 2020 berichtet. Bei vier von ihnen hat die Redaktion noch einmal nachgefragt, was aus ihren Wünschen und Plänen geworden ist.

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Über viele Menschen aus Kirchhellen haben wir in diesem Jahr berichtet. Menschen, die Hilfe suchten, Menschen, die Hilfe anboten, Menschen, die Ideen und Großes vor hatten. Wir haben noch einmal mit vier von ihnen gesprochen und gefragt, wie es ihnen heute geht und was aus ihren Plänen geworden ist.

Die erste Geschichte beginnt mit einer Spenden-Aktion des CAP-Marktes in Grafenwald und der Übergabe von 2511 Euro. Die hatte der CAP-Markt mit der Aktion „Spenden statt Böllern“ sowie einer Grillaktion für die herzkranke Josi gesammelt. Die damals Zwölfjährige sitzt im Rollstuhl. Sie leidet an einem angeborenen Chromosomenfehler – ihr Herz arbeitet nur noch zu zehn Prozent. Der sehnlichste Wunsch der Grafenwälder Familie war ein behindertengerechtes Auto. Denn die Familie verfügte lediglich über einen Dienstwagen des Vaters. Der war jedoch nicht immer verfügbar und auch der Rollstuhl passte dort nur unter großem Aufwand hinein.

Heute, fast ein Jahr später, kann Mutter Annika Visser vermelden: „Wir haben ein Auto – jedoch kein behindertengerechtes. Das war einfach viel zu teuer.“ Daher habe sich die Familie für einen Hochdachkombi entschieden, der irgendwann vielleicht einmal umgebaut werden soll. „Das gibt unserem Leben ein bisschen Normalität zurück. Ich kann den Rollstuhl da quasi einfach hinten reinschmeißen und Josi und ich sind viel mobiler und aktiver damit“, erzählt sie.

Spenden-Aktion des CAP-Marktes in Grafenwald für die herzkranke Josi.
Das Team des CAP-Marktes Grafenwald hat 2511 Euro an Annika Visser (r.) und ihre Tochter Josi übergeben. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Durch die Corona-Pandemie ist die Grafenwälderin seit März ansonsten fast nur noch zu Hause mit Josi. Denn die ist natürlich Hochrisikopatientin. Das Auto nutzt Annika Visser daher momentan auch oft dafür, irgendwohin zu fahren, wo nicht viel los ist und sie mit ihrer Tochter spazieren gehen kann. Josi ist inzwischen 13 Jahre alt und ihr geht es insgesamt gut. „Sie hat eine sehr stabile Phase, lacht viel und hat gerade eine Discokugel für sich entdeckt. Die läuft hier bei uns den ganzen Tag“, erzählt Annika Visser. Im April 2017 hatte man ihr gesagt, dass ihre Tochter nur noch ein halbes Jahr zu leben hätte. Daher ist die gelernte Krankenschwester einfach nur froh, dass es Josi verhältnismäßig gut geht und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. „So macht Josi es ja auch – sie ist da quasi mein Vorbild.“

Kirchhellener brachte Modekollektion auf den Markt

Anfang des Jahres 2020 berichteten wir über den heute 17-jährigen Luke aus Kirchhellen. Als einer von fünf Teenagern war er Teil der der Serie „Jungs-WG“, die bei KiKA ausgestrahlt wurde. Er hatte sich im Casting gegen 1.500 Mitbewerber durchgesetzt und verbrauchte mit den anderen Jugendlichen vier Wochen auf einem Hausboot in Amsterdam. Im April berichtete die Dorstener Zeitung erneut über ihn: Damals gründete er das Fashionlabel CELF und startete damit, seine erste Klamotten-Kollektion online zu verkaufen.

Luke aus Kirchhellen brachte 2020 seine erste Modekollektion heraus. Für das nächste Jahr hat er neue Pläne.
Luke aus Kirchhellen brachte 2020 seine erste Modekollektion heraus. Für das nächste Jahr hat er neue Pläne. © Julian Schäpertöns (A) © Julian Schäpertöns (A)

„Das Feedback für meine erste Kollektion war positiv“, sagt Luke heute. „Viele haben es gefeiert, für manche war es nicht genug. Für mich selbst auch nicht, um ehrlich zu sein. Deswegen gebe ich in der nächsten Kollektion Vollgas.“ Für ihn stand die Schule in diesem Jahr erst einmal im Vordergrund. „Das lief alles prima“, so der 17-Jährige. Weitere Fernsehprojekte sind vorerst nicht geplant. Aber eine neue Modekollektion soll 2021 erscheinen.

20 Kirchhellener sind bei den Senioren-Netzwerkern aktiv

Online-Banking, WhatsApp, Briefe am Laptop schreiben – all das ist für ältere Menschen oft nicht einfach, da sie damit nicht groß geworden sind. Der Kirchhellener Rentner Dieter Pommerenke gründete daher im Februar die Gruppe „Senioren-Netzwerker Kirchhellen“. Heute hat seine Gruppe 20 Mitglieder, die sich – bevor es durch die Corona-Bestimmungen verboten wurde – regelmäßig getroffen hat – erst in den Räumen der Kirchhellener Bücherei, dann im neuen Jugendhaus. „Das macht ungeheuer Spaß und wird so dankbar angenommen“, erzählt Pommerenke.

Der Kirchhellener Dieter Pommerenke (2.v.r.) gründete im Februar die Gruppe
Der Kirchhellener Dieter Pommerenke (2.v.r.) gründete im Februar die Gruppe „Senioren-Netzwerker Kirchhellen“. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Die meisten Senioren interessieren sich für die Smartphone-Gruppe. Dann gibt es noch eine speziell für Apple und eine für den Umgang mit dem Laptop. „Oftmals muss man wirklich ganz von vorne bei den Grundlagen anfangen, das dauert natürlich“, so Pommerenke. Während der Kurse wird er unterstützt von zwei Helfern, die gemeinsam mit ihm rumgehen und bei Problemen helfen. Besonders begeistert ist Pommerenke von einer 83-jährigen Teilnehmerin: „Die will alles ganz genau wissen, fragt viel und bleibt am Ball.“ Aktuell plant er, die Kurse über eine Plattform online stattfinden zu lassen. Allerdings seien viele Senioren verunsichert, ob so etwas sicher sei und hätten zudem oftmals keine Kamera oder keinen Lautsprecher.

Kontakt zu Flüchtlingsfamilien besteht immer noch

Vier Jahre haben 19 Flüchtlinge aus Afghanistan in den Wohnräumen am Kirchhellener Jugend-Kloster gelebt. Sie nahmen an vielen Veranstaltungen des Klosters teil, gehörten zum Kloster-Alltag dazu. Anfang Januar dieses Jahres hatte auch die letzte Familie das Kloster verlassen. Die meisten sind in eigene Wohnungen in Bottrop gezogen.

Diese Flüchtlingsfamilien aus Afghanistan wohnten vier Jahre im Jugend-Kloster. Auch nach ihrem Auszug pflegt das Kloster-Team noch den Kontakt zu ihnen.
Diese Flüchtlingsfamilien aus Afghanistan wohnten vier Jahre im Jugend-Kloster. Auch nach ihrem Auszug pflegt das Kloster-Team noch den Kontakt zu ihnen. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Doch das Kloster-Team hat immer noch Kontakt zu den Familien, wie Ökonomin Hildegard Kückelmann bestätigt: „Wir pflegen noch eine gute Verbindung zu ihnen. Eine Frau hat beispielsweise ein Baby bekommen und uns mit ihm besucht. Vieles läuft aber auch über die Kinder.“ Einige von ihnen hätten beispielsweise an der ersten Woche des Herbstferienprogramms teilgenommen. Außerdem hätten sie beim Übersetzen geholfen, denn seit wenigen Wochen wohnt ein junge Frau aus Afghanistan in einem Bereich des Jugendhauses.

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Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge
Freier Mitarbeiter
Ich bin in Dorsten aufgewachsen und lebe seit einigen Jahren in Kirchhellen. Die Region kenne ich also von klein auf. Trotzdem entdecke ich durch meine Tätigkeit als Journalist immer wieder neues. Die lokale Berichterstattung finde ich spannend, weil ich dadurch viele nette Menschen kennenlernen darf und immer mitten im Geschehen bin. Als Fotograf ist mir dabei wichtig, meine Geschichten auch immer visuell ansprechend zu gestalten.
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