Werbegemeinschafts-Vorsitzender Kückelmann will die Kaufkraft in Kirchhellen stärken

mlzInterview

Vor rund einem Jahr übernahm der Bottroper Stephan Kückelmann (32) den Vorsitz der Werbegemeinschaft Kirchhellen. Kein leichter Job - wie er ein Jahr später zugibt.

Kirchhellen

, 07.02.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Stephan Kückelmann, Sie haben vor etwas mehr als einem Jahr relativ spontan den Vorsitz der Werbegemeinschaft übernommen. Haben Sie es schon bereut?

Ja, das war sehr spontan, aber ich habe es nicht bereut. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Netzwerk für Kirchhellen wichtig ist und erhalten werden sollte. Ich habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich als Veranstalter, der in Kirchhellen aktiv geworden ist, dankbar bin für so ein Netzwerk. Ich werde das gerne noch eine gewisse Zeit lang machen. Wenn sich aber ein neuer Vorstand aus Kirchhellen findet, bin ich gerne bereit, den Weg frei zu machen.

Der alte Vorsitzende Ulrich Scharun hatte den Job als „undankbar“ bezeichnet. Wie sehen Sie das?

Es ist eine Mordsarbeit, die von vielen kritisch begutachtet wird. Es gibt viele Mitglieder, die eine hohe Erwartungshaltung haben und der gerecht zu werden, ist nicht so ganz einfach. Es ist tatsächlich in gewisser Weise ein undankbarer Job, weil vieles von dem, was man macht, gar nicht sichtbar ist. Es ist ein Ehrenamt, für das man nicht einen Cent bekommt. Wirklich schwierig macht die Arbeit auch, dass es bei uns eigentlich nie eine Meinung gibt. Wir haben immer unterschiedliche Standpunkte.

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass Sie Bottroper und nicht Kirchhellener sind?

Ich bin flexibel und kann mir meine Zeit freier einteilen. Durch meine Veranstaltungen in Kirchhellen habe ich auch viel Kontakt zu Unternehmern vor Ort und kann die Dinge gut miteinander verknüpfen. Im erweiterten Vorstand und Beirat sitzen ja auch Kirchhellener Unternehmer. Bei denen hole ich mir immer Rat ein. Mein Vorteil ist aber sicherlich, dass ich total unbehaftet nach Kirchhellen gekommen bin und nicht vorbelastet war. Man hat so noch einmal einen anderen Blick auf die Dinge.

Direkt nachdem Sie das Amt übernommen haben, haben Sie viele Gespräche mit den Mitgliedern der Werbegemeinschaft geführt. Was ist dabei herausgekommen?

Das, was sie sich wünschen, war sehr, sehr unterschiedlich. Ein großer gemeinsamer Nenner ist aber auf jeden Fall, die Kaufkraft im Ort zu stärken. Die Frage ist, wie kann das gelingen? Da gibt es verschiedene Ansätze.

Welche Ansätze zum Beispiel?

Zum Beispiel die gemeinsame Werbung. Das ist einer der zentralen Punkte. Wir haben beispielsweise bei Facebook die Seite „Kirchhellen erleben“ erstellt. Das läuft ganz gut. Außerdem haben wir jetzt auch eine Internetseite. Viele Mitglieder sind inhabergeführte Läden, die haben teilweise weder die Zeit noch das Know-how, sich außerhalb ihres Ladens richtig zu vermarkten.

Was haben Sie noch unternommen, um die Kaufkraft zu stärken?

Wir haben insgesamt geschaut, dass die Werbegemeinschaft mit ihrer Arbeit bekannter wird. Ich habe es mir mit als erste Aufgabe gesetzt, die Kommunikation zwischen den Mitgliedern und mit den Mitgliedern zu vereinfachen und transparenter zu machen. Wir haben jetzt zum Beispiel eine Internetseite. Da pflegen wir nach und nach unsere Aktivitäten ein und auch die Kontaktdaten unserer Mitglieder.

Sie haben außerdem Veranstaltungen an den Start gebracht…

Ja, wir haben ein breites Spektrum an Veranstaltungen installiert, bei denen die Werbegemeinschaft unterstützend tätig wird. Wir sind dabei aber nicht die Veranstalter, das war früher einmal so. Das hat den Vorteil, dass solche Veranstaltungen, auch wenn die Werbegemeinschaft sich verändert, immer noch Bestand haben können. Mir ist sehr bewusst, dass nicht alle Mitglieder von Veranstaltungen im Dorf profitieren. Es ist auch nicht die Kernarbeit der Werbegemeinschaft, so etwas zu unterstützen, aber es gehört zu einem Teil dazu. Wir setzen uns zum Beispiel dafür ein, dass zwei verkaufsoffene Veranstaltungen im Jahr in Kirchhellen stattfinden – einmal beim Dorffest und einmal beim Wintertreff von „Natürlich Kirchhellen“.

Das Dorffest haben Sie wieder belebt. Wie hat Ihnen der Start gefallen?

Die Veranstaltung, die ich zusammen mit Tobias Lindemann mache, war sehr erfolgreich. Das Wetter war zum Glück hervorragend, denn das Fest steht und fällt damit. Wir haben so gut es geht, Kirchhellen mit einbezogen. Wir wollen, dass das eine Kirchhellener Veranstaltung ist und dass die Kirchhellener sich damit identifizieren können. Jeder Kirchhellener, der beim Dorffest mitmachen möchte, dem werden wir die Möglichkeit bieten.

Wird es in diesem Jahr Veränderungen beim Dorffest geben?

Die Messlatte bei Kirchhellener Veranstaltungen ist hoch. Wir haben deswegen auch vom ersten Jahr an versucht, die Messlatte für uns selbst hochzulegen. Der Rahmen, den wir gesteckt haben, ist vollkommen ausreichend. Wir haben zwei Bühnen, wir haben drei Tage lang Programm, wir haben einen großen Kinderbereich und sprechen alle Generationen an. Wir haben am Ende des Tages auch nicht mehr Flächen, die wir bespielen könnten. Es würde auch zum Charakter des Dorfes nicht mehr passen, wenn wir noch größer würden.

Welche Veranstaltungen sind in diesem Jahr noch geplant?

Das Dorffest ist vom 9. bis 11. August. Zuvor geht es am 5. April wieder mit dem Feierabendmarkt los. Was wir dann noch versuchen, ist, den Feierabendmarkt als Plattform zu nutzen und andere Veranstaltungen dran zu hängen. So wird es beim letzten Feierabendmarkt im Oktober wieder das „Candle-Light-Shopping“ geben. Außerdem gibt es im September auch wieder das „Heimat shoppen“ der IFK in Kirchhellen.

Wo sehen Sie Ihre Aufgaben als Vorsitzender der Werbegemeinschaft?

Wir sind das Sprachrohr der Kaufmannschaft Kirchhellens. Wir werden von vielen Seiten, zum Beispiel der Stadtverwaltung, der Politik oder dem Einzelhandelsverband, nach unserer Meinung gefragt. Ohne uns gäbe es für die keinen konkreten Ansprechpartner. Meine Aufgabe ist es, einen Standpunkt zu formulieren, wie die Kaufmannschaft zu bestimmten Themen steht.

Zu welchen Themen werden Sie aktuell befragt?

Aktuell ist es zum Beispiel die Belebung des Johann-Breuker-Platzes. Dieses Thema kursiert schon seit einigen Jahren. Jetzt hat sich für mein Empfinden im letzten Jahr aber schon viel getan. Ich bin überzeugt davon, dass es viel bringen würde, ein oder zwei zusätzliche Gastronomien für den Platz zu gewinnen. Der Platz ist insgesamt aus Veranstaltersicht sehr gut zu bespielen. Er ist groß, hat eine gute Infrastruktur und keine Umfahrung. Es ist nicht grundlos so, dass auch in diesem Jahr ein Street-Food-Markt und „Kirchhellen karibisch“ stattfinden. Das Maß an Veranstaltung ist jetzt aber sicherlich voll.

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr für die Werbegemeinschaft?

Ich wünsche mir, dass die Mitglieder mit dem zufrieden sind, was wir als Vorstand machen und wir es schaffen, noch mehr miteinander zu kommunizieren. Und natürlich wünsche ich mir, dass wir unser Ziel erreichen, die Kaufkraft in Kirchhellen zu stärken.

  • Die Werbegemeinschaft Kirchhellen hat rund 60 Mitglieder. 1. Vorsitzender ist Stephan Kückelmann, 2. Vorsitzende: Selina Schmid, Schriftführer: Tobias Lindemann, Kassiererin: Marita Müller, Beirat: Thomas Oertel, Steffen Dietz, Ulrich Scharun, Jacqueline Burzynski und Kirchhellen.de (vertreten durch die Gesellschafter).
  • Kontakt zur Werbegemeinschaft gibt es neben Facebook und Homepage per E-Mail.
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