Corona

Impfzentrum darf nur den Mangel verwalten

Im Juni gibt es in Recklinghausen vorübergehend Termine lediglich für Zweitimpfungen. Die Aufhebung der Priorisierung sorgt beim Kreis für Unbehagen.
Leere Impfdosen: Ein Bild als Symbol für den aktuellen Impfstoff-Mangel. © picture alliance/dpa

Wer sich aktuell um eine Impfreservierung im Recklinghäuser Impfzentrum bemüht, hat schlechte Karten. Seit eineinhalb Wochen können weder über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) noch über das Portal „Terminland“ der Kreisverwaltung Termine für ein Impfpaket in Recklinghausen gebucht werden. Der Grund: Es mangelt an Impfstoff.

„Das ist auch für uns sehr unbefriedigend“, sagt der Leiter des Impfzentrums, Patrick Hundt. Denn die Kapazitäten der Einrichtung auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen blieben nun teilweise ungenutzt.

Kreis Recklinghausen will Terminverschiebungen verhindern

Um die Impfkampagne in Fahrt zu bringen, hat das Land NRW in den zurückliegenden Wochen die Priorisierungsliste 3 teilweise geöffnet und große Mengen an Impfstoff an Kreise und Kommunen ausgeliefert. Jetzt sind beim Land die Lager für Astrazeneca und Biontech weitgehend leer. Deshalb werden ab der nächsten Woche in Recklinghausen ausschließlich Zweitimpfungen stattfinden können. Dass Termine für Zweitimpfungen aufgrund des Mangels verschoben werden müssen, soll unter allen Umständen verhindert werden. Ausschließen kann die Kreisverwaltung das jedoch nicht. Frühestens in der dritten Juni-Woche rechnet Patrick Hundt mit einer Entspannung der Situation.

Das NRW-Gesundheitsministerium teilt auf Anfrage mit, dass die in den ersten drei Juniwochen zur Verfügung stehenden Vakzine „nahezu vollständig“ für Zweitimpfungen benötigt werden.

Lehrer und Erzieher müssen ins Impfzentrum kommen

Im Kreis Recklinghausen soll auch die Zahl der mobilen Impfungen reduziert werden. Lehrerinnen und Lehrer von Grundschulen sowie Erzieherinnen und Erzieher aus Kindertagesstätten, die ihre erste Spritze noch kollektiv in Schule und Kita erhalten haben, werden deshalb für den zweiten Impftermin nach Recklinghausen gebeten. So solle der logistische Aufwand verringert und das Impfzentrum besser ausgelastet werden, erläutert Hundt.

„Hoffnungen, die nicht zu erfüllen sind“

Dass in einer Phase, in der Corona-Vakzine knapp sind, die Impfpriorisierung komplett aufgehoben werden soll (zum 7. Juni), nimmt die Kreisverwaltung mit deutlichem Unbehagen zur Kenntnis. „Hier werden Hoffnungen und Begehrlichkeiten geweckt, die nicht zu erfüllen sind“, sagt der Leiter des Impfzentrums. Die Impfwilligen würden weder beim Kreis noch bei ihrem Hausarzt schnell zu einem Termin kommen. Entsprechend groß werde der Unmut der Betroffenen ausfallen.

Impfzentren bis September finanziell gesichert

Zudem muss sich das Impfzentrum auf die Immunisierung einer weiteren großen Gruppe vorbereiten. Denn nach einem Beschlussentwurf für die Ministerpräsidentenkonferenz sollen Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ab dem 7. Juni geimpft werden können. Die Bundesregierung rechnet mit einer Zulassung für diese Altersgruppe in den nächsten Tagen.

Während die 12- bis 16-Jährigen in Arztpraxen immunisiert werden sollen, ist nach Angaben von Patrick Hundt für die 16- bis 18-Jährigen das Impfzentrum als Anlaufstelle vorgesehen. Das wären 12.500 junge Menschen im Kreis Recklinghausen, die zusätzlich versorgt werden müssten.

Die Finanzierung des Betriebs der Impfzentren durch Bund und Land ist bis Ende September 2021 gesichert. Über die Bedeutung und Rolle der Impfzentren über diesen Zeitpunkt hinaus könne aktuell keine Auskunft gegeben werden, so das NRW-Gesundheitsministerium.