Corona

Vom Impfzentrum in die Reiterferien

Zum ersten Mal können in Recklinghausen alle Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren geimpft werden. Der Andrang ist größer als erwartet.
Der Andrang war am Mittwoch groß am Impfzentrum in Recklinghausen. © Jörg Gutzeit

„Ich wollte unbedingt geimpft werden“, sagt die 14-jährige Sophie. Gerade ist sie mit ihrer Mutter aus dem Recklinghäuser Impfzentrum gekommen – mit einer Dosis Biontech im Oberarm. „Meine Mama ist Risikopatientin, meine Großeltern leben mit im Haus, ich habe eine kleine Schwester im Kindergartenalter und auch meine beste Freundin ist vorerkrankt. Da habe ich jetzt einfach ein besseres Gefühl“, meint die Jugendliche.

Es ist der erste Nachmittag, an dem alle Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren im Impfzentrum des Kreises immunisiert werden können. Das Landesgesundheitsministerium hatte dafür in der letzten Woche überraschend grünes Licht gegeben, obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) die Immunisierung der Jüngeren bisher nur für Vorerkrankte empfiehlt.

Weitere Kinderärzte müssen angefordert werden

Das Recklinghäuser Impfzentrum hat für diesen Nachmittag extra zwei Kinder- und Jugendärzte angefordert, die die Eltern beraten sollen. Doch diese Kapazitäten reichen nicht. Der Andrang der Familien, die ohne Termin kommen können, ist so groß, dass der Kreis kurzfristig zwei weitere Kinderärzte organisiert. „Mit dieser Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagt Dr. Hermann Geldmann, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums. „Aber wir freuen uns, wenn es so bleibt.“

Dr. Hermann Geldmann, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums des Kreises Recklinghausen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die Eltern, die sich gemeinsam mit ihrem Kind zu einer Impfung entschlossen haben, haben großen Informationsbedarf. Entsprechend länger dauern die Beratungsgespräche. Die Verunsicherung ist spürbar. Das überrascht Hermann Geldmann nicht, nachdem in den letzten Wochen so viele unterschiedliche Einschätzungen zur Impfung für Kinder die Runde gemacht haben. Er selbst hat eine klare Meinung: „Die jetzige Regelung ist gut, und sie hätte schon viel früher kommen müssen.“

Die zweite Dosis Biontech kann es noch vor Ferienende geben

Aber auch jetzt können es die Kinder und Jugendlichen noch schaffen, sich vor Schulbeginn ihre zweite Dosis Biontech abzuholen. Jedoch schon nach der ersten Spritze seien die Impflinge vor einem schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion geschützt.

Wieder sorglos in die Schule gehen und Freunde treffen zu können, ist auch für Lisa (12) Motivation und Ansporn, sich vor dem Impfzentrum in die Schlange einzureihen. „Homeschooling hat nicht so viel Spaß gemacht“, stellt sie fest. In ihrer Familie sind mittlerweile alle gegen Corona geimpft. Da sei es eine Erleichterung, wenn auch die Tochter ihre Spritze erhält, sagt Lisas Mutter.

Beim Kinderarzt scheiterte der Versuch, einen Termin zu bekommen

Ein Vater berichtet von vergeblichen Versuchen, beim Kinderarzt einen Impftermin zu bekommen. Doch ein Teil dieser Mediziner hält sich an die Empfehlung der Stiko, nur vorerkrankte Kinder zu immunisieren. Andere Praxen sind ausgelastet. „Als wir in der Zeitung lasen, dass die Impfung auch im Impfzentrum möglich ist, stand für uns fest, dass wir diese Chance nutzen“, sagt der Mann.

Damit das eigene Kind geimpft werden kann, muss die Einwilligung aller sorgeberechtigen Personen vorliegen. Geimpft wird immer am Mittwoch und am Samstag zwischen 14 und 18.30 Uhr. „Wir sind gespannt, wie es am Samstag weitergeht“, sagt Dr. Geldmann.

Am Mittwoch haben jedenfalls in den ersten drei Stunden bereits 180 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren im Impfzentrum eingecheckt. Die 14-jährige Sophie ist froh, dass sie dazugehört. Denn nun geht es in die Reiterferien. „Darauf freue ich mich jetzt umso mehr.“

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