Glasfaserkabel liegen auf einer Baustelle. Die Deutsche Telekom und Gelsennet haben im Kreis Recklinghausen 629 Kilometer Glasfaser-Trassen gelegt. © picture alliance/dpa
Breitband-Ausbau

„Weiße Flecken“ im Kreis Recklinghausen weitgehend getilgt

68 Millionen Euro Fördergelder haben rund 11.800 Haushalten, 206 Schulen und 1423 Betrieben ein schnelles Internet beschert. Teilweise kam es jedoch zu kuriosen Abgrenzungen.

Noch in diesem Jahr wird der größte Teil der „weißen Flecken“ bei der Internetversorgung im Kreis Recklinghausen von der Landkarte verschwunden sein. In drei der vier Teilgebiete ist der Breitband-Ausbau nach Angaben der Kreisverwaltung bereits abgeschlossen. Im Bereich „Süd 2“, der die Städte Castrop-Rauxel, Herten und Recklinghausen umfasst, seien die Arbeiten zu 80 Prozent erledigt, erklärt der Breitbandbeauftragte der Kreisverwaltung, Sven Ahrens.

68,35 Millionen Euro haben Bund und Land dem Kreis Recklinghausen für den Breitband-Ausbau zur Verfügung gestellt. Mit der technischen Umsetzung wurden die Telekom und Gelsennet beauftragt. Die Unternehmen werden am Ende 629 Kilometer Glasfaser-Trassen gelegt haben und dadurch rund 11.800 Haushalte, 206 Schulen und 1423 Betriebe an das schnelle Internet angeschlossen haben. Die Kooperationsverträge mit den Telekommunikationsanbietern waren im Februar 2019 unterzeichnet worden. Der Ausbaustart erfolgte mit dem ersten Spatenstich am 15. April 2019 in Recklinghausen.

Die Aufnahme ins Förderprogramm erfolgte gebäudescharf

Als „weißer Fleck“ gelten nach Definition des Bundes Gebiete mit einer Internet-Geschwindigkeit von weniger als 30 MBit/s. Die fallen etwa dort an, wo Kunden noch in der alten Kupfernetzarchitektur surfen. Im Kreis Recklinghausen musste gebäudescharf geschaut werden, welche Adressen ins Förderprogramm aufgenommen werden können. Daraus resultierten mitunter kuriose Abgrenzungen. Während das eine Haus einen Glasfaseranschluss bekam, ging der Nachbar in der gleichen Straße leer aus; zum Beispiel weil er das Pech hatte, näher am Verteilerkasten zu wohnen, wo noch etwas mehr als 30 MBit/s ankamen.

Bei den betroffenen Haushalten führte das teilweise zu Unmut und Unverständnis. Auch Sven Ahrens ist darüber nicht glücklich, zumal die Datenbasis seinen Angaben zufolge nicht immer qualitativ gut gewesen sei. Sie basierte auf Berechnungen der Telekommunikationsunternehmen. Spielräume, so der Breitbandbeauftragte, hätten die Förderrichtlinien aber nicht zugelassen.

Fünf Prozent haben den kostenlosen Anschluss abgelehnt

Auf der anderen Seite haben etwa fünf Prozent der anspruchsberechtigten Hauseigentümer, die kostenlos einen Anschluss hätten erhalten können, die Einladung abgelehnt. Es gibt also nach wie vor „weiße Flecken“ auf der vestischen Landkarte – auch weil einige abgelegene Häuser und landwirtschaftliche Höfe nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen an das Glasfasernetz hätten angeschlossen werden können, wie es zur Begründung heißt.

Aus der Sicht von Dr. Uta Willim, Fachdienstleiterin Wirtschaft in der Kreisverwaltung, ist das Förderprogramm dennoch ein großer Wurf für den Kreis Recklinghausen. Ohne die 68 Millionen Euro von Bund und Land hätten die Telekommunikationsunternehmen (TKUs) keinen Anreiz gehabt, den Breitbandausbau im Kreis RE in dieser Dimension voranzutreiben. Aufwand und Ertrag seien so kalkuliert, dass die TKUs nach sieben Jahren mit einer schwarzen Null aus dem Geschäft hervorgehen. Für die Unternehmen ist es nun entscheidend, ihren potenziellen Kunden zum kostenlosen schnellen Glasfaseranschluss auch noch hochwertige Internet-Produkte zu verkaufen.

Als nächstes werden die „grauen Flecken“ in Angriff genommen

Der Breitband-Ausbau im Kreis Recklinghausen soll weitergehen. Als nächstes werden die „grauen Flecken“ (weniger als 100 MBit/s) in Angriff genommen, berichtet Sven Ahrens. Ein vom Land NRW geförderter „Gigabit-Koordinator“, der im Kreishaus seine Arbeit aufgenommen hat, soll entsprechende Fördermöglichkeiten dieses neuen Programms ausloten und die Koordination für alle Kreisstädte übernehmen.

Dann dürften auch viele von den Haushalten in den Genuss eines Glasfaseranschlusses kommen, die beim ersten Förderprogramm noch leer ausgegangen sind.

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Redakteur Regionales
Geboren 1960 in Haltern am See, aufgewachsen in Marl und jetzt wohnhaft in Dorsten: Ein Mensch, der tief verwurzelt ist im Kreis Recklinghausen und dort auch seit mehreren Jahrzehnten seine journalistische Heimat gefunden hat. Schwerpunkte sind die Kommunal- und Regionalpolitik sowie Wirtschafts- und Verbraucherthemen.
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