Michael Sacher hat sein Bundestagsmandat verloren. © Marcus Land
Meinung

Sachers Mandatsverlust ist ein gutes Zeichen für die Demokratie

Michael Sacher (Bündnis 90/Die Grünen) ist zunächst über die Landesliste seiner Partei in den Bundestag eingezogen, hat sein Mandat nun aber verloren. Das ist richtig so, meint unser Autor.

Was Michael Sacher in den letzten Wochen erlebt hat, möchte man seinem ärgsten Feind nicht wünschen. Bei der Bundestagswahl schneiden seine Grünen schwächer ab als gedacht, dann schafft er es doch noch hauchdünn in den Bundestag. Nur drei Tage später beginnt seine persönliche Zitterpartie dann aber von vorne. Und das amtliche Endergebnis der Wahl bedeutet schließlich Sachers K.O. – er ist nicht Mitglied des 20. Bundestags.

Parteifreundin aus Bayern darf sich freuen

Das ist für Sacher bitter – der Traum von Berlin ist zunächst einmal ausgeträumt. 188 grüne Stimmen in Bayern sorgen dafür, dass Sacher Buchhändler bleibt und Politik in Unna macht. So enttäuscht Sacher mit jedem Recht ist: In Bayern freut sich eine Parteifreundin darüber, auf den letzten Drücker den Sprung nach Berlin geschafft zu haben.

Es ist richtig, dass Sacher nicht nach Berlin darf. Und es ist ein gutes Zeichen dafür, wie stark die Demokratie hierzulande ist. Es wird genau gezählt, genau hingeguckt. Zugegeben: Die Frage, wann welche Landesliste mit wie vielen Sitzen zieht – selbst Experten finden die Beantwortung mindestens kompliziert. Für Otto Normalwähler ist das Konstrukt kaum zu durchschauen.

Sicher sein darf man aber: Alle, die am 26. Oktober den neuen Bundestag konstituieren werden, sind zurecht dabei. Das Wahlrecht ist kompliziert, aber es wird genauestens umgesetzt – und im Fall Sacher hätte das Pendel auch genau in die andere Richtung ausschlagen können.

Eine Erkenntnis: Jede Stimme zählt

Wie viele grüne Stimmen in NRW Michael Sacher genau gefehlt haben, ist nur schwerlich zu beziffern. Fest steht: Es waren weniger als die 188, die Bündnis 90/Die Grünen mit der Verkündigung des amtlichen Endergebnisses im Vergleich zum vorläufigen Ergebnis in Bayern hinzugewonnen haben.

Allein diese Tatsache macht deutlich, dass es bei Wahlen tatsächlich auf jede einzelne Stimme ankommt. Wer nicht wählt, gibt ein Stück Bürgermacht ab. Dass diese Botschaft bei ihnen angekommen ist, können alle Wählerinnen und Wähler schon bald beweisen. Am 15. Mai 2022 wählt Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag. Auch dann wird es um jedes Kreuz gehen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Gebürtiger Mendener, inzwischen in Werne an der Lippe zuhause. Jahrgang 1975. Seit April 2010 im Zeitungsverlag Rubens. Liebt das Lokale und den Kontakt zu den Menschen. Privat Gladbach-Fan, Hühnerhalter und Vater einer Tochter.
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Dirk Becker

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