Sie hat keine Wahl: Gloria (Gina Rodriguez) geht zur Misswahl, weil ihre Entführer es so wollten. © Sony Pictures
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Bei Netflix: „Miss Bala“ in Hollywood durch den Wolf gedreht

Im Remake des mexikanischen Krimis „Miss Bala“ stößt eine Frau unfreiwillig zu einer Bande. In Hollywood-Ästhetik wirkt die Geschichte aber belanglos.

Hollywood kauft gern die Rechte, um von Filmen aus dem Ausland ein Remake aufzulegen. Dass Amerikas Version meist hinter das Original zurückfällt, hat sich herumgesprochen. Insofern taugt der Netflix-Thriller „Miss Bala“ (US-Remake eines mexikanischen Films von 2011) zum Paradebeispiel für eine bedauerliche Schönheits-OP: Ein Charakterkopf wird geliftet, um ein cinematografisches Dutzendgesicht zu formen.

In Hochglanz-Ästhetik belanglos

Die Vorlage war roh, verstörend, gespenstisch in ihrer Beschreibung einer korrupten, brutalisierten Gesellschaft. Während die Fassung von Catherine Hardwicke unter der Hochglanz-Ästhetik belanglos bleibt: eine Schablone im ausgelutschten Genre der Narco-Krimis um Drogen und Kartelle.

Wenn die entführte Gloria (Gina Rodriguez) aus einem Irrtum heraus vom Boss einer Bande zur Miss-Wahl angemeldet wird – und durch Bestechung der Juroren die Krone erringt –, ist das ein ziemlich schräger und origineller Einfall. Selbst daraus schlägt der Film kein Kapital, der Aberwitz versendet sich zwischen anderen Episoden, die kaum glaubwürdiger sind.

Geballer und Heimlichtuerei

Eigentlich wollte Gloria ihre Freundin Susu für die Misswahl schminken, dafür kam sie aus Los Angeles nach Tijuana. Es gibt einen Überfall im Nachtclub, Susu verschwindet. Wer in Mexiko der Polizei traut, macht einen Fehler, haben wir in Filmen wie „Sicario“ gelernt. Und schon ist Gloria in der Gewalt böser Buben.

Man zwingt sie, Drogen nach Amerika zu fahren, gleichzeitig spioniert sie für die Fahnder. Geballer und Heimlichtuerei heißen die Spannungs-Placebos, die man uns verabreicht, die Gimmicks eines Films, der hauptsächlich aus Modulen und Routine besteht.

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