Emma Stone ist hinreißend als Cruella, Paul Walter Hauser und Joel Fry (r.) spielen ihre Kumpane. © Disney
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„Cruella“: Zickenkrieg in der Modebranche ist ein großer Spaß

Disneys „Cruella“ erzählt die Vorgeschichte von „101 Dalmatiner“. Bunt und mit Pepp.

Die Modefürstin ist entsetzt. Ihre Rivalin präsentiert ein Kleid, gefleckt wie das Fell von Dalmatinern. Hat das Biest etwa Hunde entführt, getötet und verarbeitet? Immerhin nennt sie sich Cruella, abgeleitet von „cruel“, Englisch für grausam…

Disney recycelt jetzt seine alten Erfolgsstoffe, längst nicht alles ist so umwerfend verpackt und schmissig erzählt wie „Cruella“, Craig Gillespies Annäherung an „101 Dalmatiner“, den Realfilm von 1996, der seinerseits auf dem Trick-Klassiker von 1961 fußt.

Der neue Film (gegen Gebühr bei Disney+ zu sehen) erzählt die Vorgeschichte zu den „101 Dalmatinern“: Wie Estella (Emma Stone) als Cruella die Modebranche erobert und einen Zickenkrieg gegen die Designerin The Baroness (Emma Thompson) entfesselt. Zwei Riesen-Egos prallen aufeinander, jedes will das andere vernichten.

Schwarze Gauner-Revue

„Cruella“ entfernt sich von Disneys süßem Kinderkonfekt, geht in Richtung Gauner-Revue à la Guy Ritchie, streift sogar die dunklen Comic-Gefilde von Todd Phillips‘ „Joker“ und gefällt als schwarzhumorig funkelnde Komödie, die Laune macht.

Was unbedingt mit Emma Stone und Emma Thompson zu tun hat. Beide werfen sich mit Verve und erkennbarem Spaß in ihre Rolle. Thompson ist die hochnäsige, eitle, selbstverliebte Designer-Diva, gefürchtet von ihren Hofschranzen. Meryl Streep aus „Der Teufel trägt Prada“ lässt grüßen.

Mode wie von Westwood

Emma Stone gibt das arme Hascherl, das sich von der Putzfrau zur Assistentin der Baroness mausert. Sie kreiert eine Modelinie, deren Punk-Attribute auf Vivienne Westwood verweisen. Mode-Rebellin gegen Establishment, Cruella versus The Baroness. Der Film wird zur Extravaganza in Sachen Stil. Jenny Beavans prächtige Kostüme und ein exquisiter Soundtrack (Bowie, Stones, Deep Purple, E.L.O.) beschwören ein (spätes) Swinging London der 70er-Jahre.

Visueller Pepp trifft inszenatorisches Tempo, scharfzüngige Dialoge und hinreißendes Spiel, auch in Nebenrollen. Dort glänzen Mark Strong sowie Joel Fry und Paul Walter Hauser als Cruellas Kumpanen. Ein Film-Bonbon. Kaum Zucker, dafür sehr erfrischend.

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Kultur-Redaktion
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