Jairaj Varsani spielt den jungen David Copperfield im gleichnamigen Film. Die Adaption des Dickens-Klassiker punktet mit einem diversen und sympathischen Cast. © picture alliance/dpa
Film-Kritik

„David Copperfield“: Sympathisch-diverse Adaption eines Klassikers

„David Copperfield“ von Charles Dickens ist im Kino gestartet. Der Cast der Klassiker-Adaption zeigt dabei sympathisch, dass schauspielerisches Können vor historischer Korrektheit steht.

Am Ende wird alles gut für Oliver Twist und andere Helden der Romane von Charles Dickens. Doch erst müssen sie durchs Tal der Tränen. So lassen sich Dickens‘ Bücher immer auch als Sozialreportagen über das Leben des Lumpenproletariats lesen, wo von Armut, Waisenhäusern und Kinderarbeit die Rede ist. Vor diesem Hintergrund kommt die neue Verfilmung von „David Copperfield“ unverschämt gut gelaunt daher.

Armando Iannucci hat Regie geführt, am Drehbuch mitgeschrieben und der Geschichte eines Habenichts‘ den entscheidenden Dreh zur spritzigen Burleske verpasst. Ein Dialogsatz aus dem Munde des notorisch abgebrannten Mr. Micawber (Peter „Dr. Who“ Capaldi) klingt durchaus programmatisch für diese Dickens-Adaption: „Lass uns der Not doch einfach mit heiterer Haltung begegnen.“

Schrullig spleenige Typen in „David Copperfield“

Vom Start weg erzählt Iannucci den Klassiker mit so viel Schwung, dass er wie eine viktorianische Kostüm-Revue wirkt. Bevölkert von schrullig spleenigen Typen an der Grenze zur Karikatur. Die werden gespielt von gestandenen Darstellern wie Tilda Swinton, Hugh Laurie, Ben Wishaw und Dev Patel („Slumdog Millionaire“), der den älteren Copperfield gibt.

Patel hat erkennbar indische Gesichtszüge unter seinem Zylinder. In weiteren Rollen sehen wir Asiaten und Farbige, eine tiefschwarze Mutter hat einen Sohn, der zu 100 Prozent ein „Weißbrot“ ist. Einfach so, ohne dass es irgendein Gewese um das Paradoxon gäbe. Zwinkernd setzt der Film beim Casting auf „Diversität“ und ethnische Vielfalt, als wäre das selbstverständlich – was es eben nicht ist. Sehr sympathisch.

Ein Dickens-Held mit indischen Wurzeln

Als Heranwachsender wird David von Jairaj Varsani verkörpert, bevor Patel übernimmt. Ein Rabenaas von Stiefvater schlägt den kleinen Widerborst, schickt ihn nach London, wo er mit anderen Kindern in einer Flaschenfabrik schuftet. Hier wäre Gelegenheit, ins Elends-Melodram zu wechseln, der Film schlägt sie aus: Mr. Micawber lebt also auf der Straße? Nein, an der frischen Luft, wo jedes Mahl ein Picknick ist!

Alles eine Frage der Haltung. Im Grunde ist dieser David ein Stehaufmännchen, umringt von armen Schluckern, die nie den Mut verlieren. Das ist schönfärberisch, macht den Stoff aber auch zu einem großen Vergnügen.

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Kultur-Redaktion
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