„Die Schöne und das Biest“ (Max Ranft und Ann-Kathrin Hinz) sind die Helden des Dortmunder Weihnachtsstückes. © Birgit Hupfeld
Besonders Kinder betroffen

Dezember-Lockdown macht Theater zum Trauerspiel

Nun also auch fast der ganze Dezember ohne Theater und Konzerthaus. Alles muss verschoben werden. Die Folgen in Dortmund sind groß. Besonders besonders traurig ist das für Kinder.

„Ich habe schon Ende Oktober gesagt, dass die Maßnahmen der Politik nicht geeignet sind, um die Infektionszahlen deutlich herunterzufahren“, sagt Raphael von Hoensbroech, Intendant des Dortmunder Konzerthauses: „Und auch diesmal wird es nicht ausreichen. Wenn die Politik dieses Konzept so weiter fährt, werden wir bis zum späten Frühjahr keine Konzerte mehr haben.“

Das Konzerthaus Dortmund muss neun weitere eigene Konzerte, die bis zum 16. Dezember geplant waren, absagen – darunter auch einen „Messias“, das Abschiedskonzert vom Beethoven-Jahr und der Auftritt von Lahav Shani mit dem Rotterdam Philharmonic. Auch die Gastkonzerte wie die der Dortmunder Philharmoniker oder der Chorakademie fallen aus.

Konzerthaus: „Wenn wir öffnen dürfen, öffnen wir“

Einige wenige Konzerte können im Frühjahr nachgeholt werden. Den Spielplan für die neue Saison stellt das Konzerthaus Dortmund – wie alle Häuser – erst Anfang Juni vor. „Wir sagen aber jetzt noch nichts für den Januar ab. Wir stehen auf Abruf, wenn wir öffnen dürfen, öffnen wir“, sagt der Intendant, „und wir möchten sobald wie möglich wieder auf den Schachbrett-Sitzplan mit der Hälfte der Zuhörer zurückkehren“. In der kommenden Woche erwartet das Konzerthaus Dortmund die Ergebnisse der Studie des Fraunhofer-Instituts, das Aerosole des Publikums gemessen hat.

Im Theater Dortmund laufen noch Gespräche, ob Oper und Ballett nach dem 20. Dezember in diesem Jahr noch einmal öffnen – wenn, dann sollen das Benefizkonzert Heiligabend und eine Vorstellung des Weihnachtsmärchens stattfinden. Wenn nicht, wollen die Dortmunder Philharmoniker das Benefizkonzert streamen. „Wir halten das erst mal offen und können flexibel reagieren“, so Theatersprecher Alexander Kalouti.

Musik auf Rädern-Bus könnte wieder losfahren

Die Premiere des Barock-Pasticcios in der Oper wird verschoben, und das Theater Dortmund bietet einen großen Online-Spielplan mit Live-Konzerten und Ausschnitten aus Musiktheater- und Tanz-Produktionen an. Wenn es die Sicherheitsvorkehrungen erlauben, wollen Musiker im „Musik auf Rädern“-Bus des Theaters Weihnachtsmusik vor Senioren-Einrichtungen spielen.

Das Schauspiel: Wirklich hart getroffen hat es die neue Dortmunder Schauspielintendantin Julia Wissert, die gleichzeitig mit der Pandemie ihr Amt angetreten hatte. „Man sollte denken, das sei frustrierend“, sagt sie. „Aber ich kenne es nicht anders.“ Ihre Aufgabe sei derzeit das permanente Ändern. Gegen die Verlängerung hat sie nichts. „Es geht darum, was für uns alle aus gesundheitlicher Sicht das Beste ist.“ Trotzdem: Sie freut sich sehr „auf die erste gemeinsame Premierenfeier mit Kollegen, Publikum und einem Glas Sekt, auf der man sich auch mal in die Arme nehmen kann.“

Interaktives Online-Spiel geplant

Ganz praktisch wird das für nächste Woche eigentlich geplante Projekt „Neue Arbeit“ in ein interaktives Online-Spiel umgewandelt, das am 17. Dezember Premiere auf der Website feiern wird. Wisserts eigene Inszenierung „Der Platz“ muss in die nächste Spielzeit verschoben werden, weil es darin um Gespräche mit den Vätern der Beteiligten geht – und die sind oft älter, sollen nicht gefährdet werden. Stattdessen ist eine kleinere Produktion unter Corona-Bedingungen geplant.

Auch keine Lösung: „Der Zauberer von Oz“ am Theater Essen mit Gregor Henze, Benno Schulz und Joana Tscheinig liegt ebenfalls auf Eis. © Martin Kaufhold © Martin Kaufhold

Für das Weihnachtsstück „Die Schöne und das Biest“, dessen Generalprobe am Donnerstag am Kinder- und Jugendtheater (KJT) in Dortmund über die Bühne ging, gibt es noch Hoffnung. So hatten sich das Schulministerium und der Städtetag gewünscht, dass es Angebote für Schulen gibt. KJT-Direktor Andreas Gruhn: „Wir versuchen gerade, in der Stadt zu klären, wie das geschehen kann.“

Klassen würden getrennt sitzen

Aus jeweils einer teilnehmenden Schule würden die Klassen getrennt sitzen. Gruhn wirbt um Verständnis: „Die Kinder haben noch nicht einmal Sportunterricht.“ Falls alles nicht klappt, liefen bei der Generalprobe drei Kameras mit, sodass ein professioneller Film entstehen kann.

Zwar will Dortmund wie alle anderen Ruhrgebietstheater das Stück ins nächste Jahr mitnehmen. Unterm Strich bleibt aber die Erkenntnis, dass vor dem Fest keine privaten Besuche der Weihnachtsstücke möglich sein werden. Das gilt auch für das Schauspielhaus Bochum, das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel und das Theater Essen. Ein Trauerspiel für Kinder.

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