Haltung ist alles – auch für Hugo Silva als Enrique de Arcona und Fiorella Faltoyano als Doña Mercedes in „Die Köchin von Castamar“. © Netflix
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„Die Köchin von Castamar“: Schon 1720 ging Liebe durch den Magen

Neu bei Netflix: „Die Köchin von Castamar“ ist eine Soap im historischen Kostüm. Ein paar Zutaten weniger hätten der Serie aber gut getan. Pfeffer ist auf jeden Fall genug drin.

Herzog und Herzogin machen einen Ausritt, sie eröffnet ihm, dass sie ein Kind erwarte. „Gib acht auf Dich“, sagt er. Eine Filmminute später fällt die Dame vom Pferd und stirbt. So viel Tragik aber auch – wie im „Julia“-Groschenheft.

Vorlage für die spanische Netflix-Serie „Die Köchin von Castamar“ sind die Romane von Fernando J. Múnez: eine Lovestory, die 1720 bei Madrid spielt.

„Die Köchin von Castamar“ enthält eine Prise von verschiedensten Serien

Herzog Diego (Roberto Enriquez) frönt aus Trauer dem Suff, fasst aber wieder Lebensmut, als er sich in Clara (Michelle Jenner) verguckt. Eine Liebe gegen jede Konvention, denn Clara ist nur die Köchin auf Schloss Castamar, also nicht standesgemäß. Treibstoff der Erzählung ist die Kernfrage aller amourösen Schmöker: Werden die zwei sich kriegen?

In zwölf Episoden zeichnet die Serie ein Sittenbild des Rokoko, bevölkert von Grafen, Baronen, Mätressen, Intriganten. Es geht um Politik und Heiratspolitik. Ein naives Ding wird manipuliert, den Herzog zu bezirzen. „Angelique“ trifft „Gefährliche Liebschaften“, „Bridgerton“ und „Downton Abbey“, denn das Gesinde treibt auch geheime Spielchen. Clara aber leuchtet wie eine heilige Madonna.

Zum Ende hin ist die „Köchin von Castamar“ ein zäher Brocken

Wie der Herzog auf Clara aufmerksam wird? Na, über ihre Kochkunst. Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Im Loblied auf die Köchin vereinnahmt die Serie auch das kulinarische Flair von Filmen wie „Chocolat“. Clara wartet mit Merksprüchen auf: „Das Wesen eines Ragouts ist nicht zu verändern. Wie auch wir unser Wesen nicht ändern können.“ Damit genug der Küchenpsychologie.

Gepfeffert ist diese Kostüm-Soap mit pikanten Sexeinlagen, Intimitäten da und dort. Nach außen zeigen die feinen Herrschaften Sitte und Moral, man ist schließlich katholisch. Privat lassen sie den lieben Gott einen guten Mann sein.

Optisch ist das sicher schmackhaft angerichtet. Da uns das Drehbuch aber einen Gang nach dem anderen auftischt – noch ein Komplott, noch eine Verwicklung – ist der Stoff zum Ende hin ein zäher Brocken, der beim Verdauen müde macht. Ein paar Zutaten weniger hätten es auch getan.

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Kultur-Redaktion
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