Heute lachen sie über alte Zeiten: Christa Nickels (l., Die Grünen) und Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD). © Majestic
Kino

„Die Unbeugsamen“: Die streitbaren Frauen der Bonner Republik

Mit „Die Unbeugsamen“ geht Torsten Körner auf Zeitreise in die Politik. Ab dem 26. August ist die Doku im Kino zu sehen.

Man schaue auf Werbespots der 50er- und 60er-Jahre, dann weiß man alles über das damalige Bild von Weiblichkeit: „Frauen kennen zwei Themen“, heißt es da, „was ziehe ich an und was koche ich heute?“ Man sieht Frauen, die dem Mann das Lunchpaket reichen und das Heim hüten, während der Göttergatte zur Arbeit fährt. Frauen, die arbeiten? Selten damals. Frauen im Bundestag? Noch seltener.

Die unbeugsamen Frauen im „Männergesangverein“ Bundestag

Torsten Körner hat sie aufgespürt, die Frauen der Bonner Republik. In seiner Doku „Die Unbeugsamen“ porträtiert er Politikerinnen, die sich im „Männergesangverein“ Bundestag behaupten mussten. Sie erzählen von einem Klima des kaum bemäntelten Chauvinismus, von Geringschätzung, Herabsetzung, Diffamierung, auch von fraulicher Solidarität über Parteigrenzen hinweg.

Zu Wort kommen Ursula Männle (CSU), Christa Nickels (Grüne), Ingrid Matthäus-Maier (FDP, später SPD), Herta Däubler-Gmelin (SPD) oder Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth. Dazu eine Vorkämpferin wie Marie-Elisabeth Lüders (FDP), die schon 1958 sagte: „Wenn die Leute zu kämpfen aufhören, werden sie das, was sie haben, wieder verlieren!“ Wohl wahr.

Nur 31 Prozent der aktuellen Abgeordneten sind Frauen

Manches hat sich bewegt im Lauf der Jahre, streitbare Frauen und Politikerinnen braucht es immer noch. Derzeit sind nur 31 Prozent unserer Abgeordneten weiblich – Torsten Körner stellt diese Zahl ans Ende seines Films. Es wirkt wie eine Handlungsaufforderung.

Mit der Kamera war Körner im alten Bonner Regierungsviertel unterwegs. Die Bauten liegen im Dornröschenschlaf, die ganze Kulisse hat etwas Museales. Vorbei die Zeiten, als Schwergewichte wie Kiesinger, Erhard, Strauß am Rhein die Macht verkörperten.

„Die Unbeugsamen“ zeigt unglaubliches Verhalten gegenüber Frauen

In Interviews mit den Damen wird Bonns Vergangenheit lebendig, samt ihrem Muff und ihrer Piefigkeit. „Macht gilt als unweiblich“, sagt Renate Schmidt (SPD), Frauen in der Politik waren für viele Herren nur Dekoration. Helga Schuchardt (FDP) berichtet, wie ein Mann von der CSU wie beiläufig über ihren Rücken strich und feixenden Kollegen signalisierte: Wette gewonnen! Sie trägt doch einen BH! Unglaublich.

Petra Kelly (Die Grünen) 1983 bei einer Rede im Bundestag.
Petra Kelly (Die Grünen) 1983 bei einer Rede im Bundestag. © Majestic © Majestic

Der Film erinnert an Petra Kelly, an den Nato-Doppelbeschluss, an geführte Debatten und gewonnene Schlachten. Die Damen sind sich einig: Von einem Sieg kann keine Rede sein. Ein wichtiger, kluger Film, der auch noch unterhaltsam ist.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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