Helene (Julia Jentsch) und Jakob (Manuel Rubey) haben vier Russen aufgenommen. © dpa
Kino

Dramödie „Waren einmal Revoluzzer“: Raus aus der Komfort-Zone?

Johanna Moders „Waren einmal Revoluzzer“ erzählt leichtfüßig, tiefschürfend und amüsant von Wienern um die 40, die russische Exilanten aufnehmen. Eine Kino-Perle.

Freunden helfen, die von Putin verfolgt werden? Aber sicher, Helene schickt Geld. Volker gibt es in Moskau an Pavel. Er tut noch mehr. Volker fädelt ein Visum ein, schmiert wohl Beamte, damit Pavel ausreisen kann. Also steht Helene in Wien am Bahnhof, um Pavel zu empfangen, den tapferen Aktivisten, der das System Putin bekämpft. Ehrensache, ihr Herz schlägt links und für die Unterdrückten!

Gealtert, aber trotzdem den linksbewegten Idealen von früher verbunden

Auch Helene (Julia Jentsch) und Volker (Marcel Mohab) „Waren einmal Revoluzzer“, wie der Film von Johanna Moder heißt. Mit ihrer „Dramödie“ fühlt die Regisseurin der Generation der 40-Jährigen den Puls, nicht mehr jung, aber den linksbewegten Idealen von früher verbunden. Solidarität mit allen, die für die Freiheit streiten, bedeutet ihnen mehr als eine Phrase. Oder etwa nicht?

Helene ist baff, als nicht nur Pavel (Tambet Tuisk) aus dem Zug steigt, sondern auch seine Frau samt Kind. Von drei Russen war nie die Rede. Erst kommen die drei bei Helene unter, dann gibt es Knatsch. Helene bringt sie zu Volker, der verfrachtet sie in Helenes Haus aufs Land. Wo sich wiederum Helenes Mann (Manuel Rubey) gestört fühlt.

Treibstoff des Films ist psychologischer Feinschliff mit komödiantische Zügen

Die Revoluzzer von einst haben keine Lust, die Komfortzone ihres Lebens für Störenfriede aus Russland aufzugeben. Johanna Moders Drehbuch zeigt ein feines Gespür für Nickligkeiten, Verletzungen, atmosphärische Trübungen, der Ton wird immer gereizter.

Psychologischer Feinschliff ist der Treibstoff eines Films, der ab der Mitte komödiantische Züge trägt. Es gibt weder Witze, noch Sitcom-Marotten. Amüsant ist es trotzdem, wie hinter Gutmenschen, die die Fahne des Humanismus schwenken, die Egoisten durchscheinen. Der Osten kämpft für Demokratie, der Westen für Ruhe im trauten Heim.

Das hat Tiefe, ist aber leichtfüßig und dicht an den Figuren erzählt. Aenne Schwarz spielt Volkers Freundin, überzeugend wie das ganze Ensemble. Eine Film-Perle, cleveres und gewitztes Menschenkino.

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Kultur-Redaktion
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