Na, dann Prost: Lehrer Martin (Mads Mikkelsen) nimmt einen Schluck auf der Abiturfeier seiner Schüler. © dpa
Kino

In „Der Rausch“ unterrichten Lehrer betrunken – wegen einer ungewöhnlichen These

Thomas Vinterbergs „Der Rausch“ beobachtet vier Lehrer, die testen, ob Alkohol ihre Leistung steigert. Der wunderbare Mads Mikkelsen trinkt auch mit. Ab dem 22. Juli läuft das Saufgelage im Kino.

Als Alkohol-Vernichter haben die Skandinavier ja einen Ruf. „Der Rausch“ heißt der neue Film des Dänen Thomas Vinterberg („Das Fest“). Zu Beginn demonstrieren Abiturienten, was sie unter Trinkspaß verstehen: Eine Kiste Bier trinken und dabei um den See laufen.

„Der Rausch“ entsteht aus einer Schnapslaune heraus

Man sollte annehmen, die Lehrer der jungen Leute seien gegen die Trinkerei gefeit. Es sind gestandene Männer um die 40, von denen der Film erzählt. In einem leicht wunderlichen Versuchsaufbau verordnet Vinterberg vier befreundeten Paukern ein Trink-Experiment. Sie wollen einer These auf den Grund gehen, nach der der Mensch erst bei 0,5 Promille sein wahres Potenzial entfalte.

Klingt nach bescheuerter Schnapsidee, aber die Herren lassen sich nicht beirren.

Geschichtslehrer Martin (Mads Mikkelsen) treibt die Studie voran. Auf der Schultoilette nimmt er einen kräftigen Schluck aus dem Flachmann und geht in den Unterricht. Die Zunge ist etwas schwer, doch er fühlt sich gut, und der Stoff geht ihm leicht von der Hand.

In „Der Rausch“ ist der Sportlehrer mit Alkohol ein besserer Fußballtrainer

Sehr ermunternd, meinen Martins Kollegen. Die treten nun auch vor die Klasse und haben einen sitzen. Geht doch! Beschwipst ist der Sportlehrer ein noch besserer Fußballtrainer, der Musikus wirkt weniger verklemmt. Und Martin läuft zu Hochform auf, wenn er witzig über den Säufer Churchill und den Anti-Alkoholiker Hitler referiert.

Tommy (Thomas Bo Larsen) geht dank Alkohol als Fußballtrainer auf.
Tommy (Thomas Bo Larsen) geht dank Alkohol als Fußballtrainer auf. © dpa © dpa

Auch privat frönt das Quartett nun König Alkohol, stramm wie die Haubitzen torkeln sie durch den Supermarkt. Bis hier lässt sich „Der Rausch“ als schräge Komödien um Herren mittleren Alters beschreiben, die ein wenig Prickeln in ihr ödes Dasein bringen wollen. Wo ist er hin, der Spaß der frühen Jahre?

Nach dem Rausch folgt der große Kater

Am Anfang scheint es zu funktionieren mit dem Promille-Pegel als Verjüngungskur. Wir sind keine Alkoholiker, wir trinken uns nur fit! Martin überrascht seine Frau mit sexuellem Appetit. Wenn die Pauker Party machen, glaubt man, eine Clique fröhlicher Lausbuben zu beobachten. Der große Kater wirft aber schon seinen Schatten, der Rausch fordert seinen Tribut.

Das Experiment entwickelt sich zur tickenden Zeitbombe, die Vier protokollieren „negative soziale Konsequenzen“. Nicht alle überstehen den Selbstversuch unbeschadet. Aus Komödie wird Tragikomödie, im Kern legt Vinterberg (52) hier ein Werk zur männlichen Midlife Crisis vor.

Mads Mikkelsen sticht heraus, kein Film mit ihm ist schlecht. Im Alleingang sorgt er für den optimistischen Schlussakkord, in dem Vinterberg das Leben feiert, allem Kummer zum Trotz: Martin legt ein rauschhaftes Tänzchen hin, dass uns das Herz aufgeht. Wunderbar.

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Kultur-Redaktion
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