In Essen ausgestellt ist die Leihgabe von Cornelia Weßkamp: Barbie-Camper mit Puppen und Zubehör. © Ruhr Museum
Ausstellung

„Kindheit im Ruhrgebiet“: Weihnachtslieblinge stehen im Ruhr Museum

Jeder hat ein Weihnachtspräsent, das er besonders liebt. Cornelia Weßkamp und Stephan Mohr stifteten ihre Schätze für die Schau „Kindheit im Ruhrgebiet“ im Essener Ruhr Museum.

Wenn Familien über Weihnachten zusammen sind, blättert man gern in Fotoalben, wo Geschenke von damals auftauchen, die auf dem Speicher lagern, dazu Schnappschüsse ihrer stolzen Besitzer.

Nicht anders bei Cornelia Weßkamp (54) aus Essen und Stephan Mohr (50) aus Hamm, deren Weihnachts-Schätze aus Kindertagen eine späte Karriere machten und heute im Ruhr Museum in Essen ausgestellt sind.

Geschenk der Schwester

Die Carrera-Bahn von 1970 und der Barbie-Camper von 1976 wurden Teil der Ausstellung „Kindheit im Ruhrgebiet“ und können (wenn das Museum wieder öffnet) in Vitrinen bestaunt werden. Jedes Exponat erzählt eine Geschichte, die der Leihgaben von Mohr und Weßkamp haben mit Weihnachten zu tun.

„Der Barbie-Camper war 1976 das Wunschgeschenk meiner jüngeren Schwester Anne“, erzählt Cornelia Weßkamp, damals zehn Jahre, die den Minibus mit ihrer Schwester gemeinsam bespielte: „Wir hatten viele Barbies und nahmen sie mit nach draußen, wo wir Episoden aus dem Alltag nachstellten. Ich bekam zu Weihnachten ein Pferd von Steiff, darauf konnte Barbie reiten. Aus Taschentüchern bastelten wir Kleider, wir waren richtig kreativ.“

Bescherung 1976 in Cornelia Weßkamps Familie
Bescherung 1976 in Cornelia Weßkamps Familie © Privat © Privat

Manchmal zu kreativ, wie ein Schmink-Unfall beweist: „Anne hat einer Barbie rote Lippen gemalt. Als wir sie mit Nagellackentferner abschminken wollten, war das Gesicht ruiniert“, erinnert sich Cornelia Weßkamp. „Von da ab war die Puppe eben die alte Omma, weggeschmissen wurde nichts bei uns.“

Cornelia Weßkamp heute.
Cornelia Weßkamp heute. © Privat © Privat

Vater und Onkel fuhren um die Wette

Impro-Theater lässt sich mit der Carrera-Bahn nicht spielen, aber man kann schön auf die Tube drücken. Als Stephan Mohrs Rennautos 1972 unterm Christbaum lagen, war er gerade mal zwei Jahre alt und zu jung für den Rennzirkus.

Stephan Mohr (r.) mit Mutter und Schwester in den 1970er-Jahren.
Stephan Mohr (r.) mit Mutter und Schwester in den 1970er-Jahren. © Privat © Privat

„Na klar“, sagt er, „da hat sich mein Patenonkel Klaus eher selbst beschenkt. Männer schenken ja oft Dinge, die sie als Kind gerne gehabt hätten.“ So sah Klein-Stephan mit großen Augen zu, wie Vater und Onkel um die Wette fuhren.

Auch Stephan Mohr stiftete sein Weihnachtsgeschenk: Eine Carrera-Bahn von 1972 im Top-Zustand.
Auch Stephan Mohr stiftete sein Weihnachtsgeschenk: Eine Carrera-Bahn von 1972 im Top-Zustand. © Ruhr Museum © Ruhr Museum

Später schlug seine Stunde als Fahrer: Immer zum Fest war die Strecke betriebsbereit, meist im Partykeller der Eltern.

Und es wurde nachgerüstet. „Später bekam ich den Looping und die Tribüne“, weiß Stephan Mohr, der die Bahn zehn Jahre befuhr und pfleglich behandelte, was man 40 Jahre später noch sieht: „Meine Mutter hat uns ermahnt, auf Spielzeug gut aufzupassen, daher der Top-Zustand.“

Stephan Mohr heute.
Stephan Mohr heute. © Privat © Privat

Trends heute kurzlebig

Spielzeug, das zehn Jahre in Gebrauch ist? Heute ein Unding. Cornelia Weßkamp (mit 14, 15 noch Barbie-Fan) und Stephan Mohr wissen das von ihren Kindern. „Jetzt sind die Trends kurzlebig, Spielzeug wird schnell ausrangiert“, sagt die Dame aus Essen: „Meine Tochter hat meine Barbies aber noch übernommen, das hat mich gefreut.“

„Wir haben ewig mit dem Kaufmannsladen gespielt, heute sind Weihnachtsgeschenke ein knappes Jahr angesagt, wenn sie nicht elektronisch sind“, meint Stephan Mohr.

Ein Grund mehr für ihn, die Carrera-Bahn ins Museum zu geben: „Spielzeug ist Zeitgeschichte. Und die wird im Ruhr Museum auf schöne Weise lebendig.“

Ausstellung im Ruhr Museum„Kindheit im Ruhrgebiet“

Die Schau im Ruhr Museum auf dem Zollverein-Gelände in Essen ist aktuell geschlossen, soll aber noch bis 25. Mai 2021 zu sehen sein.

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