Harald Martenstein geht in „Wut“ der Frage nach, ob sich die Wunden einer gewalttätigen Kindheit heilen lassen. © picture alliance / dpa
Buchtipp

Leseempfehlungen: Frankfurt-Krimi, eine gewalttätige Kindheit und eine Midlife-Krise

Harald Martenstein bearbeitet ein Kindheitstrauma im Roman „Wut“, André Hillers Held hat eine Midlife-Krise und Harald Lüders siedelt seinen Krimi in Frankfurt an. Drei Kurzkritiken.

Lassen sich die Wunden einer gewalttätigen Kindheit heilen? Dieser Frage geht Harald Martenstein in seinem lesenswerten Roman „Wut“ nach.

Ich-Erzähler Frank ist als Kind seiner Mutter Maria ausgeliefert, sie schlägt ihr unerwünschtes Kind, denn es steht ihren Träumen von einem guten Leben im Weg. Sie selbst hatte es auch nicht leicht – eine Waise, die nach dem Krieg bei Verwandten im Bordell aufwuchs.


Die Wut der Mutter überträgt sich auf den Sohn, der erst als Erwachsener versucht, ihr zu verzeihen. Es ist eine Familiengeschichte, ein Mehrgenerationen-Roman, der zwischen Tragik und Komik schwankt.

„Zeit“-Kolumnist Martenstein macht den Leser mit zahlreichen skurrilen Figuren aus dem Leben der beiden Wütenden bekannt. Nach und nach bekommen die Erinnerungen von Frank Brüche: War es wirklich so? Doch so leicht lässt sich die Vergangenheit nicht abschütteln.

In Hilles Debüt „Das Rauschen der Nacht“ muss sich Jonas entscheiden

In André Hilles lesenswertem Debüt „Das Rauschen der Nacht“ hat der 40-jährige Jonas eine Midlife-Krise. Gemeinsam mit seiner Frau Birte und den beiden jungen Kindern zieht er aufs Land. Doch der Putz des Neubaus weist Risse auf – wie auch das Leben von Jonas.

Für sein Start-up-Unternehmen braucht er einen Investor, auch mit seiner Frau läuft es nicht mehr optimal. Dann stirbt auch noch sein Vater und Jonas nimmt – ohne das Wissen seiner Frau – einen Kredit auf, um sein Unternehmen zu retten.


Er bricht aus den Zwängen aus, beginnt eine Affäre mit seiner Grafikerin in Berlin. Jonas muss sich zwischen Weiter-so und Neuanfang entscheiden.

Der Leser erhält einen guten Einblick in Jonas Gedankenwelt, denn der Protagonist ist auch der Ich-Erzähler dieses Romans.

Wie er sich letztendlich entscheidet, soll nicht verraten werden. Nur so viel: Für Jonas geht es gut aus.

Lüders lässt im Frankfurt-Krimi wieder den Journalisten Berger ermitteln

Zum dritten Mal lässt Harald Lüders den Journalisten Mitch Berger einen brisanten Fall recherchieren. Gemeinsam mit einem Kollegen soll er einen Beitrag über die Entwicklungen im Frankfurter Bahnhofsviertel schreiben.

Lange Zeit als Kriminalitätsschwerpunkt verschrien ist die Gegend plötzlich in das Visier von Immobilienspekulanten geraten. Berger gerät in gefährliche Situationen, da viele Interessen im Zusammenhang mit dem Viertel verfolgt werden.


Wenn Gegner der Gentrifizierung, Ausländerfeinde, Islamisten, Geheimagenten, Auftragskiller und andere zwielichtige Gestalten aufeinandertreffen, sind Mord und Totschlag nicht fern. Berger kann sich nie darauf verlassen, dass die Menschen, die er trifft, auch tatsächlich das vertreten, was sie vorgeben.

Mit seinem Schwerpunkt auf soziale Probleme ist „Lass Gott aus dem Spiel“ bisweilen recht nahe an der Reportage, die Berger schreiben soll.

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