Suhail Dabbach (l.) spielt den Hauptmann, Bilal Adam Bessa einen kurdischen Kämpfer des Swat-Teams. © Netflix
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Netflix-Film „Mosul“ zeigt den Kampf gegen den IS aus irakischer Warte

Eine irakische Spezialeinheit macht in „Mosul“ Jagd auf fanatische IS-Kämpfer. Netflix präsentiert einen atmosphärisch starken Film mit Endzeit-Flair.

Geht es um den Irak, dominiert die filmische Perspektive der Amerikaner, weil sie eben die größte Militär- wie auch Kinomacht stellen. Mit seinen Filmen wahrt Amerika die Deutungshoheit über das Geschehen. Den Arabern fallen Nebenrollen zu, während die US-Boys die Kastanien aus dem Feuer holen.

Internationalisierung der Filmlandschaft

Nicht so in „Mosul“, einem Kriegsfilm, der bei Netflix läuft: Der ist zwar amerikanisch produziert, von Matthew Michael Carnahan geschrieben und inszeniert, zeigt aber keine Amerikaner vor der Kamera. Die Supermacht kommt in diesem Streifen über den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ nicht vor, das ist bemerkenswert.

Auch wenn Hollywoods Geld und Know-how in ihm stecken – „Mosul“ löst wenigstens ansatzweise das Versprechen auf eine Internationalisierung der Filmlandschaft ein, das bei Netflix immer mal im Raum stand.

Die Kamera auf den Fersen

Filmsprachlich bewegt sich das Projekt auf Augenhöhe mit wesentlich teureren Actionstreifen, wenn die Kamera (des Italieners Mauro Fiore) sich an die Fersen einer irakischen Spezialtruppe heftet, die in den Trümmern von Mossul Jagd auf Fanatiker vom IS macht.

Sie besteht aus Ex-Polizisten, die enge Verwandte verloren und sich an den Kalifatskriegern rächen wollen. Das „Ninive Swat Team“ gab es wirklich, das Drehbuch basiert auf einer Reportage im „New Yorker“.

Pardon wird nicht gegeben – auf beiden Seiten. Unter Führung eines Hauptmanns (Suhail Dabbach) räuchern die Männer letzte Widerstandsnester aus.

Schutt und Endzeit-Flair

Atmosphärisch ist das stark, Ruinen, Schutt, geborstene Wände sorgen für Endzeit-Flair. Die Musik unterlegt ein Raunen und Lauern, die Handkamera geht auf Tuchfühlung mit den Kämpfern, die Szenen wirken dokumentarisch harsch in ihrer ungefilterten Brutalität.

Die Zerrissenheit der Anti-IS-Koalition spiegelt sich im Hickhack zwischen Arabern und Kurden, Schiiten und Sunniten.

Solche Dialoge markieren auch ein Stück irakischer Selbstermächtigung: „Hör mir bloß auf mit den Amis. Die müssen hier nichts wiederaufbauen!“ Das hat man so deutlich noch nicht gehört.

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