Ausgräber Basil Brown (Ralph Fiennes) wurde fündig, Miss Pretty (Carey Mulligan, oben) ist erfreut. © Horricks/Netflix
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Neu auf Netflix: „Die Ausgrabung“ – Archäologen und verschüttete Liebe

Der Film „Die Ausgrabung“, der nun bei Netflix läuft, ist ein Melodram, leider ohne dramatisches Feuer - daran kann auch der Oscar-Nominierte Ralph Fiennes nichts ändern.

1939 gelang dem Archäologen Basil Brown im englischen Sutton Hoo ein Sensationsfund. In einem künstlichen Hügel stieß er auf ein angelsächsisches Schiff, das sich als Grab eines Fürsten samt Beigaben entpuppte. Der Netflix-Film „Die Ausgrabung“ spürt einer Geschichte nach, die bald vom nahenden Krieg überschattet wurde: Ein Melodram im historischen Kostüm.

Es erzählt von den Beteiligten des Fundes, von Basil Brown (Ralph Fiennes) und von Edith Pretty (Carey Mulligan), der Witwe, auf deren Land das Schiff vergraben war. Es ist eine Geschichte um unglückliche Frauen und verschüttete Gefühle, in Sujet und Ausstattung den Sittenbildern eines James Ivory ähnlich („Was vom Tage übrig blieb“).

Gefühle auf Sparflamme

Allerdings köcheln alle Emotionen so sehr auf Sparflamme, dass der Film, Regie führte Simon Stone, kaum dramatisches Potenzial zeigt und mehr oder minder spannungsarm vor sich hinplätschert. Ralph Fiennes – als linkisch knarziger Eigenbrötler – und Carey Mulligan – als einsame Melancholikerin – spielen wacker, aber vergeblich gegen die latente Gefühlslähmung an.

Da liegt etwas in der Luft zwischen Brown und Pretty. Zu mehr als einer Einladung zum Essen kommt es aber nicht, bevor sich die Andeutung einer Beziehung ins Ätherische verflüchtigt.

Akademiker rücken an

Die Arbeit am Grab geht weiter, Akademiker vom Britischen Museum rücken an und lassen den Autodidakten Brown ihre Geringschätzung spüren. Auch dieser Konflikt schlägt keine Wellen, die uns mitreißen würden. Moira Buffinis Drehbuch wollte wohl gegensteuern und etabliert noch eine Forscherin (Lily James), die in einer freudlosen Ehe steckt und sich in Prettys Neffen verguckt – eine Stützkonstruktion.

Heimliche Küsse zu Streichern und Tröpfel-Piano, Landschaftsbilder, Reflexionen über Tod und Kosmos helfen auch nicht gegen die allgemeine Leblosigkeit.

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Kultur-Redaktion
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