Leslie Odom Jr. spielt in „One Night in Miami“ den Sänger Sam Cooke. © Amazon Prime
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Neu bei Amazon Prime: Gipfeltreffen afroamerikanischer Titanen in „One Night in Miami“

Malcolm X, Cassius Clay alias Muhammad und Sam Cooke alle in einem Film? Ja, das geht. Das Drama „One Night in Miami“ debattiert den Kampf um die Bürgerrechte.

Jeder von ihnen ist ein Titan in seinem Feld. Cassius Clay hat eben Weltmeister Sonny Liston vom Thron gestürzt. Sam Cooke ist ein erfolgreicher Entertainer. Malcolm X gehört zur Nation of Islam und profiliert sich als radikaler Verfechter von Gleichheit und Bürgerrechten. Jim Brown ist ein Spielerstar im American Football.

1964, nach Clays Titelkampf, treffen sich diese Freunde in Miami, das ist die Prämisse des Films „One Night in Miami“ (neu bei Amazon Prime). Dass die Vier befreundet waren, ist verbürgt. Ob sie in besagter Nacht zusammen waren, und worüber sie sprachen, weiß man nicht. Insofern ist es fiktiv, was Regisseurin Regina King vom Gipfeltreffen der amerikanischen Legenden erzählt.

Redefilm zum Rassismus

Basis des Films ist ein Theaterstück von Kemp Powers, und dessen Agenda ist klar: Das Quartett debattiert über Rassismus, Gleichberechtigung und welchen Beitrag jeder von ihnen leiste im Kampf der Afroamerikaner. Bis auf einige Rückblenden (Clay im Ring, Cooke auf der Bühne) ist „One Night in Miami“ ein Redefilm, meist auch ein Kammerspiel, noch sehr der Bühne verhaftet.

Das dramatische Feuer ist mehr ein Glimmen, von äußerer Handlung ist nicht viel zu sehen. Was zur Sprache kommt, ist aber hochinteressant, weil es bis heute Bewusstsein und Lebenswirklichkeit der farbigen Community prägt. Was bewegen Popstars, was Sportler und Athleten? Sind sie mehr als Hofnarren im weißen Showbiz? Was bringt die forsche Konfrontation, wie sie Malcolm X predigt?

Gewitztes Großmaul

Malcolm (Kingsley Ben-Adir) und Cooke (Leslie Odom Jr.) kriegen sich in die Wolle, Cassius (Eli Goree) und Brown (Aldis Hodge) wollen beschwichtigen. Ein Wortduell zwischen Selbstbefragung und Standortbestimmung. Mitunter hört man die Pädagogik heraus, dann hat der Film etwas von einer Lektion für junge Leute: Seht her, damals standen unsere Helden vor den gleichen Problemen wie wir!

Dass die Lehrstunde nicht zu trocken ausfällt, ist das Verdienst aufgeweckter Darsteller. Goree gefällt als gewitztes Großmaul, Ben-Adir bringt Tiefe ein, Odom Jr. überzeugt auch als Sänger.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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