Shawn Ashmore spielt den Witwer Jeff Anderson, der glaubt, dass seine Frau ermordet wurde. © Amazon Prime
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Neu bei Amazon: Seine Frau ist tot und ein zorniger Cop sieht Rot in „Anderson Falls“

Der Film „Anderson Falls“ ist nicht mehr als eine Rachethriller-Schablone mithilfe von Küchenpsychologie. Dabei verbeißt sich ein alleinerziehender Polizist in Suizidfälle.

Das nächtliche Los Angeles aus der Vogelperspektive. Die Kamera tastet sich an ein Haus heran. Die Musik produziert ein dämonisches Brüten, das uns darauf einstimmen soll, dass die Stadt der Engel manchmal den Teufeln gehört.

Zwei Männer überfallen eine Frau und zwingen sie, Schlaftabletten zu schlucken. Sie legen die Bewusstlose in die Wanne, öffnen die Pulsader und verschwinden ohne jede Spur.

Mit der ausgestellten Kaltblütigkeit der Täter bereitet der amerikanische Thriller „Anderson Falls“ (neu im Stream bei Amazon Prime) den Boden für eine wenig zimperliche Abrechnung. Der Mann der Toten ist der Polizist Jeff Anderson (Shawn Ashmore), er weiß und fühlt, dass hier kein Selbstmord vorliegt.

Keiner glaubt an Mord

Mangels Beweisen bleibt Anderson allein mit seiner Mordtheorie. Und alleine mit seinem Sohn, der geträumt zu haben glaubt, dass ein Bösewicht im Haus war. Zornig, traumatisiert und hilflos gibt Anderson den Filius zu dessen Oma, während er sich beruflich in andere Suizidfälle verbeißt. Wir wissen, dass er Recht hat, seine Kollegen halten ihn für überspannt.

Der Rächer-Plot ist ein alter Hut. Um dem Sujet Frische einzuhauchen, braucht es schon ein ausgefuchstes Drehbuch, doch damit kann der Streifen von Julien Seri (Regie) und Giles Daoust (Buch) nicht aufwarten.

Musik malt Schwärze

Visuell zeigt er trotz Farbe in Richtung gefühltes Neo-Noir, die Musik (immer etwas „over the top“) malt expressive Schwärze. Unter angehübschter Oberfläche steckt eine formelhaft abgespulte Handlung, die mal überdeutlich, mal diffus zur Küchenpsychologie greift.

Das Motiv der Mörder – irgendwas mit Frauenhass – leuchtet wenig ein. Purer Zufall spielt Anderson in die Hand. Ein Täter (wie teilnahmslos: Gary Cole) spaziert mal eben aus dem Polizeirevier: glatter Humbug, der Spannung schinden soll. Ein Krimi nach Schablone.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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