Kathrin Mädler wird 2022 Intendantin in Oberhausen. Sie ist dort nach Barbara Masson, die 1990/91 Interimsintendantin war, die zweite Frau an der Spitze des Theaters. © picture alliance / dpa
Ab Sommer 2022

Neue Oberhausen-Intendantin: „Glaube an das Theater als politischer Akteur“

Kathrin Mädler, neue Intendantin des Theaters Oberhausen ab Sommer 2022, sucht die emotionale Auseinandersetzung mit politischen Themen - aber auch von Klassikern ist sie ein großer Fan.

Zwischen den Zeiten – so lautet das Spielzeitmotto des Landestheaters Schwaben im bayerischen Memmingen, das Kathrin Mädler als Intendantin leitet. Sie hat dort die fertig geplante Saison komplett um ein Jahr verschoben und stattdessen ein Corona-konformes Programm mit klein besetzten Stücken eingefügt.

Das Motto könnte sich jetzt aber auch auf die persönliche Situation der 44-jährigen Theaterwissenschaftlerin beziehen, nachdem sie zur Chefin des Theaters Oberhausen ab Sommer 2022 berufen worden ist. Beim Telefon-Interview stellt sie sich vor.

Warum haben Sie sich in Oberhausen beworben?

Oberhausen ist ein total reizvolles Schauspielhaus. Ich finde, es hat eine wunderbare Größe. Ich glaube, dass man künstlerisch einen tollen Gestaltungsspielraum dort haben wird. Es ist auch eine hochinteressante Region, wo dieses Thema Transformation, was uns alle in den nächsten Jahren existenziell beschäftigen wird, schon mal anders durchlebt wird und auch anders im Schwange ist. Ich finde interessant, da als Theatermacher in eine Auseinandersetzung zu gehen.

Haben Sie Ideen, Visionen, Pläne für Oberhausen, die Sie schon verraten können?

Ich fände es zu früh, jetzt schon sehr konkret zu werden. Aber ich kann schon mal sagen: Woran ich immer glaube, ist ein Theater, das eine politische Haltung hat und sich als politischer Akteur begreift. Einerseits, indem es sich wirklich in die zivile Gesellschaft in der jeweiligen Stadt hineinbegibt und Verbindungen und Diskurse schafft, auch im Austausch mit anderen Institutionen der Zivilgesellschaft. Der andere Aspekt ist, im Spielplan politische Schwerpunkte zu setzen und sich zu fragen, was sind die Themen, die uns gerade umtreiben.


Andererseits bin ich jemand, der total davon überzeugt ist, dass das Theater große, tolle, fantastische und emotionale Geschichten erzählen muss. So sind auch meine Inszenierungen. Ich habe keine Angst vor Pathos im Theater und vor großen Bildern und Sentimentalität, weil ich finde, dass Theater immer auch träumen und berühren soll.

Was erwartet das Publikum? Was ist Ihnen wichtig im Theater?

Ich habe sicher einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Autoren und Autorinnen, um den Gegenwartsschluss in Ur- und Erstaufführungen zu suchen. Mich interessiert das Junge Theater, das finde ich zentral wichtig. Darauf würde ich sicher auch – das macht Florian Fiedler (der aktuelle Oberhausener Intendant, Anm. d. Red.) jetzt auch schon – nochmal einen Schwerpunkt setzen.

Das Theater gehört den Menschen in der Stadt. Man ist dafür da, eine künstlerisch herausfordernde Arbeit zu machen, aber auch das Haus als Ort der Stadt zur Verfügung zu stellen. Diese Einladung würde ich auf jeden Fall in großer Deutlichkeit aussprechen und überlegen: Gibt es vielleicht eine Sparte, die sich nur der Vermittlung, der Vernetzung, den Bürgerbühnenprojekten widmet?

Auch ein Schwerpunkt wird sein, genreübergreifende Projekte zu machen – mit Tanztheater, mit Musiktheater Projekte zu überlegen, die vielleicht noch einmal andere Formate generieren und ein anderes Publikum ansprechen.

Welche Rolle spielen bei Ihnen die Klassiker?

Die wird es auch geben, auf jeden Fall. Ich bin ein großer Fan von Klassikern, von Sprache, von großen Stoffen. Es muss einem nur immer total klar sein, was sie uns heute zu sagen haben, warum man sie heute macht. Ich arbeite viel mit jungen Regisseurinnen und Regisseuren. Da finde ich immer spannend zu gucken, mit welcher dezidierten Handschrift, welcher Haltung blicken sie auf einen Klassiker und finden so einen spannenden Zugang. Das wird zentral sein. Eine weitere Säule ist die Frage, welche Themen sind in der Region, in der Stadt interessant? Wie kann man dafür spannende Formate kreieren, um das für die Menschen zu erzählen oder auch mit ihnen?

Wie halten Sie es mit Komödien, also mit leichterem, unterhaltendem Repertoire, das dann eben mal nicht so politisch ist?

Auch politische Stücke können unterhaltsam sein, das mal vorweggeschickt. Politik ist oft Komödie. Wie ich schon sagte, ich finde Theater muss immer verschiedene Ebenen im Menschen ansprechen. Die Emotionalität ist mir total wichtig, und dazu gehört Weinen und Lachen. Ich habe überhaupt keine Berührungsängste, auch mit Texten und Stoffen zu arbeiten, die Themen eher mit einer Leichtigkeit angehen und mit Humor.

Das mit dem Publikum ist ein Kennenlernen-Annäherungs-Beziehungsprozess. Das ist es die erste Aufgabe, ein Gespür dafür zu entwickeln, wo schlägt das Herz da – für welche Stoffe, für welche Themen, aber auch für welche Genres.

Planen Sie Personal aus Memmingen mit nach Oberhausen zu bringen, etwa Ihre Chefdramaturgin Anne Verena Freybott?

Die würde ich auf jeden Fall gerne mitbringen. Ich bin auch ein sehr treuer Theatermensch und insofern wird es sicher Kontinuitäten, was die Schauspielerinnen und Schauspieler angeht geben und natürlich auch, was Regisseure und Regisseurinnen angeht. Da gibt es ganz viele, mit denen ich gerne auch weiter zusammenarbeiten möchte. Unbedingt.

Info

Stationen in Nürnberg, Münster, Memmingen

  • Kathrin Mädler wurde 1976 in Osnabrück geboren. Sie studierte Dramaturgie, Theaterwissenschaft und Komparatistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Bayerischen Theaterakademie August Everding, sowie in Cincinnati, Ohio und promovierte in Theaterwissenschaft.
  • Nach Stationen von 2005 bis 2012 als Schauspieldramaturgin und Regisseurin am Staatstheater Nürnberg und von 2012 bis 2016 als leitende Schauspieldramaturgin und Regisseurin am Theater Münster wurde sie 2016 Intendantin des Landestheaters Schwaben in Memmingen.
  • Ihr Regie-Debüt gab sie 2009 in Nürnberg mit „Die Ermittlung“ von Peter Weiss.
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