Mit Puppe Oleg haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts im Konzerthaus Dortmund die Aerosol-Ausschüttung von Konzertbesuchern gemessen. Ob die Konzentration ungefährlich hat, hängt von drei Faktoren ab. © Konzerthaus Dortmund
Corona-Pandemie

Studie im Konzerthaus: Neues Corona-Konzept soll Konzerte wieder möglich machen

Im November hat das Konzerthaus Dortmund eine Studie zur Aerosol-Verteilung im Publikum in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse überraschen - lassen sich aber kaum auf andere Kulturstätten übertragen.

Die Aerosol-Ausschüttung von Streichern, Bläsern und Sängern haben Wissenschaftler im Corona-Jahr gemessen. Wie das Publikum Aerosole im Raum verteilt, hat das Fraunhofer-Institut in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und Hygieneexperten in der weltweit ersten Studie im November ermittelt.

In Auftrag gegeben hat die Studie das Konzerthaus Dortmund. Nun liegt die Auswertung vor, und die fließt an diesem Dienstag auch in die Debatte des Bundestags zu Kulturinstitutionen ein. Derweil erstellen die Bundesländer schon eine Ampelliste der Kultureinrichtungen.

Aerosole werden verdünnt

Die Ergebnisse der Messungen überraschen zumindest die, die Kultureinrichtungen für Infektionsherde gehalten haben. Und sie machen Besuchern, die Angst vor Ansteckung haben, Mut. Fazit der Auswertung der Messungen mit Dummy-Puppe Oleg, die mit und ohne Maske an vielen Positionen im Saal durchgeführt worden sind, ist:

„Insbesondere im Saal kann unter den gegebenen Bedingungen die Gefahr der Übertragung von Infektionen durch Aerosolübertragung nahezu ausgeschlossen werden“.

Nur wenn ein Besucher den Kopf zur Seite bewegt, ist die Aerosol-Konzentration beim Nachbarn höher.
Nur wenn ein Besucher den Kopf zur Seite bewegt, ist die Aerosol-Konzentration beim Nachbarn höher. © Konzerthaus Dortmund © Konzerthaus Dortmund

Vor allem die Lüftungsanlage sowie das Tragen eines Mund-Nasenschutzes würden die Aerosol- und CO2-Belastung so stark vermindern, sodass theoretisch sogar eine Vollbesetzung denkbar wäre, belegen die Experten.

Drei Faktoren entscheidend

Im Konzerthaus Dortmund wird die Luft alle 20 Minuten komplett ausgetauscht. Und durch das große Raumvolumen würde die Aerosol-Konzentration im Saal so verdünnt, dass eine Infektion nahezu unmöglich wäre, urteilen die Experten. Lediglich bei einer seitlichen Drehung des Kopfes sei eine leichte Erhöhung der Aerosol-Ausschüttung messbar gewesen.

Ob die Aerosol-Konzentration ungefährlich hat, hinge von drei Faktoren ab:

  • dass nur 50 Prozent der Plätze in einem Schachbrettmuster-Sitzplan besetzt sind
  • dass die Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen
  • dass die Lüftung 100 Prozent Leistung bietet.

Mit dem Schachbrett-Sitzplan und 50 Prozent Auslastung möchte der Dortmunder Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech arbeiten, wenn die Theater und Konzerthäuser wieder öffnen dürfen. „Wir wollen eine erneute Deckelung auf 100 Besucher vermeiden“, sagt der Intendant und wiederholt, was er und seinen Kollegen schon im Juni gesagt haben: „Konzerthäuser und Theater sind keine Infektionsorte.“

Raumvolumen und Leistung der Lüftungsanlage wichtig

Die Ergebnisse der Dortmunder Studie lassen sich auf alle Häuser weltweit anwenden. Fest steht aber auch: Diese Studie bezieht sich auf den konkreten Raum, das erst 2002 eröffnete Dortmunder Konzerthaus, das über eine moderne Lüftungsanlage verfügt.

Die zu empfehlende Besucherzahl ist abhängig vom Raumvolumen und von der Leistung der Lüftungsanlage ab. Heißt: Wenn im Konzerthaus Dortmund die Hälfte der Plätze besetzt werden könnten, schützt das noch lange nicht in einem Saal mit geringerem Raumvolumen und schlechterer Lüftung vor einer Infektion.

Die ersten Bundesländer – darunter Berlin – erstellen gerade eine Liste mit dem Raumvolumen und den Kapazitäten aller Häuser. Auch in NRW ist so eine Ampelliste in Arbeit. Das bestätigt auch NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: „Die Belüftung ist ein entscheidender Faktor für die Wiedereröffnung von Kultureinrichtungen.“

Hoffnung ruht auf Ostern

Die Theater und Konzerthäuser rechnen schon gar nicht mehr mit der Wiedereröffnung vor Ostern – im April. „Aber wir hoffen. Der Februar ist bei uns noch voll aktiv, und wir haben zurzeit auch keine rechtliche Grundlage, Verträge zu kündigen“, sagt der Intendant, der den Spielplan für die neue Saison auch erst im Juni vorstellen will. Die Studie bietet jedenfalls gute Gründe dafür, dass die Künstler bald auf die Bühnen zurückkehren dürfen.

Über die Autorin
Kultur-Redaktion
Julia Gaß begleitet und beobachtet seit 35 Jahren für die Zeitung das Kulturleben in Dortmund und in der Region.
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