In der Bibliothek nutzen Studenten häufig nur noch ihren Laptop zum Arbeiten. Brauchen sie überhaupt noch eigene Fach- und Lehrbücher für Zuhause? © picture alliance / Christophe Gateau
Buchhandel

Studieren ohne eigene Bücher – Kaufen Studenten noch Fachbücher?

Studenten lesen nur noch das, was sie unbedingt lesen müssen. Ein Vorurteil oder ist da etwas Wahres dran? Uni-Buchhandlungen berichten, wie sich der Fachbuch-Markt entwickelt hat.

Studieren geht nicht ohne Literatur. Egal welche Fachrichtung, um Bücher kommt man kaum herum. Aber muss man diese auch kaufen oder reicht das Studium in der Bibliothek? Früher zierten Bücherregale voll mit Standardwerken, Primärliteratur und Lexika viele Studentenzimmer. Aber wie ist das heute?

„Es gibt Fächer, wo es einen Wettbewerb darum gibt, ob man es schafft, einen Abschluss zu bekommen, ohne ein Fachbuch gelesen zu haben“, sagt Kilian Fried von der Heinrich-Heine-Buchhandlung für Literatur und Wissenschaft in Essen. Er nimmt in den vergangenen Jahren immer weniger Interesse von Studierenden an Fachbüchern wahr.

Das bestätigt auch Susanne Ziegler, Pressesprecherin der Verlagskooperation UTB, die auf Universitätsliteratur spezialisiert ist: „Der Verkauf von Print-Büchern geht schon seit einigen Jahren zurück.“

Nur interessant, was relevant für die Prüfung ist

Das führt dazu, dass einige Geschäfte um ihre Existenz bangen. In Bochum musste die Uni-Buchhandlung Schaten zum Ende des vergangenen Jahres ihren Standort aufgeben – nach fast 50 Jahren. Wobei auch die Corona-Pandemie und die Umstellung auf Online-Lehre und damit das Ausbleiben der Studierenden ein Grund für die Schließung waren. Immerhin einen Onlineshop mit eigenen Lieferdienst gibt es noch.

Jörn Senga von „Unibuch“, das am Campus der TU Dortmund angesiedelt ist, hat in den vergangenen Jahren beobachtet: „Den meisten Studierenden reicht das aus, was sie von den Dozenten an die Hand bekommen. Also das, was prüfungsrelevant ist. Für das, was darüber hinausgeht, interessieren sich nur wenige.“

Die Dortmunder Buchhandlung hat deshalb ihr Sortiment immer mehr verändert: Neben Fachbüchern gibt es nun mehr Belletristik oder englische Bücher. Und auch Geschenkartikel und Schreibwaren werden häufiger angeboten.

Geisteswissenschaftler kaufen mehr Bücher

Allerdings lässt sich auch festhalten, dass es beim Fachbuch-Kauf einen Unterschied zwischen den einzelnen Studienrichtungen gibt. Juristen, Mediziner, aber auch Naturwissenschaftler sowie Pädagogen waren bis zuletzt ein stabiler Markt für Fachbücher.

„Lehramt-Studierende und Geisteswissenschaftler kaufen mehr Bücher: Sie besorgen sich Primärliteratur, Lexika, Handbücher oft zu Beginn des Studiums und nutzen sie meist für die gesamte Zeit oder auch später noch im Berufsleben“, sagt Kilian Fried von der Heine-Buchhandlung. In technischen Studiengängen oder bei den Wirtschaftswissenschaften gehen die Käufe dagegen stark zurück.

Verschultes System an Universitäten

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Der digitale Wandel an Universitäten hat sich schon lange auf dem Fachbuchmarkt bemerkbar gemacht. Vielerorts haben die Hochschulen digitale Lizenzen, sodass Studierende auf umfangreiche Teile des Katalogs zugreifen können.

Buchhändler Fried findet, dass das geringer werdende Interesse an Fachliteratur auch mit dem verschulten System von Bachelor und Master an der Uni zusammenhängt. „Dadurch gibt es einen regelrechten Drill. Jeder will schnell fertig werden und die Studenten haben keine Zeit dazu, einen Blick über den Tellerrand zu werfen.“

Ziegler vom UTB sagt: „Früher, als es noch den Magister gab, haben viele gerne noch das eine oder andere Buch mehr gelesen. Jetzt haben viele Studierende keine Zeit mehr dafür.“

Auflage nicht entscheidend

Ein weiterer Grund für die Existenzängste von Uni-Buchhandlungen: die größer werdende Konkurrenz im Internet. Hier ist zum einen der Markt für gebrauchte Bücher. „Schon genutzte Literatur kann man seit einigen Jahren viel besser bekommen als davor. Früher ging man eher in ein Antiquariat, heute findet man im Internet große Auswahl an gebrauchten Büchern“, sagt Jörg Senga.

Den meisten Studierenden sei es zudem nicht wichtig, die aktuelle Auflage eines Werks zu haben. Daher schauen sie nach der Version, an die sie herankommen. Um auf dem antiquarischen Markt mitzuhalten, gehört seit etwa zehn Jahren ein Teil an gebrauchten Büchern zum festen Bestandteil bei der Heinrich-Heine-Buchhandlung.

„DNA der Studenten“

Zum anderen ist Amazon zum Gegenspieler geworden. Für Studierende gibt es beispielsweise das Amazon-Prime-Angebot: Die ersten sechs Monate sind kostenfrei, danach werden 3,99 Euro pro Monat oder 34 Euro im Jahr fällig.

„Ich denke, Internet-Bestellungen liegen mittlerweile in der DNA der Studierenden. Dass wir als Buchhandel innerhalb eines Tages ein Buch bestellen können, keine Liefergebühren anfallen und man es dann abholen kann, haben viele nicht auf dem Schirm“, sagt Senga. Viele würden auch nach einem Studentenrabatt fragen, aber er und seine Kollegen müssen dann erstmal die Buchpreisbindung erklären und dass dementsprechend kein Rabatt möglich ist.

Info

Am Preis liegt es nicht

  • Die Fachliteratur für Studenten ist dank der deutschen Buchpreisbindung in den vergangenen Jahren nicht teurer geworden.
  • Dafür sind jedoch Werke aus England oder USA meist sehr teuer.
  • „Dort existiert keine Buchpreisbindung. Daher werden wir dann meist von den Studenten vorwurfsvoll angeschaut, wenn wir ihnen die Preise für die Bücher nennen. Aber da können wir natürlich nichts machen“, sagt Kilian Fried von der Heinrich-Heine-Buchhandlung in Essen.
Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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